Sandra Renners Pflegetraum im uralten Hof

von Redaktion

Sandra Renner eröffnet am Samstag, 1. August, eine neue Demenz-Wohngemeinschaft in Sonnendorf. In einem liebevoll restaurierten Bauernhaus möchte die Pflegedienstleiterin zeigen, wie individuelle und familiäre Pflege gelingen kann. Das historische Gebäude wurde dafür eigens an die Bedürfnisse der künftigen Bewohner angepasst.

Halfing – Sandra Renner (36) hat Menschen schon in den unterschiedlichsten Situationen begleitet – im Pflegeheim, ambulant zu Hause und in der Intensivpflege. Dabei ist in ihr ein Traum gereift: einen Ort zu schaffen, an dem Menschen mit Demenz nicht nur kompetent gepflegt werden, sondern sich dank persönlicher Nähe wirklich zu Hause fühlen können. Diesen Traum verwirklicht die selbstständige Krankenschwester und Pflegedienstleiterin nun in der Gemeinde Halfing. Am 1. August eröffnet sie in Sonnendorf eine familiäre Demenz-Wohngemeinschaft.

Leben in einem
historischen Bauernhaus

Auf der Suche nach einem geeigneten Haus stieß sie auf ein historisches Bauernhaus, das aufwendig restauriert wurde. „Ich habe mich sofort in dieses Haus verliebt“, erzählt sie. Jeder Raum habe seinen eigenen Charakter. Aus dem ehemaligen Kuhstall mit historischem Kreuzgewölbe und massiven Steinpfeilern entstand ein großzügiger Gemeinschaftsraum. Ein großer Landhaustisch lädt zum gemeinsamen Essen ein. Ohrensessel vor dem Kamin vermitteln Geborgenheit. Große Fenstertüren öffnen den Blick in den Bauerngarten mit seinem alten Walnussbaum, Hortensien und ruhigen Sitzplätzen.

„Hier sollen Bewohner und Pflegende wie eine Großfamilie zusammenleben“, sagt Sandra Renner. Das Bauernhaus biete ideale Voraussetzungen für ein familiäres Miteinander, das Gemeinschaft ermögliche und zugleich Raum für Rückzug lasse. „In einer solchen Atmosphäre möchte ich selbst alt werden.“

Jeder Bewohner verfügt über ein geräumiges Zimmer mit Holzbalkendecke und Holzfußboden, eingerichtet im Landhausstil. „Das soll nur ein Angebot sein“, betont Renner. Selbstverständlich könnten die Bewohner ihre eigenen Möbel, ihren Lieblingssessel oder persönliche Erinnerungsstücke mitbringen. Gerade Fotos und vertraute Gegenstände könnten helfen, auch in der neuen Umgebung ein Stück Heimat zu bewahren.

In der großen Wohnküche werden die Mahlzeiten frisch zubereitet. Wer möchte, kann beim Kochen und Backen mithelfen. „Wir beziehen unsere Bewohner entsprechend ihrer Fähigkeiten bewusst in den Alltag ein“, erklärt die Pflegedienstleiterin. Wer lieber zusieht, kann gemütlich im Esszimmer Platz nehmen.

Feste Tagesstrukturen seien für Menschen mit Demenz sehr wichtig, sagt Renner. Gleichzeitig wolle sie den Alltag bewusst entschleunigen. Deshalb beginne die Morgenroutine erst, wenn die Bewohner ausgeschlafen haben. Jeder Tag soll sich an den Wünschen und Bedürfnissen der Bewohner orientieren – ob bei der Gartenarbeit am Hochbeet, einem Spaziergang, beim Musikhören, Handarbeiten, Vorlesen, gemeinsamen Gesprächen oder in ruhigen Momenten. „Bei uns zählt jeder Einzelne mit seiner Geschichte, seinen Gewohnheiten und seinen Bedürfnissen.“

Am 1. August öffnet die Wohngemeinschaft ihre Türen. Unterstützt wird Sandra Renner von guten Freunden mit derselben Leidenschaft – diplomierten Pflegekräften mit Erfahrung in der Demenzbetreuung sowie Menschen, die ihre unterschiedlichen Talente einbringen. Dazu gehören unter anderem eine Köchin, ein Musiker, ein Architekt und ein handwerklicher Allrounder.

„Viele Menschen tragen diesen Traum gemeinsam mit mir“, sagt Renner. Mit jedem neuen Bewohner soll auch ihr Team wachsen. „Feste Bezugspersonen schaffen Vertrauen, Orientierung und Sicherheit im Alltag.“ Zum Start im August wird die Pflegedienstleiterin zunächst von zwei examinierten Pflegekräften und einem Hausmeister unterstützt.

Die großzügige Raumaufteilung im Bauernhaus ermöglicht es, dass auch die Pflegenden im Haus wohnen und so eine Betreuung rund um die Uhr gewährleisten können. Gerade die Nächte stellten Menschen mit Demenz und ihre Betreuer häufig vor besondere Herausforderungen, berichtet Renner aus ihrer Erfahrung. Eine veränderte Tag-Nacht-Wahrnehmung, Schlafstörungen oder nächtliche Unruhe gehörten zu den häufigsten Problemen. Auch die Eingewöhnung ins neue Zuhause in Sonnendorf brauche ihre Zeit. „Doch sie gelingt mit Geduld, Nähe und Aufmerksamkeit.“

Für Sandra Renner bedeutet Lebensqualität im Alter weit mehr als eine gute medizinische oder pflegerische Versorgung. „Lebensqualität bedeutet, gesehen zu werden.“ Deshalb entsteht in Sonnendorf bewusst eine kleine Wohngemeinschaft in einem überschaubaren, familiären Umfeld mit individueller Begleitung – ohne klassischen Heimcharakter.

Die individuelle Betreuung in der kleinen WG spiegelt sich auch in den Kosten wider. Der Eigenanteil liegt bei rund 5.000 Euro monatlich und damit etwa 1.000 Euro über dem durchschnittlichen Eigenanteil in Pflegeheimen der Region. Darin enthalten sind Unterkunft, Verpflegung und Investitionskosten. Zusätzlich kann ein Wohngruppenzuschlag von derzeit 224 Euro pro Monat beantragt werden. Reichen Rente und Vermögen nicht aus, besteht die Möglichkeit, beim Bezirk Oberbayern Hilfe zur Pflege zu beantragen.

Bis zur Eröffnung am 1. August wird das historische Haus noch weiter an die Bedürfnisse der Bewohner angepasst – unter anderem mit Handläufen, Stützhilfen, barrierefreien Türen und einem Aufzug.

Interessierte Familien können sich – nach vorheriger Anmeldung unter 0163/ 7383019 oder per E-Mail an pflege@salus24.de – bereits jetzt vor Ort über das Betreuungskonzept informieren und das Haus besichtigen. Dabei begegnen sie vielleicht auch dem jüngsten Teammitglied: dem Whippet-Welpen Benty. Er wird derzeit zum Therapiehund ausgebildet und soll die Bewohner künftig mit seiner ruhigen und freundlichen Art begleiten. Auch Sandras Töchter werden immer wieder vorbeischauen und den Senioren Gesellschaft leisten. So soll ein Ort entstehen, an dem nicht nur gepflegt, sondern gelebt wird – mit Nähe, Wärme und dem Gefühl, zu Hause zu sein.

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