Radweg gegen Elterntaxis

von Redaktion

Stephanskirchen plant Fahrradstraße für mehr Schulwegsicherheit

Stephanskirchen – Tropische Temperaturen begleiteten die erste Sitzung des Umwelt- und Verkehrsausschusses, der sich nach der Kommunalwahl stark verändert hat. Fünf von acht Mitgliedern sind neu im Ausschuss. Seit den 1980er-Jahren seien die Themen Umwelt, Landschaftspflege, Verkehr und Natur ein Schwerpunkt der gemeindlichen Arbeit. Bürgermeister Karl Mair betonte: „Wir dürfen uns hier in einer Vorreiterrolle sehen.“ Ausgangspunkt ist ein integriertes Klimaschutzkonzept, das vom Gemeinderat 2013 beschlossen wurde.

Info über aktuelle
Treibhausbilanz

Daraus ableitend informierte Adrian Hauser vom Institut für nachhaltige Energieversorgung in Rosenheim über die aktuelle Treibhausbilanz. Die Zielvorgabe der ersten Untersuchungen, beginnend 2011 und fortgeführt 2015 sowie 2018, liegt bis 2030 bei vier Tonnen Kohlendioxid pro Einwohner. Die aktuellen Zahlen aus dem Jahr 2023 belegen einen Wert von 4,19. Durch Veränderungen der Berechnungen, neue Werte und den neuen Partner Bayernwerk sind jedoch nicht alle Zahlen direkt vergleichbar.

Mit Diagrammen zeigte Hauser auf, wo es Verbesserungs- oder Einsparmöglichkeiten gibt. Das Ziel sei machbar: „Wir befinden uns auf dem besten Weg“, so der Bürgermeister. Die Fortführung der kommunalen Wärmeplanung, Biogaserzeugung, Fotovoltaik, Verkehrsentwicklung sowie der gemeindlichen Liegenschaften im privaten, aber auch im öffentlichen Bereich sind weiter auszubauen.

Nachfragen bezogen sich auf bestimmte Zahlenwerte bei der Bilanzerstellung, die Dämmung von Gebäuden, ein Nachdenken über die Zielsetzung sowie die Beratung der Bürger zum CO2-Wert. Einheitlich gefordert wurde eine zeitnahe weitere Information – die vergangenen Erhebungen liegen nun bereits drei Jahre zurück.

In der über zweistündigen Sitzung wurde zudem emotional über das Dauerthema Verkehr diskutiert. Grundlage hierfür waren das Radverkehrskonzept und der Antrag, die Schul- und Kreuter Straße als unechte Fahrradstraße auszuweisen. Das Ziel ist es vorrangig, die Schulwegsicherheit zu erhöhen, das Verkehrsverhalten zu verbessern und den Schleichverkehr zu verhindern.

Unsicherheiten zur unechten Fahrradstraße, die rechtliche Lage und Verhaltensweisen bestimmten die Wortmeldungen. Der Bürgermeister verwies auf Beispiele in Rosenheim, Wasserburg und Bad Aibling sowie auf die Planungen in Bad Endorf. Sicherheit soll das oberste Ziel sein, verbunden mit der Verbesserung des innerörtlichen Radverkehrs, was auch für mehr Lebensqualität stehe. Ein angedachter Zeitpunkt für die Umsetzung sind die Sommerferien. Einhelliger Tenor am Ratstisch war eine bestmögliche Information und Einbeziehung der Anwohner sowie eine dringende Aussprache mit der Schulleitung, der Lehrerschaft und den Eltern.

Es soll kein Platz mehr für Elterntaxis sein, was aber eine geänderte Parkmöglichkeit erfordert – eventuell am Parkplatz bei der Kirche. Eine weitere Fragestellung betraf die älteren Verkehrsteilnehmer. Es herrschte jedoch Einigkeit am Ratstisch: Man will es trotz aller Unsicherheiten angehen. Details wie Verkehrszeichen und Markierungen auf der Straße bei Aus- und Einfahrten sind mit den Fachstellen und der Polizei zu klären. Die Kostenschätzung liegt bei rund 40.000 Euro.

Verkehrsplanung
und Biodiversität

Einmal beim „Radl“ angelangt, wurden weitere spezielle Wünsche, Sorgen und Anregungen in anderen Bereichen der Gemeinde angesprochen, wie der Radweg nördlich des Simssees und andere. War hier noch Gemeinsamkeit zu verzeichnen, erhoben sich zwei ablehnende Stimmen zur Aufhebung der Benutzungspflicht des Geh- und Radwegs für Radfahrer entlang der Salzburger Straße. Grundlage hierfür sind Engstellen bei der Wegbreite, die eine Gefahrenstelle darstellen.

Ein Ausweichen der „Radler“ auf die Salzburger Straße wird die Folge sein. Für diese Straße hat die Gemeinde keine Handhabe. Ein gemeindlicher Antrag beim Landratsamt auf eine Geschwindigkeitsbeschränkung von 30 km/h wurde abgelehnt. Aus Sicht der Gemeinde liegen hier Fehleinschätzungen vor, da sich in diesem Bereich ein Kindergarten und eine Schule befinden. „Diese Ost-West-Achse ist der Knackpunkt in der Verkehrsplanung der Gemeinde“, verwies der Bürgermeister in seinen Erläuterungen. Ein Hoffnungspunkt wäre eine baldige Klärung der Kraglinger Spange, wodurch der Schwerverkehr reduziert werden könnte.

„Auf dem richtigen Weg“, meinte Mayr, „sind wir im Bereich der Biodiversität.“ Zuschüsse und Hilfen werden gewährt, etwa für private Fassadenbegrünung, Waldumbau, das Anrufsammeltaxi, private Dachbegrünung und Energieberatung; zudem wurde eine Bezuschussung für Lastenräder eingeführt. Dies sind Punkte, die sich auch in der Klimabilanz widerspiegeln.

Ohne direkte Einflussnahme begleitet die Gemeinde zudem den Antrag auf Reaktivierung der Bahnstrecke Landl-Rohrdorf. Die derzeitige Auflage vonseiten der Bahn, 1.000 Fahrgäste pro Tag und Kilometer zu erreichen, könnte einer Wiederbelebung allerdings im Weg stehen.

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