LEO: Vom Schienenbus bis zum Narrenexpress

Chiemgauer Lokalbahn blickt auf 20 Jahre zurück – Ohne Ehrenamtliche geht es nicht

von Emmy Künzner-Hingerl

Bad Endorf/Obing – Der LEO ist 20. Anders gesagt: Die Chiemgauer Lokalbahn hat 20-jähriges Bestehen als Museumsbahn. Anlass für Mitglieder, ehrenamtliche Helfer sowie Freunde des Vereins bei einem Grillfest auf zwei Jahrzehnte erfolgreichen Bahnbetrieb zwischen Bad Endorf und Obing zurückzublicken.

Vier Jahre von Gründung bis erster Zugfahrt

Die Geschichte begann im Jahr 2002 mit der Gründung des Vereins Chiemgauer Lokalbahn. Ziel war es, die stillgelegte Bahnstrecke zwischen Bad Endorf und Obing zu erhalten und wieder für den Verkehr zu nutzen. Nachdem 2005 ein Pachtvertrag mit der Deutschen Bahn abgeschlossen worden war, investierten die Vereinsmitglieder unzählige Stunden ehrenamtlicher Arbeit in die Sanierung der Strecke. Am 1. Juli 2006 rollte dann der erste Museumszug über die Gleise.

Seitdem verkehren in den Sommermonaten regelmäßig Museumszüge auf der rund 18 Kilometer langen Strecke durch den Chiemgau. Darüber hinaus hat sich die Lokalbahn mit zahlreichen Sonderfahrten einen Namen gemacht. Ob Osterhasen-Express, Nikolausfahrten oder die Fahrt des Friedenslichts kurz vor Weihnachten – die historischen Züge sind fester Bestandteil des Veranstaltungskalenders in den Anliegergemeinden. Nach längerer Pause war in diesem Jahr auch der beliebte „Narrenexpress“ zum Bad Endorfer Faschingszug wieder unterwegs. Zudem kann der historische Triebwagen für private Sonderfahrten gemietet werden.

Seit 2014 kommt überwiegend der historische MAN-Schienenbus VT 26 aus dem Baujahr 1962 zum Einsatz. Das markante rote Fahrzeug bietet rund 60 Fahrgästen Platz und gilt als typischer Vertreter der einst auf vielen Nebenstrecken eingesetzten Schienenbusse.

Ein wichtiger Meilenstein war ebenfalls im Jahr 2014: Damals gelang es dem Verein, die Bahnstrecke zu erwerben. Damit wurde die Grundlage geschaffen, die Strecke und ihre historischen Anlagen dauerhaft zu erhalten. Der Vereinszweck besteht darin, technische Kulturgüter zu bewahren und die Bahnstrecke sowie historische Eisenbahnfahrzeuge betriebsfähig zu erhalten und der interessierten Öffentlichkeit zugänglich zu machen.

Heute zählt die Chiemgauer Lokalbahn rund 150 Mitglieder. Dass die Museumsbahn seit zwei Jahrzehnten erfolgreich betrieben werden kann, ist ausschließlich dem ehrenamtlichen Engagement ihrer Aktiven zu verdanken.

Neben dem touristischen Betrieb hat sich die Strecke auch als Teststrecke für die Bahnindustrie etabliert. Unter der Woche nutzen Unternehmen die Gleise für Erprobungs- und Inbetriebnahmefahrten. Die getesteten Fahrzeuge sind später weltweit im Einsatz. So wurde im Frühjahr 2026 ein auf der Strecke zugelassenes Fahrzeug über den Hafen Rotterdam nach Hongkong verschifft.

Verein sucht
immer Mitstreiter

Auch für die Zukunft sucht der Verein weitere Mitstreiter. Ob bei der Streckenpflege, an den historischen Fahrzeugen oder als Mitglied – jede Unterstützung ist willkommen. Denn eines hat die Geschichte der Chiemgauer Lokalbahn in den vergangenen 20 Jahren eindrucksvoll gezeigt: Ohne Idealismus und ehrenamtliches Engagement würde auf der Strecke zwischen Bad Endorf und Obing längst kein Zug mehr fahren.

Montag, 13. Juli 2026
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