Sachrang – Das Chiemgau Alm Festival hat vor Kurzem ein besonderes Highlight auf die Priener Hütte bei Sachrang gebracht. Das Quartett „Weiberdatschi“ begeisterte die Besucher in der engen Hüttenstube mit einer außergewöhnlichen Mischung aus Barock und Volksmusik.
Reges Treiben trotz
steilen Aufstiegs
Wer zur Priener Hütte will, muss sich seinen Weg verdienen. Vom Wanderparkplatz am Ortsausgang von Sachrang sind es rund 750 Höhenmeter und zweieinhalb Stunden Aufstieg, bis man auf 1.410 Metern Höhe im Geigelsteingebiet ankommt. Und doch: Zum Konzert von „Weiberdatschi„ hat rund um die Hütte des Deutschen Alpenvereins (DAV) ein reges Treiben geherrscht. Die Veranstalter des Chiemgau Alm Festivals hatten das Konzertquartett auf die Alm gebracht, und die Besucher fanden ihren Weg.
Das Wetter spielte allerdings nicht mit. Statt auf der Terrasse mit Blick auf die Chiemgauer Alpen musizierte das Quartett in der Hüttenstube. Zwei Tische wurden zur Seite gerückt, um den vier Musikerinnen Platz zu schaffen. Üppig war der freilich nicht. Gitti Herden, die Harfe und Hackbrett spielt, stellte die Formation vor: „Wir haben uns zusammengefunden, weil wir es einfach lieben, gemeinsam Musik zu machen.“ Und das war in jedem Moment des Konzerts zu spüren.
Bei „Weiberdatschi“ ist der Name Programm. Die vier Musikerinnen Bettina Fuchs (Traversflöte, Gesang), Franziska Fahrer (Hackbrett, Blockflöte, Salterio), Doris Seitner (Viola da Gamba) und Gitti Herden (Harfe, Hackbrett) mischen Barockmusik und alpenländische Volksmusik zu einem Programm, das so leicht und selbstverständlich klingt, als hätte es diese Verbindung schon immer gegeben. Vivaldi und Zwiefacher, Gavotte und Volkslied, bei „Weiberdatschi“ gehört das zusammen.
Spielfreude in intimer
Atmosphäre
Das Konzert auf der Priener Hütte war in vier Blöcke gegliedert, die mit schmunzelnden Überschriften versehen waren: „Musik für Frauen“, „Höfische Musik“, „Liebe“ und – ganz zum Schluss – „Kochen“. Schon diese Dramaturgie verrät, womit man es zu tun hat: mit Musikerinnen, die sich selbst nicht zu ernst nehmen und ihr Publikum mitnehmen wollen.
Was dann in der engen Stube erklang, war schlicht verzaubernd. Die Blockflöte, von vielen als Schulinstrument belächelt, entpuppte sich in Franziska Fahrers und Bettina Fuchs’ Händen als weit unterschätztes Klangwerkzeug. Gambe und Harfe schmiegten sich aneinander, als wären sie füreinander gemacht.
Wenn es darauf ankam, saß selbst der letzte Ton wunderbar und berührend. Und dann wieder ließ die Spielfreude die Musikerinnen durchgehen, und das Publikum hatte seine helle Freude mit ihnen.
Bettina Fuchs versuchte sich an einem Karl-Valentin-Brief und brachte die Stube zum Lachen. Das Ensemble brillierte im mehrstimmigen Gesang, ließ mit Flöte und Gleichklang staunen und überraschte am Ende mit Kastagnetten und einem mitreißenden Schluss. Die Tarantella, der schnelle süditalienische Volkstanz, trieb das Konzert zu einem schwungvollen Finale.
Besondere Nähe dank
enger Verhältnisse
Die beengten Verhältnisse störten kaum – im Gegenteil. Sie schufen eine Nähe zwischen Musikerinnen und Publikum, die in einem großen Konzertsaal so nicht entstanden wäre. Schade nur, dass die Hütte der Formation nur begrenzten Platz bot. Vor der Tür war das Wetter zu unsicher. Ein Konzert auf der Terrasse, mit Alpenblick und Sommerluft, wäre ein Erlebnis der ganz besonderen Art gewesen. Ludwig Flug