Wasserburg – Das Nationenfest, das 1993 erstmals über die Bühne ging, gilt als eine der beliebtesten und schönsten Wasserburger Open-Air-Veranstaltungen. In der Altstadt wird am Samstag, 27. Juni, den ganzen Tag über bis in die Nacht ein buntes Treiben herrschen. Start ist traditionell um 15.05 Uhr, nachdem die Kirchenglocken das Wochenende eingeläutet haben. „Man bekommt da ein Essen, wie man es sonst das ganze Jahr nicht hat“, sagt Veranstalter Robert Obermayr. „Und das in einer tollen Atmosphäre mit toller Musik auf drei Bühnen.“
Fest bringt Stadt
zum Vibrieren
Es ist das Fest, seit mehr als 30 Jahren vom Förderverein Aktionsbündnis Rio Konkret organisiert, das die Stadt am Inn im Frühsommer regelmäßig zum Vibrieren bringt.
Der Aufwand freilich ist riesig. Ziel der ehrenamtlichen Organisatoren damals wie heute: die Menschen aus verschiedensten Ländern miteinander in Kontakt zu bringen. Es geht um Vielfalt, Begegnung und gelebte Integration, man genießt einen Tag voller Lebensfreude, internationalem Flair und Gemeinschaft für die ganze Familie.
Entstanden ist das Nationenfest als Reaktion auf die fremdenfeindlichen Übergriffe in Hoyerswerda, Mölln und Solingen Anfang der 90er-Jahre – Tausende Wasserburger beteiligten sich damals an spontanen, stillen Protesten und Lichterketten. Ein starkes, solidarisches Zeichen gegen Ausländerhass sollte gesetzt werden.
In Scharen
in die Altstadt
Anfangs widmete sich der damalige Freundeskreis Lichterkette mit großem Engagement der Aufgabe, alljährlich Menschen aus 40 und später noch mehr Nationen – heute sind es über 90 – zu einem heiteren Treffen in der Stadt zu versammeln.
Die Wasserburger nahmen es dankend an, strömten in Scharen in die Altstadt. Der Chronist hielt in seinem Bericht am Montag, 22. Mai 1995, fest: „Besonders die Stände, die leibliche Genüsse boten, zogen die Gäste magisch an, man probierte sich durch spanische Paella, indische Pakoras, Falafel, türkisches Kebap, französische Crêpes, griechisches Gyros oder bayerische Spezialitäten.“ Nur verleidete damals der Dauerregen vielen Wasserburgern den Besuch. Auch ein Jahr später, 1996, trieb ein Schauer die Besucher unter die Dächer und Arkaden. Von einem eher gemütlichen als rauschenden Fest wurde berichtet.
Nach der vierten Auflage galt es als Selbstläufer. Ein Zehnjähriger, zum Fest befragt, wurde mit den Worten zitiert: „Weil’s einfach schee is.“ Auch in den Jahren danach sollte dieses Urteil Bestand haben.
2002 zählte man bereits 10.000 Besucher, die sich in der Altstadt zwischen Herrengasse, Hofstatt und Rathaus tummelten. Vermehrt wurden politische Aspekte von den Veranstaltern berücksichtigt. So diskutierte der grüne Bundestagsabgeordnete und heutige baden-württembergische Ministerpräsident Cem Özdemir mit dem Waginger Bürgermeister Sepp Daxenberger über die Globalisierung.
Doch inhaltliche Angebote, Beteiligung von Parteien und Besuch von Politprominenz haben in den vergangenen Jahren abgenommen. Robert Obermayr muss heute mehr denn je Sicherheitsauflagen im Auge behalten: „Terrorschutz und Lebensmittelhygiene bringen uns als kleinen Verein mit gerade 40 Mitgliedern immer wieder an Grenzen.
Was man vor zehn Jahren noch aus dem Stegreif auf die Beine stellen konnte, bedarf heute genauer Planung und eines professionellen Teams.“
Auch heuer gibt es bei der großen Sause wieder an zwei Dutzend Ständen Spezialitäten aus aller Herren Länder. Aus Afrika, Europa und Asien. Süß oder herzhaft, mit und ohne Fleisch. Ob Fingerfood aus Afrika, Langosch aus Rumänien, Leckereien rund ums Mittelmeer oder Spezialitäten aus der philippinischen Küche – es gibt fast nichts, was es nicht gibt.
Dazu einen Smoothie, einen marokkanischen Pfefferminztee, einen türkischen Ayran oder ein oberbayerisches Bier.
Internationale Klänge
begleiten in den Abend
Auch akustisch geht es bunt zu. Der Nachwuchs der Stadtkapelle spielt in der Hofstatt, in der Herrengasse sind moderne brasilianische Trommelklänge zu hören und in der Färbergasse eine junge Liedermacherin. Peruanische Tänze und Musik, eine ukrainische Frauengruppe, australische Klänge, orientalische Tänze begleiten das Fest in den Abend. Auf dass es am Ende wieder heißt: „Schee war’s.“