Flintsbach – Im Pfarrheim Flintsbach hat eine vierköpfige Besuchsgruppe aus Tansania über das Missionsprojekt Morogoro berichtet, das die KAB München-Freising seit 15 Jahren betreut. Angela und Philomena, der Arzt Maximilian und die Lehrerin Junnit gaben dabei einen Überblick über die geschaffenen Projekte sowie Einblicke in das sozialpolitische Leben, die Arbeitswelt und die Frauen- und Kinderrechte vor Ort.
Das Projekt Morogoro basiert auf dem Prinzip der Hilfe zur Selbsthilfe und einem genossenschaftlichen Ansatz. Kleingewerbe wie Schneidereien, handwerkliche Tätigkeiten und landwirtschaftliche Projekte im ökologischen Anbau können in Zusammenarbeit mit der KAB gefördert werden. Voraussetzung dafür ist die Mitgliedschaft in einem der Sparvereine, die Vorlage eines Geschäftsplans sowie die Benennung von zwei Bürgen. Finanziert werden die Projekte unter anderem durch Spenden aus den Ortsverbänden. Hannes Kreller, ehemals hauptamtlicher Diözesansekretär, und Karl Busl, der als Dolmetscher fungiert, haben sich vor Ort überzeugt und die Kontakte aufrechterhalten.
Tansania, einst deutsche Kolonie, ist zwar eine Demokratie, befindet sich derzeit aber auf einem autokratischen Weg, was das Zusammenleben und die wirtschaftliche Entwicklung hemmt. Auch die medizinische Versorgung gestaltet sich schwierig: Der Arzt Maximilian betreut einen Bezirk mit einem Umkreis von 20 Kilometern. Arztbesuche seien teuer und oft mit einem mehrstündigen Fußmarsch verbunden, wie er berichtete. Die Grundversorgung bis zum sechsten Lebensjahr sei zwar kostenfrei, doch mangele es – ähnlich wie in Deutschland – an ausgebildetem Personal, so der Mediziner.
Besonders eindrücklich schilderte Junnit ihren persönlichen Werdegang. Nach der Schulzeit arbeitete sie als Hausmädchen, wobei ihr Lohn an die Eltern ging. Nach Arbeitsende, das oft erst nach zwölf Stunden eintrat, erwarb sie durch Nachhilfe einen Schulabschluss vergleichbar dem Abitur und erhielt so Zugang zur Universität. Die Nachhilfe finanzierte sie über einen Kredit aus dem Sparverein. Ihr späteres Einkommen als Lehrerin ermöglichte die Ausbildung ihrer Kinder; ein Sohn besuche das Priesterseminar. Ihre Ausführungen trug Junnit in perfektem Englisch vor, während Maximilian auf Kisuaheli sprach, das sie wiederum übersetzte.
Maria Vogt von der KAB Brannenburg überreichte den Gästen einen Spendenscheck über 250 Euro, der durch weitere Spenden bei der Veranstaltung aufgestockt wurde. swt