Mit Pfeil und Bogen auf Attrappenjagd

von Redaktion

Natascha Bartsch vom ASV Eggstätt hat im vergangenen Jahr große Erfolge gefeiert. Die 23-Jährige wurde sowohl bei den bayerischen als auch bei den deutschen Meisterschaften Zweite. Ihre Disziplin ist dabei nicht das klassische Schießen auf Scheiben, sondern das 3D-Bogenschießen im Wald auf Tier-Attrappen.

Eggstätt – Die Sonne scheint auf die sattgrüne Wiese, es ist leicht bewölkt, im Hintergrund thront das Bergpanorama. Auf der Wiese am Hartsee-Stüberl in Eggstätt bauen Mitglieder des ASV Eggstätt Scheiben für das Bogenschießtraining auf, das gleich stattfinden soll. Mit vereinten Kräften werden drei große, staffeleiartige, dreibeinige Matten auf Holzgestellen aufgestellt, auf die noch die Zielscheibe draufkommt. Die insgesamt acht Teilnehmer sind routiniert am Aufbauen, stellen ihr Equipment bereit und schnallen ihre Köcher mit den Pfeilen um.

„Pfeile frei“, ruft Fabian Fischer, der Abteilungsleiter beim ASV Eggstätt. Geschosse sirren durch die Luft, mit einem dumpfen „Klong“ treffen diese ihr Ziel. Im Abstand von jeweils zehn, dreißig und 50 Metern sind die drei Scheiben aufgebaut. Geschossen werden fünf bis sechs Pfeile bis es heißt: „Pfeile holen“.

Mit dabei ist auch Natascha Bartsch. Die 23-Jährige aus Eggstätt ist sowohl bei den bayerischen Meisterschaften als auch bei den deutschen Meisterschaften im 3D-Bogenschießen im vergangenen Jahr Zweite geworden.

Lebensgroße Tiere
aus Schaumstoff

Beim 3D-Bogenschießen und dem allseits bekannten Bogenschießen handelt es sich um zwei verschiedene Sportarten. Anders als man vielleicht vermuten würde, schießt man bei der exotischeren Variante allerdings nicht mit einer 3D-Brille auf dem Kopf. Ursprünglich aus den USA stammend, ist die Sportart in Deutschland seit zehn bis 15 Jahren im Kommen. Entstanden ist der Sport aus dem Jagdbereich, da in den USA die Jagd mit dem Bogen erlaubt ist.

Anders als beim Schießen auf Scheiben findet das 3D-Bogenschießen im Wald statt. Dort wird durchs Dickicht und an Bäumen vorbei auf lebensgroße Tiere aus Schaumstoff geschossen. Egal ob Fuchs, Wildschwein oder Bär – auf den Tieren befindet sich jeweils eine Minizielscheibe, die „Kill“ genannt wird. Bei den Ringen auf der Minizielscheibe gibt es unterschiedliche Zonen: Die drei innersten Kreise geben jeweils entweder acht, zehn oder elf Punkte; wenn man gar keinen dieser drei Ringe des Kills trifft, sondern an einer beliebigen Stelle des Körpers, gibt es immerhin noch fünf Punkte. Die wesentlichen Punkte, wie sich die beiden Sportarten unterscheiden, seien vor allem das Gelände und das Punktesystem, so Bartsch.

Schnuppertraining
weckt Interesse

Zum Bogenschießen gekommen ist die 23-Jährige vor dreieinhalb Jahren bei einem Schnuppertraining in Eggstätt. Rund 40 Mitglieder hat der Verein nun, wie Fabian Fischer erzählt. Zehn bis 15 Personen sind aktiv und kommen regelmäßig zu Trainingsstunden am Mittwoch und Sonntag von 16 bis 18 Uhr. Wie auch Bartsch, die allerdings durch ihre Arbeit im Priener Ordnungsamt bedingt nur sonntags kommen kann.

Im Training wird vorrangig nur mit den Scheiben trainiert, aber es gibt die Möglichkeit, Schaumstofftiere auf der Wiese aufzustellen. „Das, was fehlt, ist der Wald“, so Bartsch, in dem man üben könnte. Auf diese Weise konzentriert sie sich hauptsächlich auf das Scheibentraining.

„Es ist so schön, da kann ich alles vergessen. Es sind nur die Scheiben und ich“, erzählt Bartsch mit leuchtenden Augen. „Sonst gibt es immer Ablenkung durch Umwelteinflüsse, aber hier kann ich mich ganz auf das Hier und Jetzt konzentrieren.“ Es hätte etwas sehr Beruhigendes, ohne Handy durch den Wald zu streifen – das reize sie besonders am 3D-Bogenschießen. Beim Schießen auf die lebensgroßen Schaumstofftiere hat sie übrigens kein Jagdgefühl, wie sie verrät. Dass sie auf, wenn auch unechte, Tiere schießt, blendet sie aus. Für sie zähle rein der Sportgedanke. Und sie ergänzt lachend, dass sie Vegetarierin ist.

Doch nicht nur das Bogenschießen auf Scheiben und das 3D-Bogenschießen unterscheiden sich, auch bei der Art zu schießen gibt es verschiedene Möglichkeiten. Natascha Bartsch schießt intuitiv, andere schießen je nach Entfernung mit Zielhilfe, wie einem Visier. Auch bei der Wahl der Bögen gibt es Unterschiede. Bartsch setzt beim Schießen auf einen traditionellen Bogen oder einen Langbogen. Diese seien im Gegensatz zu den Compound- oder Blankbögen ohne jegliche Anpassungen oder technische Hilfen. Die Mehrzahl schieße aber mit traditionellen Bögen, so Bartsch.

Bartsch ergänzt, dass jeder seine Art zu schießen mit der Zeit finde. Allgemein benötige es keine Vorbereitung oder gar körperliche Voraussetzungen für den Sport. Wichtig seien Motivation und Lust auf den Sport, betont Bartsch. So könne jeder bei Interesse an einem Training des ASV Eggstätt teilnehmen.

Das Equipment sei dann schon teurer, wie Bartsch zusammen mit Fabian Fischer und Julia Mayer, dem ersten Abteilungsleiter und der zweiten Abteilungsleiterin des ASV, erklärt. Rund 350 Euro kostet ein Einsteiger-Set, bestehend aus einem Bogen, Köcher, Pfeilen, Armschutz und dem Fingerschutz namens Tab. Etwa 250 Euro ein traditioneller Bogen. Je technischer die Bögen werden, desto teurer seien sie auch, meint Mayer. Bartsch habe allerdings keine Sponsoren: „Das ist meine Freude und mein Spaß“, grinst die Eggstätterin.

Durch Spaß zur
oberbayerischen Meisterin

Dass sie selbst innerhalb dieser dreieinhalb Jahre so erfolgreich sein würde, hätte sie nie gedacht. Ihr Trainer meldete sie vor zwei Jahren zusammen mit vier anderen Vereinsmitgliedern bei der Oberbayerischen Bezirksmeisterschaft an. Vereinsturniere seien eher selten und sie solle es einfach als Training mitnehmen, erzählt Bartsch. Zunächst sei sie etwas unsicher gewesen, erinnert sie sich, aber dann habe der Spaß überwogen. Tatsächlich holte Bartsch bei den „Traditionellen Schützen Damen“ den Sieg und durfte sich ab da oberbayerische Meisterin nennen. Auf diese Weise qualifizierte sie sich auch für die bayerische Meisterschaft.

Diese sei ein schönes Erlebnis gewesen mit tollen Leuten. Auch eine Anekdote gibt sie zum Besten: Vor Turnierbeginn meinte ihr Trainer Wolfgang Kofen, dass er es ihr zutrauen würde, 300 Punkte zu schießen. Stolz erzählt sie, dass ihr genau das gelungen ist und sie sich durch diese Punktzahl für die deutsche Meisterschaft 2025 qualifiziert hat.

Erfolge bei bayerischer und
deutscher Meisterschaft

Bei ihrer zweiten bayerischen Meisterschaft war die Eggstätterin dann deutlich entspannter, da sie die Abläufe und auch die Leute dort schon kannte. „Jeder ist da, weil er den Sport so mag“, erzählt sie, und dass, sich alle Frauen bei ihrem Erfolg für sie mitgefreut hätten. Die deutsche Meisterschaft im vergangenen Jahr sei da mit ein paar hundert Teilnehmern schon noch mal deutlich größer gewesen, so die deutsche Vize-Meisterin. In einem Waldstück bei Bad Kreuznach ging es nach dem Einschießen auf der Wiese durch den Parcours. In Kleingruppen hatte jeder und jede bei insgesamt 24 Zielen zwei Minuten Zeit pro Ziel. Wenn alle ihre zwei Pfeile geschossen hatten, ging es zum Tier und die Punkte wurden gezählt.

Hoffnung auf
erneute Qualifikation

„Es macht mir Freude, wenn ich schießen darf, das reicht mir“, meint die 23-Jährige über ihre Erfolge. An ihre zweiten Plätze bei den bayerischen und deutschen Meisterschaften denke sie wenig, ihr komme es vor allem auf den Spaß an, den sie dabei habe. Auch im Verein habe sich dadurch nichts verändert, mit Neid oder Missgunst sei sie bislang noch nicht konfrontiert gewesen.

Auch in diesem Jahr krönte sich Bartsch erneut zur oberbayerischen Meisterin. Mitte Juli finden auch wieder die bayerischen Meisterschaften statt, bei denen sie sich erneut für die deutsche Meisterschaft qualifizieren will.

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