Erfolg beim Gewässerschutz

von Redaktion

Landwirte senken den Phosphorgehalt im Simssee

Riedering – Gibt es einen abnehmenden Trend des Phosphorgehalts im Simssee und wie lässt sich dieser beibehalten? Bei einem Grünlandfeldtag am Simssee hat Christoph Vodermaier, Vorsitzender des Abwasserzweckverbands (AZV) und Riederings Bürgermeister, als Erfolgsfaktor „die vertrauensvolle Zusammenarbeit auf freiwilliger Basis mit der Landwirtschaft“ beschworen, um die Phosphoreinträge in den Simssee zu reduzieren. Rund 40 Landwirte sowie Vertreter des AZV, des Wasserwirtschafts- und des Landwirtschaftsamtes kamen am Grünlandfeldtag auf Einladung des Freisinger Beratungsbüros Ecozept zusammen. Dieses arbeitet mit den acht Anrainergemeinden im AZV Simssee als Projektträger, den Behörden im Landkreis Rosenheim sowie rund 300 Landwirten im Einzugsgebiet des Simssees am Schutz des Gewässers.

Herausforderung Grünland
in Hanglagen

Einen abnehmenden Trend des Phosphorgehalts im Simssee konnte Dr. Hadumar Roch vom Wasserwirtschaftsamt Rosenheim bestätigen. Dass und wie noch mehr möglich ist, dafür war Hans Koch als Experte geladen. Koch erwähnte, dass rund 83 Prozent der 4.100 Hektar landwirtschaftlicher Flächen im Simssee-Einzugsgebiet als Grünland genutzt werden. Insbesondere bei Grünland in Hanglagen können Starkregenereignisse zu Phosphorausträgen führen und den Simssee belasten. Wie groß der Nährstoffaustrag aus dem Grünland in Grund- und Oberflächengewässer ist, hängt von der Düngung, dem Pflanzenbestand als auch von der Bodenstruktur ab. Diese wird neben den Standorteigenschaften erheblich von der Bewirtschaftung und deren Intensität beeinflusst.

Koch stellte klar, dass Düngung, Pflanzenbestand und Bodenstruktur die wesentlichen Stellschrauben sind, um Nährstoffausträge aus Grünlandflächen in den See zu reduzieren. Für Milchviehbetriebe im Einzugsgebiet stellt das Grünland eine wichtige Grundlage der Futtererzeugung dar. Die Grünlandbestände müssen den Anforderungen der Tierernährung, den Umweltbelangen und dem Gewässerschutz entsprechen. Gleichzeitig erfordern klimatische Veränderungen wie steigende Temperaturen, zunehmende Starkniederschläge und auch die Verlängerung der Vegetationsperiode eine Anpassung in der Grünlandbewirtschaftung.

Praktische Tipps für eine
gesunde Bodenstruktur

Am Nachmittag folgte der Praxisteil. Im Gelände erläuterte Koch, wie eine gute Bodenstruktur und damit auch eine höhere Wasserinfiltration auf den Flächen erreichbar sei. Dazu tragen unter anderem eine dichte Grasnarbe, ein nicht zu tiefer Schnitt – was mit zunehmenden Hitzetagen und Trockenperioden immer wichtiger wird – oder keine hohe mechanische Belastung bei. Eine erhöhte Pflanzenvielfalt im Grünland minimiere das Risiko einer Nährstoffauswaschung. Denn unterschiedliche Wurzeltiefen nutzen den verfügbaren Nährstoffvorrat im Boden vollständig aus. Für die Tiergesundheit sind wertvolle Kräuter wie Spitzwegerich oder Wiesenkümmel als Teil der Saatgutmischung von großer Bedeutung.

„Das Geld, das Sie in ihr Grünland investieren, können sie beim Mineral- und Kraftfutterkauf sparen, genauso wie beim Mineraldünger sowie den Tierarzt- und Besamungskosten“, brachte es Koch auf den Punkt. Projektleiterin Edeltraud Wissinger von Ecozept betonte zum Abschluss, dass eine Verbesserung der Grünlandbestände den Betrieben nur Vorteile bringe und gleichzeitig den Phosphoreintrag in den See verringere. Dies sei ein zukunftsweisender Weg zum Simsseeschutz, befand der AZV-Vorsitzende Vodermaier. Landwirt Franz Grießl, auf dessen Feld die praktischen Vorführungen stattfanden, fasste die Lehre aus dem Grünlandfeldtag in einem Satz zusammen: „Vernünftige Grünlandflächen mit einem dichten, ertragsstarken Bestand reduzieren den Kraftfutteraufwand und damit betriebliche Kosten. Noch dazu liefern sie heimisches Futter und sind gleichzeitig gut für den See, weil sie die Nährstoffe auf der Fläche halten.“ Es ist also ein Simsseeschutz, von dem tatsächlich alle Seiten profitieren.

Anfangs war das Gemeindegebiet Riedering Modellgebiet für den Simsseeschutz. Im Jahr 2010 erfolgte die Erweiterung auf die anderen Simssee-Anrainer-Gemeinden Söchtenau, Prutting, Bad Endorf und Stephanskirchen – alles auf freiwilliger Basis.

74 Quadratkilometer
Einzugsgebiet

2022 sagten dann auch noch die im Einzugsgebiet der Thalkirchner und Antworter Ache liegenden Gemeinden Frasdorf, Prien und Rimsting ihre Unterstützung zu. Damit ist nach langer Entwicklung das gesamte Einzugsgebiet des Simssees mit rund 74 Quadratkilometern am Simsseeschutz beteiligt.

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