Weltpremiere am Kinderskilift

von Redaktion

Die zweite Auflage des Werner-Herzog-Open-Air-Kinos hat am vergangenen Freitag und Samstag rund 250 Zuschauer nach Sachrang gelockt. Neben Filmklassikern und einer Welturaufführung erwarteten die Besucher hochkarätige Ehrengäste sowie ein literarischer Spaziergang.

Sachrang – Speziell ist sicherlich das Bergsteigerdorf Sachrang am Ende des Prientals: abgelegen, unmittelbar an der Grenze nach Österreich, von Bergen und Natur umgeben, geprägt von Landwirtschaft und Tradition. Und genau dies nahm auch maßgeblich Einfluss auf einen weltweit renommierten Filmemacher: Werner Herzog verbrachte prägende Jahre seiner Kindheit und Jugend in Sachrang. Ein gutes Dutzend Bürger aus Sachrang und Aschau wollen ehrenamtlich aktiv unter dem Schirm der Vereine „Lebendiges Sachrang“ und „Heimat- und Geschichtsverein Aschau im Chiemgau“ mit diesem Freilichtkino Werner Herzog und dessen einzigartiges Schaffen würdigen.

Prominente Gäste und
literarische Spaziergänge

Dazu reisten neben rund 250 Besuchern auch diverse Ehrengäste an, allen voran Werner Herzogs Bruder Lucki Stipetic. Er war Produzent vieler Herzog-Filme und kann ganz wunderbar erzählen. Aus Berlin kam Gisela Storch-Pestalozza, die bei acht Herzog-Filmen als Kostümbildnerin arbeitete. Bekannt aus dem Vorjahr waren der Regisseur Thomas von Steinaecker, der mit „Radical Dreamer“ das offizielle filmische Porträt über Werner Herzog gedreht hat, und der Cutter Volker Schaner. Neu an Bord waren der Schauspieler Andreas Schwankl aus Prien und der preisgekrönte Regisseur Hans Steinbichler.

Steinbichler, ebenfalls im Chiemgau aufgewachsen, arbeitet derzeit an einem Film über die Mare, die Sennerin vom Geigelstein.

Mit einem neuen Programmpunkt sorgten die Organisatoren für einen weiteren Höhepunkt: Ein „Literarischer Spaziergang“ führte an beiden Nachmittagen zu „Werner-Herzog-Orten“ in Sachrang, zum Beispiel zur Alten Schule, zur ehemaligen Skisprungschanze oder zum Wasserfall in Berg. Dort wurden passende Passagen aus Herzogs Memoiren „Jeder für sich und Gott gegen alle – Erinnerungen“ gelesen. Am Freitag durften die Mitwanderer Andreas Schwankl lauschen, am Samstag Hans Steinbichler.

Bevor die Filme begannen, fanden Live-Bühnengespräche statt. Am Freitag moderierte Mitveranstalter Georg Antretter vom Bayerischen Rundfunk den Talk mit Thomas von Steinaecker und Volker Schaner. Die beiden berichteten von ihrer Arbeit an „Herzog dahoam“, einem 30 Minuten langen Film, der im direkten Anschluss seine Welturaufführung fand. Er entstand aus bislang unveröffentlichtem Drehmaterial von „Radical Dreamer“. Regisseur von Steinaecker sagte: „Es ist eher selten, dass man in altes Archivmaterial eintaucht, und noch seltener, dass man daraus etwas Neues macht. Aber wir haben unglaublich viel Spaß dabei gehabt, vielleicht wird daraus noch mehr…“

Am Samstag sprach dann Hans Steinbichler mit den beiden Protagonisten Lucki Stipetic und Gisela Storch-Pestalozza. Sie gaben interessante Einblicke in ihre Arbeit mit Werner Herzog und in dessen Leben. Auch die Episoden aus der Welt des Films begeisterten die Zuschauer.

Als Hauptfilm am Freitag lief „Die große Ekstase des Bildschnitzers Steiner“, ein Film, den Herzog selbst zu seinen wichtigsten zählt. In dieser Dokumentation über den Schweizer Bildschnitzer und Skispringer Walter Steiner geht es um das Skifliegen und um die Grenze des für Menschen Machbaren. Herzog selbst war in seiner Jugend Skispringer, bis sein bester Skisprungfreund, Reiner Stekowski, vor seinen Augen lebensgefährlich verunglückte. Genau dieser Freund war ebenfalls zu Gast in Sachrang und berichtete aus erster Hand über das gemeinsame Springen mit Herzog. Wie dieser kam Stekowski während des Krieges als Flüchtling ins damals bettelarme Bauerndorf.

Als Hauptfilm wurde am Samstag „Nosferatu – Phantom der Nacht“ gezeigt. In seiner ersten großen Kinoproduktion greift Werner Herzog das Sujet „Graf Dracula“ auf.

Positives Fazit
und Ausblick

Lilo Trappmann, Vorsitzende des Vereins „Lebendiges Sachrang“, zog ein sehr positives Resümee: „Eine solche Veranstaltung auf die Beine zu stellen, erfordert Mut und macht sehr viel Arbeit. Aber das positive Feedback seitens unserer Protagonisten ebenso wie von den Besuchern zeigt uns, warum wir das machen. Überlegungen für 2027 gibt es bereits.“

Hans Steinbichler ermunterte das Veranstaltungsteam: „Was ihr hier macht, ist einzigartig, ihr müsst unbedingt weitermachen! Und es wäre mir eine Freude, nächstes Jahr wieder dabei zu sein.“

Werner Herzogs tiefe Verbindung zu Sachrang

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