Gänsefingerkraut im Geldbeutel

von Redaktion

Ein neues Gemeinschaftsprojekt der vier Prien-Anrainergemeinden lädt Natur- und Genussliebhaber auf eine Entdeckungstour ein. Bei einer Führung in Sachrang entführt Kräuterspezialistin Martina Glatt die Besucher in die Welt der Wildkräuter am Wegesrand.

Aschau-Sachrang – „Unsere Identität als Region mit drei zertifizierten ‚Genussorten‘ bildet das perfekte Fundament“ für das neue Gemeinschaftsprojekt der vier Anrainergemeinden der Prien, findet Herbert Reiter, Leiter der Aschauer Tourist-Info. Er hat zur Auftaktveranstaltung der neuen Führung für Natur- und Genussliebhaber nicht nur seine Kollegen aus den Tourist-Infos von Frasdorf, Prien und Rimsting begrüßt, sondern auch die Bürgermeister der vier Gemeinden sowie das Bremer Ehepaar Waltraut und Hilger Weiers, die seit vielen Jahren Urlaub in der Region machen und durch einen Flyer auf die Veranstaltung aufmerksam geworden sind.

Vergessenes Wissen
am Wegesrand

Martina Glatt, Aschauer Kräuterspezialistin und Genussführerin, führte ihre Gäste quer durch das Bergsteigerdorf Sachrang auf einem kleinen, aber kräuter- und wildpflanzenreichen Weg. Viele der Pflanzen seien Superfood und Genussmittel, warb Glatt, die seit über 25 Jahren Gästeführungen anbietet und seit vielen Jahren auch den Heilkräutergarten an der Dorfschule hegt und pflegt.

Zu Zeiten des Müllner Peters, vor über 250 Jahren, habe man alles über die Wirkung und Heilkraft der Wildkräuter gewusst. Heutzutage sei vieles Wissen verschüttgegangen. Doch es lohne sich, dieses Wissen um die Natur- und Genussschätze am Wegesrand nicht zu vergessen.

Sei es die Schafgarbe, auch ob der Blätterform die „Augenbraue der Venus“ genannt, die bei Bauchweh hilft, der rote Klee, der sich für Salate und als Teemischung anbietet, der Spitzwegerich, der Hustenreiz und Mückenstiche lindert, oder die Brennnessel, die man wie Spinat verwenden kann („besser vorher blanchieren“). Weniger bekannt sind der Wiesenkümmel, dessen untere Blätter denen der gelben Rübe ähneln und die oberen dem Dill, oder das Gänsefingerkraut. Letzteres wirkt blutstillend, aber dem Kraut wird auch eine weitere Bedeutung zugeschrieben: „Wer sich etwas in den Geldbeutel packt, dem geht das Geld nicht aus“, versprach Martina Glatt. Ob das auch für Kommunen gilt? Die Bürgermeister blickten skeptisch.

Vielfalt im Kräutergarten
– auch bei den Namen

Unterwegs deutete die Kräuterspezialistin auf den stinkenden Storchenschnabel, den Wurmfarn, den Baldrian, die wilde Rossminze, den sagenumwobenen Holler, den Beinwell („heißt nicht umsonst so“) und den wilden Thymian. Bei der Sachranger Tourist-Info wuchs in einem Garten eine anzuschauende Königskerze. Früher hieß es, an der Blütenpracht und der Blätter könne man die Intensität des kommenden Winters vorhersagen, wusste die Kräuterexpertin. Aber ob das heute noch stimmt?

Im Kräutergarten an der Schule gab es noch mehr zu entdecken: den klebrigen Salbei, den großen Rhabarber, die amerikanische Arnika, Lavendel, Dost, Akelei und vieles mehr. Martina Glatt ließ ihre Gäste fühlen, riechen, schmecken und verpackte ihr Wissen unterhaltsam: gesund oder toxisch, aphrodisierend oder abtörnend, belebend oder narkotisierend. Viel zu schnell – da waren sich die Wanderer einig – verging die Zeit.

„Eine sehr spannende Tour“, fanden die Bürgermeister und die Touristiker, die sich im Anschluss frisch gebackenes Holzofenbrot mit feinem, hausgemachtem Kräuteraufstrich schmecken ließen. Genau wie die Bremer Urlauber, die wussten, dass die Prien einer der längsten Wildbäche der bayerischen Alpen ist und letztlich ins „bayerische Meer“ mündet. Aber die Kräuterschätze der Prientaler Flusslandschaft zu entdecken, sei, so die beiden unisono, ein besonderes Highlight gewesen.

Termine, Treffen und Preise

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