Vogtareuth – Auf der neuen Trainee Care Unit (TCU) der Schön-Klinik Vogtareuth sollen Auszubildende von Anfang an möglichst selbstständig arbeiten. Seit April gibt es die Ausbildungsstation, auf der Pflege-Azubis verschiedener Ausbildungsjahre gemeinsam Patienten versorgen – immer begleitet von erfahrenen Pflegekräften, die im Hintergrund unterstützen. Das Ziel: mehr Praxis, mehr Selbstvertrauen und ein leichterer Einstieg in den Berufsalltag nach der Ausbildung.
Fokus wird
verschoben
„Wir verschieben den Fokus der Ausbildung im Vergleich zu anderen Stationen“, erklärt Vera Rosenauer, Leiterin der TCU. Bisher seien Auszubildende häufig vor allem mit examinierten Pflegekräften mitgelaufen und hätten zugeschaut. Auf der „Trainee Care Unit“ sei das anders. „Wir drehen die komplette Situation einfach um.“ Die Azubis arbeiten innerhalb ihres bisher erworbenen Könnens eigenständig. Eine examinierte Pflegekraft ist jederzeit da, wenn Fragen auftauchen oder Tätigkeiten anstehen, die die Azubis noch nicht übernehmen dürfen.
Für Anna Burmann und Lukas Rückerl, beide im zweiten Ausbildungsjahr, macht genau das den Unterschied. „Man hat immer eine Pflegekraft im Rücken, die aufpasst, dass nichts schiefläuft. Dadurch traut man sich viel mehr“, sagt Burmann.
Weil sie Aufgaben selbst übernehmen darf, habe sie deutlich mehr Selbstvertrauen gewonnen. Auch Rückerl sieht darin einen großen Vorteil. „Wenn man nur mitläuft, denkt man selber gar nicht so mit und kriegt dadurch auch weniger mit.“ Auf der TCU muss er selbst Entscheidungen treffen. „Das macht viel mehr Spaß.“ Die angehenden Pflegekräfte profitieren vor allem mit Blick auf die Zeit nach ihrem Examen, ist Anna Burmann überzeugt. Der Übergang in den Berufsalltag falle leichter, wenn man während der Ausbildung möglichst eigenständig gearbeitet habe.
Genau das ist das Ziel der TCU. Entstanden ist das Konzept im Zuge der Neuausrichtung der Schön-Klinik Vogtareuth. Weil sich Fachbereiche verändert haben, wurde auch das Ausbildungskonzept neu gedacht. Vorbild waren Ausbildungsstationen, auf denen Schüler für kurze Zeit gemeinsam eine Station leiten. Eine TCU „gibt es an einigen Kliniken, etwa in Regensburg oder München“, weiß Regina Hartmetz, Bereichsleiterin der chirurgischen Stationen und Projektleiterin der TCU. Auch in Vogtareuth wurde das Modell nun dauerhaft etabliert.
Auf der neurochirurgischen und orthopädischen Station stehen 27 Betten zur Verfügung. Aktuell arbeiten dort acht Auszubildende. Vertreten sind alle Ausbildungsstufen – vom ersten Lehrjahr bis zum Examenskurs. Ab September kommen außerdem Pflegefachhelfer hinzu. Für Hartmetz ist das ein wichtiger Bestandteil des Konzepts. Die Auszubildenden könnten sich gegenseitig anleiten, unterstützen und ihre Erfahrungen weitergeben.
Der Stationsalltag soll möglichst realistisch bleiben. „Wenn wir die Auszubildenden wirklich auf die Zeit nach der Ausbildung vorbereiten wollen, braucht es auch die reelle Anzahl an Patienten“, erklärt Hartmetz. Gleichzeitig wird evaluiert. Jede Woche setzen sich die Verantwortlichen mit den Auszubildenden zusammen und besprechen Wünsche sowie mögliche Verbesserungen.
Neben der praktischen Arbeit bietet die Station auch Raum zum Lernen. In einem eigenen Unterrichtsraum finden regelmäßig Fortbildungen statt – etwa zu Verbandswechseln oder zur Anatomie des Herzens. Geübt wird direkt aneinander oder gemeinsam mit den Fachanleitern. Dann wird zum Beispiel abgelaufenes Verbandsmaterial verwendet, bevor es in den Müll wandert. Zudem entsteht auf der Station eine kleine Bibliothek mit Arbeits- und Lernplätzen. Die zusätzlichen Übungsmöglichkeiten machen sich im Stationsalltag bemerkbar. Anna Burmann hat auf der TCU bereits eine Drainage gezogen. Lukas Rückel hat einen Patienten vollständig übernommen. Auch die Zusammenarbeit mit Ärzten – etwa bei der Visite – wird dadurch geübt. Gerade junge Pflegekräfte haben häufig Hemmungen, Chefärzte anzusprechen, weiß Hartmetz. Deshalb gehöre auch die interdisziplinäre Kommunikation bewusst zum Ausbildungskonzept.
Vera Rosenauer lässt viele Erfahrungen aus ihrer langjährigen Tätigkeit als Praxisanleiterin in die Arbeit auf der TCU einfließen. Gleichzeitig lernt auch sie täglich, sich bewusst zurückzunehmen, wie sie verrät. „Es ist ein Hands-on-Beruf. Wir haben den Beruf, weil wir gerne mit anpacken“, so Rosenauer. Statt selbst zu übernehmen, gehe es nun darum, die Auszubildenden machen zu lassen. Bei Bedarf zu begleiten.
„Man ist viel näher
am Patienten“
Auch bei den Patienten komme das Konzept gut an, erzählen Anna Burmann und Lukas Rückerl. Viele freuen sich darüber, dass sich wieder junge Menschen für den Pflegeberuf entscheiden, erzählt die junge Auszubildende. Sie selbst würde die „Trainee Care Unit“ jederzeit weiterempfehlen: „Man ist viel näher dran am Patienten.“
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