Millionenwohnungen und Radwege

von Redaktion

Ein geplantes Wohnbauprojekt an der Gerhart-Hauptmann-Straße hat im Gemeinderat in Stephanskirchen für Diskussionen gesorgt. Vor allem die geschätzten Kosten von rund 6,5 Millionen Euro warfen bei den Räten Fragen auf. Redebedarf gab es auch bei Radwegen.

Stephanskirchen – Die Vorstellung eines Vorentwurfs mit Kostenschätzung für ein Gebäude mit 15 Wohneinheiten an der Gerhart-Hauptmann-Straße in der jüngsten Sitzung des Gemeinderats führte zu einer umfangreichen Diskussion. Ein herausragender Punkt dabei war die Kostenschätzung. Zurückliegende Beschlüsse aus dem Juli 2025 und dem April 2026 bildeten hierfür die Grundlage. Ein entscheidender Faktor sind die Fördermittel aus dem Kommunalen Wohnbauförderprogramm.

Große Einigkeit
bei der Gestaltung

Nahezu Einigkeit herrschte über die Gestaltung des in versetzter Bauweise zu erstellenden Baukörpers. Alle Wohnungen sind barrierefrei ausgestattet, eine Wohnung ist sogar rollstuhlgerecht. Dies bedeutet einen veränderten Wohnungszuschnitt bei den Zimmern, da diese alle mit dem Rollstuhl einfach erreichbar sein müssen. Ein Fahrstuhl aus dem Kellerbereich ermöglicht den Zugang zu allen Wohnungen, welche nordseitig erschlossen werden. Parkplätze, unweit davon auch Stellplätze für Räder, Lastenräder und Zubehör waren weitere Anliegen.

Dieses kommunale Wohnbauprojekt im Zuschussbereich ist nicht mit Sozialwohnungen vergleichbar. Sehr wohl sollen die günstigen Mietangebote jedoch den Wohnungsmarkt entlasten. Wünsche und Anregungen bezogen sich auf ein mögliches weiteres Wohnungsangebot, wenn statt eines Giebeldaches ein begrüntes Flachdach geplant würde, was auch andere Fördermöglichkeiten eröffnen könnte. Eine zweite rollstuhlgerechte Wohnung würde dem Wohnungsmarkt sehr gut zu Gesicht stehen, so eine weitere Ansicht.

Auslösender Diskussionsschwerpunkt war jedoch die geplante Bausumme von rund 6,5 Millionen Euro. In der Diskussion wurden Vergleichswerte anderer Objekte aus dem Landkreis angeführt. Wenn der vorgelegte Beschlussvorschlag angenommen werde, so die Sorge, würde man sich damit festlegen und eine spätere Änderung wäre nicht mehr vermittelbar. Es geht um eine Fördersumme von möglicherweise 35 Prozent.

Bürgermeister Karl Mair und Carmen Wilden vom Architektenbüro erklärten, dass genauere Kosten erst in der noch zu erstellenden Bauplanung zu ermitteln seien. Kernpunkt der jetzigen Kostenvorlage sei der Antrag auf Förderung, da die öffentlichen Mittel nahezu ausgeschöpft sind. Der Beschlussvorschlag wurde schließlich einstimmig angenommen, mit der Wortänderung „Grobgesamtkosten“ anstatt „Gesamtkosten“.

Im Oktober 2019 beschloss das Gremium die Aufstellung eines Bebauungsplanes für Haidholzen-Südost. Das dazugehörige Umlegungsverfahren mit den beteiligten Grundstücksbesitzern wurde auch in steuerrechtlichen Belangen geprüft. Einstimmig wurde beschlossen – wobei Robert Zehtmaier als Betroffener von der Abstimmung ausgeschlossen war –, für das Umlegungsgebiet einen Bebauungsplan aufzustellen.

Einstimmigkeit herrschte auch bei der Beschlussfassung zum Bebauungsplan Nummer 77 „Gehring westlich der Vogtareuther Straße“. Die Behandlung der Stellungnahmen der Träger öffentlicher Belange wurde erläutert.

Das Radverkehrskonzept lieferte wiederum Diskussionsstoff. Bei zwei Gegenstimmen wurde die Ausweisung der Schul- und der Kreuterstraße zur unechten Fahrradstraße angenommen. Diskutiert wurden die Parkmöglichkeiten am Friedhofseingang, besonders für Gehbehinderte. Eine mögliche Abhilfe könnte im Bereich des alten Feuerwehrhauses Schloßberg geschaffen werden.

Der Beschlussvorschlag zur Aufhebung der Benutzungspflicht des Geh- und Radwegs wurde auf Anregung des Bürgermeisters zurückgestellt, bis zur Klärung des Antrags der Gemeinde, in diesem Bereich eine Tempo-30-Beschränkung einzurichten. Die Abklärung durch das Landratsamt Rosenheim soll abgewartet werden.

Flüchtlingsunterkünfte und sinkende Bodenrichtwerte

Informativen Charakter hatten die Auskünfte von Monika Hollinger zu den Flüchtlingsunterkünften. Dabei wurde auf den dezentralen Aspekt der Unterkünfte verwiesen, anstelle einer Sammeleinheit. Die Mietverträge, welche in der Vergangenheit nach Ablauf der Frist verlängert worden waren, laufen im kommenden Frühjahr aus. Rechtzeitig soll über die weitere Vorgehensweise beraten und beschlossen werden.

Informativ war zudem die Bekanntgabe der neuen Bodenrichtwerte in der Gemeinde. In fast allen Bereichen der Gemeinde – bei den Wohnbauflächen, den gemischten Flächen sowie den gewerblichen Bauflächen – ist ein Rückgang zu verzeichnen. Eine Ausnahme bildet der Schloßberg (ohne die Salzburger Straße): Hier ist der Quadratmeterpreis bei den Wohnbauflächen von 1.100 Euro auf 1.200 Euro gestiegen. Bürgermeister Karl Mair stellte fest: „Unser Gemeindebereich ist weiterhin ein hochpreisiger Bereich.“

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