Geduldsprobe in Großkaro: Ortsdurchfahrt dicht

von Redaktion

Seit Mitte Juni ist die Ortsdurchfahrt in Großkarolinenfeld gesperrt. Autofahrer müssen deshalb auf den Bahnübergang ausweichen, an dem es nun regelmäßig zu langen Staus kommt. Die Gemeinde suchte nach Lösungen, doch die Deutsche Bahn sieht keine Möglichkeit für eine schnellere Öffnung der Schranken.

Großkarolinenfeld – Das Grollen in der Ferne verspricht Gutes. Endlich kann es weitergehen, das Warten hat ein Ende – hofft man zumindest. Sekunden nachdem der viele Meter lange Güterzug den Bahnübergang in Großkarolinenfeld passiert hat, folgt die Ernüchterung. Es passiert nichts. Die Schranken am Bahnübergang bleiben geschlossen. Auf beiden Seiten des Übergangs stauen sich Dutzende Autos zurück, Fahrradfahrer drehen Kreise, um die Wartezeit zu überbrücken, und die Fußgänger blicken genervt nach links, um zu erspähen, wann denn endlich der nächste Zug kommt.

Vollsperrung im Ortskern
von Großkarolinenfeld

Es sind Szenen, die sich in Großkarolinenfeld derzeit mehrmals am Tag abspielen. Wegen Straßenarbeiten und der Sanierung des Gehweges am Karolinenplatz – zwischen dem alten Rathaus und der Bahnunterführung – ist seit Mitte Juni die Ortsdurchfahrt gesperrt. Damit geht auf der wichtigsten Nord-Süd-Achse durch das Dorf für mehrere Monate bis Ende September nichts mehr.

Die erste Ausweichroute führt über den Bahnübergang am Filzenweg und der Lagerhausstraße. Das Problem: Auf der Bahnstrecke Rosenheim-München ist viel los. Mehrere Züge hintereinander sind keine Seltenheit, einige wollen schon zehn Züge in Folge gesehen haben, ohne dass die Schranken aufgingen. Entsprechend lang sind die Wartezeiten. Teilweise staut sich der Verkehr mehrere Hundert Meter zurück – auch, weil jetzt deutlich mehr Autos über den Bahnübergang fahren als sonst.

Genau da fangen die Fragen einiger Anwohner in Großkarolinenfeld an. Schließlich müssten gar nicht so viele Autos über den Bahnübergang fahren. Zumindest wenn man die Beschilderung der Vollsperrung ändert. Bislang erfährt jeder, der nicht ortskundig ist, erst auf den letzten Metern von der Vollsperrung. Vor allem diejenigen, die von Rosenheim, Kolbermoor oder Bad Aibling kommen. Das erste Schild findet sich rund 200 Meter vor der Baustelle.

Ein „rechtzeitiger Hinweis“ an der Hauptstraße, der Rosenheimer und Aiblinger Straße, fehlt hingegen, betont ein Anwohner. Auch an den Ortseinfahrten sucht man vergeblich. Die Folge: Über enge, kleine Dorfstraßen geht es einmal quer zurück durch die Gemeinde – um am Ende doch wieder am Bahnübergang zu landen. Genauso sorgt für Verwirrung: Autofahrer, die aus Bad Aibling kommen, sollen nicht dieselbe Umleitungsstrecke über den Kolberg fahren, wie diejenigen, die von Großkaro nach Bad Aibling fahren. Sondern auch hier geht es wieder über den Bahnübergang.

Das habe alles so seinen Sinn, sagt Bürgermeister Anton Wallner auf OVB-Anfrage. „Bei den Umleitungen haben wir nicht so viele Möglichkeiten“, stellt er klar. Erschwerend komme hinzu, dass es vom Landratsamt keine Erlaubnis gab, großräumig umzuleiten. Zum Beispiel über die Westtangente oder die Staatsstraße 2080. „Das durften wir wegen anderer größerer Baustellen im Landkreis nicht und wir mussten eine lokale Lösung suchen“, sagt Wallner.

Das sei auch der Grund, warum an der Rosenheimer Straße kein Hinweisschild aufgestellt wurde. Der Bürgermeister räumt auch ein, dass die Umfahrungen nicht immer der kürzeste Weg sind. Die Wahl sei aber bewusst getroffen worden. Auch, um die Belastung für die Anwohner so gering wie möglich zu halten.

Beispiel Kolberg: „Da draußen haben wir eine immer enger werdende Straße, die teilweise über Privatflächen verläuft und einen Hof schneidet“, sagt Wallner. Der Eigentümer sei wenig begeistert, wenn die Autos dort ständig durchfahren. Deswegen habe man sich unter anderem entschieden, die Umleitungsstrecken von und nach Bad Aibling unterschiedlich zu gestalten, damit sich der Verkehr dort in Grenzen hält.

Auf allen anderen Umfahrungen habe sich der Verkehr inzwischen „eingependelt“, glaubt der Bürgermeister. „Die meisten haben längst ihre Alltagswege gefunden“, sagt er. Die längeren Wartezeiten am Bahnübergang werde man „einfach dulden müssen“, sagt Wallner. Er selbst habe schon erlebt, dass man dort gefühlt „ewig steht“. Oder, dass die Schranke auch trotz langer Abstände zwischen den Zügen geschlossen bleibt.

Einen Austausch mit der Deutschen Bahn, ob da Verbesserungen möglich sind, habe es nicht gegeben – wegen fehlender Erfolgsaussichten, sagt Wallner. Das kann die Deutsche Bahn bestätigen. Beim Bahnübergang in Großkaro handele es sich um eine „signalgestützte Anlage“. Heißt: „Der anfahrende Zug löst an einem Einschaltkontakt die Schließung der Schranken aus. Anschließend erfolgt eine Freimeldung, damit sichergestellt ist, dass sich keine Person und kein Fahrzeug auf dem Bahnübergang befindet“, erklärt eine Sprecherin der Bahn.

Der Prozess laufe vollautomatisch ab. Ein Fahrdienstleiter greife nur ein, wenn es zu einer Störung kommt. Ein kurzes Öffnen zwischen zwei Zügen ist damit nicht vorgesehen. „Der automatisierte Prozess stellt einen sicheren Verkehr auf der Straße und Schiene sicher“, sagt die Sprecherin. Sie betont auch, dass die langen Schließzeiten der Schranken damit zusammenhängen, dass auf der Strecke München-Kufstein wegen einer Streckensanierung bei Passau mehr Güterzüge fahren. „Die Zugdichte ist zuletzt gestiegen“, sagt die Bahn-Sprecherin.

Polizei soll Falschfahrer
kontrollieren

Das müsse man jetzt akzeptieren, sagt Wallner. Ab den Sommerferien werde sich der Verkehr wohl von allein reduzieren. Auch Anpassungen bei der Beschilderung will der Bürgermeister nicht ausschließen. „Wir überprüfen das laufend“, sagt er. Zumal er das Gefühl habe, dass es schon besser laufe als noch zu Beginn der Sperrung. Dennoch hofft Wallner auf das Verständnis der Anwohner.

Wer allerdings als Auto- oder Motorradfahrer verbotene Wege nimmt oder verbotenerweise falsch in Einbahnstraßen fährt, müsse laut Wallner mit Ärger mit der Polizei rechnen. Denn die kontrolliert.

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