Mailand, Met – und das Turner Hölzl
Unter der Leitung von Felix Spreng boten der Liederkranz Rohrdorf, die Apostelsingers Rosenheim und die Bad Reichenhaller Philharmoniker einen Konzertabend der ganz besonderen Klasse. Foto Thomae
Der Konzertabend „Opera Grande“ im Rohrdorfer Turner Hölzl hat die Besucher begeistert. Der Rohrdorfer Liederkranz, die Bad Reichenhaller Philharmoniker und die Apostelsingers boten ein überwältigendes Erlebnis. Trotz minimaler gemeinsamer Probenzeit ernteten die Musiker für ihre Darbietung am Ende tosenden Applaus.
Rohrdorf – Das Rohrdorfer Turner Hölzl war nahezu ausverkauft, über 500 Menschen bedankten sich mit begeistertem Applaus für den Konzertabend. Der Abend „Opera Grande“ des Rohrdorfer Liederkranzes war eindeutig ein großer Erfolg des Chores, der Bad Reichenhaller Philharmoniker sowie des Kinder- und Jugendchores „Apostelsingers Rosenheim“.
Hitparade der Opernchöre
ist kein Selbstläufer
Wer nun denkt, dass man bei einem Programm, das Martin Grick, der Moderator des Abends, als „Hitparade der Opernchöre“ bezeichnete, sowieso nichts falsch machen kann, der irrt. Gerade in der Bekanntheit der Melodien etwa aus Aida, Nabucco, La Traviata, aus Cavalleria rusticana oder Tannhäuser und dem Fliegenden Holländer liegt ein Problem: Sie sind den Besuchern nicht neu, die meisten von ihnen haben sie sozusagen im Kopf. Diesen „inneren Vergleichsmaßstab“ gilt es zu übertreffen, wenn man das Publikum nicht nur überzeugen, sondern begeistern will.
Dass dies gelang, bringt vielleicht die Aussage eines Ehepaares am besten auf den Punkt, das nach dem Konzert meinte: „Man muss in der Tat nicht zwingend nach München fahren, wenn man große Musik hören will, Rohrdorf reicht!“ Um diesen Satz richtig einordnen zu können, muss man etwas zu den Randbedingungen des Konzertes wissen: Chor und Orchester waren erst am Vorabend zu einer ersten Konzertaufführung in Bad Reichenhall aufeinandergetroffen.
In Rohrdorf selbst hatten die Philharmoniker, der Liederkranz und die Apostelsingers gerade eine halbe Stunde Zeit, um sich in einer kurzen Probe mit der Akustik des Raums vertraut zu machen. Für die meisten Laien ist wohl nicht klar, welche Herausforderung allein schon darin steckt. Martin Grick, dem Publikum als Vorstand der Rohrdorfer Blasmusik gut bekannt, sagte dazu verblüfft: „Für unsere großen Blasmusik-Herbstkonzerte haben wir mindestens vier Proben in der Halle, dazu die Generalprobe, um uns wieder an die Akustik zu gewöhnen. Und die machten das sozusagen aus dem Stand heraus!“
Aus den Reihen des Chores selbst war deshalb viel Bewunderung für die Bad Reichenhaller Philharmoniker zu hören, „die es geschafft haben, uns mit ihrer absoluten Professionalität zu tragen, obwohl es gemeinsame Proben nicht gab“. Das Können des Liederkranzes und des Kinderchores wurde dadurch jedoch unangemessen unter den Scheffel gestellt, denn es kam für die Zuhörer keinen einzigen Moment lang der Eindruck auf, dass hier zwei Laienchöre einem Orchester aus Profimusikern gegenüberstehen.
Das Musikerlebnis war vielmehr aus einem Guss, dargeboten von einem einzigen gemeinsamen Klangkörper. Liederkranz und Apostelsingers waren absolut auf Augenhöhe der Philharmoniker, was nicht zuletzt Felix Spreng, dem Dirigenten, zu verdanken war. Er hatte mit dem Chor sechs Monate intensiv auf diesen Abend hin geprobt, die allerersten Proben fanden sogar schon im Herbst vergangenen Jahres statt. Eine Zeit, die er gerade in den vergangenen Wochen darauf verwandte, den Chor durch minutiösen Feinschliff auf die Spitze seines Könnens zu führen.
Eine Leistung, in der ihm Johanna Weiß, die den Kinderchor einstudierte, nicht nachstand: Auch die Apostelsingers wussten etwa beim „Abendsegen“ aus Hänsel und Gretel zu begeistern. Johanna Weiß zeigte sich am Ende des Konzertes zudem als eine Künstlerin von doppelt hoher Begabung, als sie in der Zugabe als Sopransolistin das Trinklied aus La Traviata sang. Auch bei Felix Spreng gibt es noch ein Detail zu erwähnen, das wohl nur diejenigen so richtig zu würdigen wissen, die etwas mehr in der Musik- und Konzertwelt bewandert sind: Er dirigierte den kompletten Konzertabend ohne Partitur.
Stehende Ovationen als
Lohn für die Künstler
Kurz gesagt: Für die Konzertbesucher war das, was die gut 120 Musiker an diesem Abend im Turner Hölzl boten, ein ganz offensichtlich überwältigendes Erlebnis, was sich am Ende in einem langen Applaus niederschlug, bei dem im Grunde die ganze Halle stand.
Dazu noch einmal Moderator Martin Grick: „Ich bin ja nun wirklich oft auf Konzerten und schon deswegen keiner, der leicht zum Applaudieren aufsteht. Aber nach diesem Konzert hielt es auch mich nicht mehr auf dem Sitz.“