Samerberg – Anfang 2025 stieg die Gemeinde Samerberg aus dem On-Demand-Service „Rosi“ aus. Für viele Bürger ein herber Rückschlag. War es doch eine günstige Möglichkeit auf Abruf von A nach B zu kommen. Doch dass das Modell für die Gemeinde Samerberg ein absolutes Draufzahlgeschäft und zum Schluss einfach nicht mehr tragbar war, haben alle verstanden.
Ehepaar Krieger wollte die Situation nicht akzeptieren
Das könnte man jetzt einfach so hinnehmen. Man könnte es aber auch machen wie das Ehepaar Peter und Viktoria Krieger aus Törwang am Samerberg. Sie haben sich Gedanken gemacht. Denn so konnten und wollten sie die Situation nicht akzeptieren. Zu oft sahen sie Autos vorbeifahren, in denen nur eine Person saß. Gerade in der Stadt gestalte sich die Parkplatzsuche oftmals schwierig. Und plötzlich war sie da – die Idee vom digitalen Mitfahrservice.
„Kim mit“ – so heißt die Seite, auf der man sich als Bürger der Gemeinde Samerberg registrieren kann. Über dieses Portal können Fahrten angeboten und Suchanfragen aufgegeben werden. Den Kriegers ist die Vertrauensbasis dabei besonders wichtig. Das Registrieren funktioniert nur unter Angabe persönlicher Daten und Handynummer. Einloggen dürfen sich nur Bürger mit Erstwohnsitz am Samerberg. Denn die Seite soll absolut transparent und vertrauenserweckend sein.
Nach einer kurzen Testphase wurde der Link zur Homepage von „Kim mit“ nun öffentlich gemacht. Peter Krieger erzählt stolz von 40 Personen, die sich dem Netzwerk mittlerweile angeschlossen haben. Das Konzept steckt derzeit noch in den Kinderschuhen, aber es hat definitiv Potenzial. Regelmäßig gibt es neue Fahrangebote und Suchanfragen, berichten die Kriegers. Je mehr Menschen von der Idee erfahren, desto größer kann das Netzwerk werden.
Derzeit können über den Service 25 feste Ziele angeboten werden. Die meisten davon rund um den Samerberg, aber auch Fernstrecken wie Salzburg, München und Kufstein seien möglich. Dies sei für den Samerberger viel interessanter, als der alte Service von Rosi, der seine Dienste nur im Netz Richtung Prien angeboten hat, sind Kriegers übereugt. Den Samerberger ziehe es mehr Richtung Inntal, so Peter Krieger.
Wichtig sei, dass der Service kostenlos ist. Niemand solle daran verdienen. Auch soll das Ganze keine Konkurrenz zum öffentlichen Nahverkehr, sondern vielmehr eine Ergänzung dazu sein. Es interessierte sich sogar schon ein Bürgermeister aus einer anderen Gemeinde im Landkreis für das Konzept.
Doch die Initiatoren bremsen hier noch ganz bewusst, zumindest jetzt noch. Nicht weil es nur für Samerberger ist, sondern weil sich das Konzept erstmal bis zum Jahresende bewähren und wachsen soll. Wenn alles funktioniert, dann könne man durchaus an eine Erweiterung über die Gemeindegrenzen hinweg nachdenken.
Peter und Viktoria Krieger wollten mit ihrem Projekt Verbindungen schaffen. Einfach eine Möglichkeit finden, wie man in der heutigen Zeit auf unkomplizierte Art in Kontakt bleibt. Und das ist ihnen gelungen. Sogar generationenübergreifend.
Denn der Service diene nicht nur den Senioren, die selber nicht mehr Auto fahren, so die Kriegers, sondern auch der jungen Generation ab 16 Jahren, die vielleicht noch keinen fahrbaren Untersatz hat, oder dem umweltbewussten Bürger, der sein eigenes Auto auch gerne mal stehen lässt.
Vor der Abfahrt geklärt: Wer sitzt mit wem im Auto
Grundvoraussetzung für die Nutzung sind ein Smartphone und die „Signal-App“, über welche die Fahrer und Mitfahrer miteinander kommunizieren. Name und Handynummer sind dabei immer einsehbar. Das bedeutet, dass man sich als Mitfahrer genau aussuchen kann, bei wem man ins Auto steigt und als Fahrer genau entscheiden kann, wen man mitnimmt. Eben authentisch und transparent.
„Wir sind kein junges Start-up, aber dennoch für Überraschungen gut“, sagt Peter Krieger und lacht. „Kim mit“ jedenfalls ist überraschend gut angelaufen – Pardon: angerollt.