Spendersuche für Chancengleichheit

von Redaktion

Für das inklusive Wohnprojekt „Haus am Steinbach“ in Nußdorf am Inn hat es genügend Interessenten gegeben, doch die fehlende Finanzierung bremst das Vorhaben. Erst wenn ausreichend Plätze abgesichert sind, kann der Umbau des ehemaligen Seniorenheims beginnen.

Nußdorf – Das ehemalige Seniorenheim am Mühltalweg steht weiterhin leer. Seit August 2025 arbeitet der Verein „Zukunft trotz Handicap“ daran, das Gebäude zu einem inklusiven Wohn- und Lebensort für erwachsene Menschen mit Behinderung umzubauen. Die Informationsveranstaltungen im Frühjahr 2026 haben gezeigt, dass es im Einzugsgebiet genügend Interessenten gibt, die die Voraussetzungen für eine geförderte Unterbringung erfüllen.

Der Bedarf ist da,
aber das Geld fehlt

Der Bedarf ist klar erkennbar. Doch inzwischen zeigt sich, dass nicht die Zahl der Bewerber entscheidend ist, sondern die Frage, wer sich den Einstieg leisten kann. Die Finanzierung des Immobilienerwerbs ruht zurzeit noch in Gänze auf den Schultern der Angehörigen. „Hier konnten wir bislang 50 Prozent der benötigten Summe absichern. Das entspricht 15 Bewohnern“, sagt Vereinsvorsitzende Andrea Hanisch. „Um jedoch Chancengleichheit zu garantieren, müssen wir die verbleibenden 50 Prozent über Spenden und Fördermittel aufbringen.“ Nur so könne auch den Familien ein zukunftssicherer Wohnplatz für ihre Angehörigen geboten werden, die sich eine private finanzielle Beteiligung oder ein Darlehen nicht leisten können.

Das Projekt soll ein Ort für alle sein – unabhängig vom finanziellen Hintergrund der Eltern. Für einen Platz im „Haus am Steinbach“ ist ein einmaliges zinsloses Darlehen von 130.000 Euro erforderlich. Es dient ausschließlich dem Erwerb und der grundlegenden Sanierung des Gebäudes. Die laufenden Betreuungskosten übernimmt wie üblich der Bezirk Oberbayern als Kostenträger. Das Darlehen ist zweckgebunden und wird nach Auszug vollständig zurückerstattet.

Für viele Familien bleibt diese Summe dennoch eine Hürde. Damit entsteht eine Situation, in der ausreichend geeignete Bewerber vorhanden sind, aber nur wenige – in etwa die Hälfte – die finanziellen Voraussetzungen erfüllen. Der Verein versucht, diese Lücke zu schließen. Er sucht Unterstützer, Sponsoren, Förderer, die einen Platz vollständig finanzieren könnten.

Solche Patenschaften sollen Familien entlasten, die den Darlehensbetrag nicht aufbringen können. Für den Verein ist das ein zentraler Punkt: Teilhabe soll nicht vom Einkommen der Eltern abhängen.

Die Suche nach Förderern gestaltet sich jedoch anspruchsvoll. Sie erfordert Unternehmen, Stiftungen oder Privatpersonen, die bereit sind, gesellschaftliche Verantwortung zu übernehmen und einen Platz dauerhaft zu ermöglichen. Ohne zusätzliche Unterstützung bleibt die Zahl der gesicherten Plätze womöglich zu gering, obwohl der Bedarf unbestritten ist.

Das Interesse am Projekt ist weiterhin unvermindert vorhanden. Familien melden sich, viele von ihnen mit klaren Vorstellungen und konkretem Bedarf. Die Aussicht auf barrierefreie Apartments, ein betreutes Umfeld und einen Alltag mit Struktur ist ungebrochen attraktiv. Doch zwischen dieser Vorstellung und der Umsetzung liegt ein finanzieller Engpass, der das Projekt bremst. Der Umbau kann erst beginnen, wenn ausreichend Plätze finanziert sind.

Die Gemeinde Nußdorf unterstützt das Vorhaben weiterhin. Sie sieht in der sozialen Nutzung des lange leer stehenden Gebäudes eine Chance, einen Ort der Teilhabe zu schaffen. Doch der Fortschritt hängt weniger von politischen Entscheidungen ab als von der Frage, ob genügend Plätze finanziert werden können – durch Familien oder durch Förderer.

Haus am Steinbach
steht auf der Kippe

So befindet sich das „Haus am Steinbach“ im Sommer 2026 in einer Phase, in der sich entscheidet, ob das Projekt realisiert werden kann. Die Pläne liegen vor, der Zeitplan ist gesetzt, der Einzug der ersten Bewohner eigentlich schon für 2027 vorgesehen. Doch bevor die Arbeiten beginnen, müssen ausreichend finanzierte Plätze gesichert sein. Erst dann kann aus dem leer stehenden Gebäude ein Wohnort werden, der den Menschen, für die er gedacht ist, eine verlässliche Perspektive bietet.

Artikel 3 von 11