Angst um die wirtschaftliche Existenz

von Redaktion

Erstes Geschäft schließt wegen Vollsperrung der Staatsstraße in Kiefersfelden

Kiefersfelden – Seit 18. Mai ist die Staatsstraße 2089, also der direkte Durchfahrtsweg nach Tirol, wegen umfangreicher Straßenbau-Sanierungsmaßnahmen voll gesperrt. Nachdem vor allem die von vielen angeprangerte mangelnde Information über die Auswirkungen der Vollsperrung und die vermeintlich späte Kommunikation in einer kurzfristig anberaumten Bürgerversammlung für Furore gesorgt hat, ist es an der Zeit, auf die aktuelle Lage zu blicken. Es gilt, mit den betroffenen Betrieben und Händlern sowie der Gemeindeverwaltung über die alltäglichen Sorgen, Nöte und Initiativen zu sprechen, die die Vollsperrung mit sich brachte, und die zum anderen mögliche neue Wege eröffnen kann.

Vermeintliche
Idylle

Kiefersfelden ist mit seiner direkten Lage an der Staatsstraße 2089 vor allem in den saisonalen Monaten oder bei österreichischer Blockabfertigung auf der Inntalautobahn verkehrsmäßig sehr stark belastet. Jetzt fällt auf, dass das Grenzdorf in sich zu ruhen scheint. Es gibt wenig Verkehr auf den Straßen – trotz des Ferienbeginns in einigen Bundesländern. Und bei vielen Einwohnern scheint sich eine schon lange nicht mehr gespürte Gelassenheit breitzumachen. Fast idyllisch, könnte man meinen. Doch der Schein trügt, denn er zeigt nur die eine Seite der Medaille. Die andere ist die Geschäftswelt, die über ausbleibende Kunden klagt und die ihrer Meinung nach mangelnde Kooperation mit der Gemeindeverwaltung anprangert.

Vor allem den direkt an der österreichischen Grenze gelegenen Geschäften und Dienstleistern drohen Verluste oder gar Geschäftsschließungen. Peter Schouten, der Besitzer des „Holländischen Blumenladens“, hat seinen Laden schon dichtgemacht, weil die Kundschaft wegen der deutlich erschwerten Erreichbarkeit wegblieb.

Auch das Friseuratelier Zandron ist massiv betroffen. Inhaberin Andrea Zandron berichtet dem OVB „von finanziellen Einbußen“ und Behinderungen. So wurde bei den Straßenbauarbeiten ein Kabel der Telekom beschädigt, und „wir waren eine Woche nur bedingt erreichbar“. Aber auch die Wetterkapriolen spielen eine Rolle, „denn bei regnerischem Wetter bleiben die Kunden wegen des schlammigen Bodens aus“. Die Friseurmeisterin sieht „finanzielle Einbußen von bis zu einem Viertel des Umsatzes“ und „die Gefahr, dass es noch schlimmer kommt“.

In der Dorfmitte liegen Café und Bäckerei Schneider, deren Geschäftsführerin Stefanie Tschappeller ebenfalls von der Sperrung betroffen ist: „Noch haben wir unser volles Sortiment, und die Stammkundschaft kommt weiterhin. Aber es fehlen uns die Durchfahrer und Urlauber, die das Café immer gern aufgesucht und Rast gemacht haben.“ Doch aufgeben werden sie und ihr Team nicht. „Wir wollen unbedingt noch die drei Monate bis zur Wiedereröffnung der Staatsstraße durchhalten, aber es wird schwierig“, sagt Stefanie Tschappeller. Zu den finanziellen Sorgen kommt die Enttäuschung über die Informationspolitik der Gemeindeverwaltung. „Bei dieser einschneidenden Maßnahme hätte rechtzeitig mehr an Kommunikation und Information kommen müssen. Auch mögliche Schadensbegrenzungsmaßnahmen wurden nicht mit den Betroffenen abgesprochen“, so die Geschäftsfrau.

Das lässt Bürgermeister Hajo Gruber so nicht stehen, räumt aber anfängliche Probleme ein. „Wir versuchen, gemeinsam durch die schwierige Zeit zu kommen“, betont er, und hat „das Gefühl, dass die Kommunikation positiver geworden ist“. Denn sämtliche Informationen, die die Vollsperrung betreffen, werden von der Tourist-Info zeitnah und umfangreich veröffentlicht. Dazu gehören beispielsweise Initiativen von Geschäftsinhabern, die sich und ihre Angebote kostenlos vorstellen können. Das Kieferer Tourismusbüro übernimmt dann die vorgefertigten Videos und stellt sie in seine „Social-Media-Accounts“. So hatte unter anderem das „Café Glück“ in der Dorfstraße mit der Vorstellung von Café und Angeboten innerhalb von nur zwei Tagen 4.300 Aufrufe in den sozialen Medien. „Das wird sehr gut angenommen, wie die vielen Aufrufe zeigen“, freut sich der Bürgermeister.

Gemeinde setzt auf
pragmatische Lösungen

Auch die Gemeinde ergreift pragmatische Maßnahmen, wie die drei großen Farbbanner, die direkt an der Staatsstraße 2089 platziert sind. Sie informieren Einwohner und Urlauber darüber, dass die freie Anfahrt zu allen Supermärkten, Läden, Gaststätten und Werkstätten gewährleistet ist und alle Parkplätze direkt anfahrbar sind. Doch die aktuelle Lage sei nur mit der Hilfe aller Betroffenen zu meistern, betont Gruber: „Ich bin nahezu täglich im Ort unterwegs, um in persönlichen Gesprächen mögliche weitere Maßnahmen abzusprechen oder aber bei Schwierigkeiten schnellstmöglich praktikable Lösungen zu finden.“

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