Halfing – Die Autos reihen sich schon an der Kiesgrube außerhalb von Halfing, denn an diesem Vormittag lädt Dr. Rupert Stäbler zur Besichtigung seines Schweinemastbetriebs, den „Waldschweinen“, ein. Ein Bereich, in den man normalerweise nicht so einfach reinkommt. Schließlich gelten umfassende Hygieneauflagen. Doch das ist nur einer der Punkte, auf die Stäbler achten muss, wenn es um seine Schweine geht.
Doktorarbeit zum
Thema Waldschweine
Er hat Agrarwissenschaft studiert und sich bei seiner Doktorarbeit genau mit dem Thema rund um die Waldschweine und die Haltungsart „Hutewald“ befasst. Dabei wird der Wald als Weide und Lebensraum für die Tiere genutzt. Eine Haltungsart, die vor 150 bis 200 Jahren noch gängig war. „Damals gab es noch keine so starke Abgrenzung zwischen Wald und Landwirtschaftsfläche“, sagt Stäbler. Eine klare Waldgrenze, wie sie heute üblich ist, sei erst mit der Zeit gekommen.
Bei ihm stehen den aktuell 22 Schweinen 42.000 Quadratmeter zur freien Verfügung. Das entspricht in etwa sechs Fußballfeldern. Ein Teil davon ist eine Weide mit Hütten und den größten Anteil macht der Wald aus.
Angefangen hat er mit dieser Haltungsart 2016. „Schweine sind die Tierart, bei der noch am meisten Handlungsbedarf in Bezug auf ihre Haltung herrscht“, sagt Stäbler. Als er dann auf Korsika im Urlaub war, sah er die Hausschweine traditionell frei im Wald leben. „Das war wirklich ein Aha-Erlebnis: So könnte man Schweine auch halten“, sagt er. Zu Hause hatte er ein entsprechendes Waldstück und konnte schließlich den Hutewald eröffnen.
An diesem Vormittag erklärt er etwa 25 Besuchern, wie sich seine Art von anderen Haltungsarten und -stufen unterscheidet. „Ein Schwein muss in der geringsten Haltungsstufe 0,75 Quadratmeter Fläche haben. Selbst bei der Bio-Haltung ist ein Auslauf auf Gras nicht verpflichtend. Es kann auch ein betonierter Auslauf sein, der von einer Mauer umgeben ist“, sagt er. Außerdem leben die Schweine bei ihm länger und schon die Ferkel unterscheiden sich.
„Wir kaufen aktuell noch Ferkel dazu“, erklärt er. Diese stammen zwar aus Bio-Haltung, aber trotzdem gäbe es einen eklatanten Unterschied zu den Ferkeln aus seiner Zucht. „Die Zugekauften sind erst total überfordert mit dem Wald“, sagt er.
Außerdem seien die Ferkel von ihm mutiger, fitter, angepasster und auch muskulöser. Ein Ziel für die Zukunft: Er möchte keine Ferkel mehr zukaufen, doch dafür müsse er seine Zucht noch ausbauen. Bei der Führung ist auch Stephanie Wimmer von der Öko-Modellregion Hochries-Kampenwand-Wendelstein dabei. „Es ist sehr wichtig, dass Rupert diese Unterschiede aufzeigt. Man stellt sich die Schweinehaltung sonst immer so romantisch vor: Bauernhof und Schweine“, sagt sie.
Eigentlich fallen die Waldschweine von Rupert Stäbler gar nicht mehr in ihr Zuständigkeitsgebiet, doch aufgrund der besonderen Haltungsart möchten sie dieses Thema vorantreiben. „Das ist eine Pionierarbeit in unserer Region. Er legt die Latte hoch, selbst für die Biolandwirtschaft“, sagt sie.
Doch die Öko-Modellregion Hochries-Kampenwand-Wendelstein unterstützt dabei nicht finanziell, sie macht es nur bekannter. „Rupert zeigt, dass es sich wirtschaftlich rechnen und man trotzdem die ökologischen Standards sehr weit oben halten kann“, sagt Wimmer. Denn Stäbler ist es wichtig, dass es seinen Schweinen gut geht, und er passte deshalb über die Jahre hinweg immer wieder Dinge an. „Man muss auch immer flexibel bleiben, gerade in so einer Tierhaltung“, erklärt er.
Diese Änderungen kommen auch durch neue Erkenntnisse, denn Stäbler hat immer noch einen engen Draht zur Wissenschaft, und so kommen regelmäßig Studenten aus München zu ihm und seinen Waldschweinen. „Wir haben herausgefunden, dass Schweine natürliches Futter lieben und immer bevorzugen“, sagt Stäbler. Denn seine Schweine haben nicht nur durchgehend Zugang zu Wald und Wiese, sondern auch Kraftfutter. „Anfangs hatten wir Angst, dass sie nur das fressen würden“, sagt er. Doch es zeigte sich, dass die Tiere sich immer erst für das frische Futter wie Eicheln oder Obst entscheiden.
Durchgehender
Zugang zum Futter
Dieser durchgehende Zugang zum Futter sei vorteilhaft. „Die Tiere sind deutlich ruhiger und entspannter, wenn sie selbst entscheiden können, wann sie essen“, erklärt Stäbler. Sonst seien die Tiere aufgeregter, wenn es nur zu bestimmten Zeiten Futter gebe.
Von dieser Haltungsart ist auch Franz Bauer aus Gstadt am Chiemsee begeistert. Er nahm an der Führung teil, weil er sich immer wieder nach neuen Möglichkeiten umschaue, wo er Fleisch für sich kaufen kann.
„Aber ich bin auch hier, weil ich mir die Tiere einfach gerne anschaue. Das hat etwas Beruhigendes“, sagt er. Ihn beeindrucke vor allem die Professionalität und Intensität, mit der sich Rupert Stäbler mit den Tieren und ihrer Haltung befasse. „Das macht‘s aus. Das ist das, wo dann das Herz aufgeht“, sagt er.