Aschau – Mathematik gilt vielen als die abstrakteste aller Wissenschaften. Michael Scheck sieht in ihr vor allem eine Einladung, weiterzudenken. Was ihn als Schüler zunächst nur neugierig machte – die Bemerkung, manches werde „erst im Studium“ erklärt –, sollte später in eine vielversprechende wissenschaftliche Laufbahn münden.
Für seine Masterarbeit über die Finite-Elemente-Methode erhielt der Doktorand der Universität Salzburg den Hans-Stegbuchner-Preis 2026. Im Interview spricht er über die Schönheit mathematischer Forschung, den langen Atem, den sie verlangt, und darüber, warum ausgerechnet die Ruhe seiner Heimat im Chiemgau ein wichtiger Teil seiner wissenschaftlichen Arbeit ist.
Herr Scheck, herzlichen Glückwunsch zum Hans-Stegbuchner-Preis. Was bedeutet Ihnen diese Auszeichnung persönlich?
Vielen Dank! Ich freue mich sehr über diese Auszeichnung. Ich sehe den Preis als Bestätigung, dass sich mein Einsatz gelohnt hat – nicht nur beim Verfassen der Masterarbeit, sondern insbesondere auch während des gesamten Bachelor- und Masterstudiums. Gleichzeitig motiviert mich die Auszeichnung für meine Forschungstätigkeit in den kommenden Jahren.
Wann haben Sie gemerkt, dass Mathematik mehr für Sie ist als nur ein Schulfach? Gab es ein Schlüsselerlebnis oder eine Person, die Sie auf Ihrem Weg besonders geprägt hat?
Zu Beginn meiner Gymnasialzeit war Mathematik nicht unbedingt mein Lieblingsfach. Im Laufe der Jahre fiel mir das Fach dann aber zunehmend leichter, ich entwickelte ein immer größeres Interesse und hatte zunehmend Spaß. Wenn im Unterricht darauf hingewiesen wurde, dass gewisse Dinge kein Schulstoff seien, sondern erst im Studium behandelt würden, dachte ich mir meistens, dass ich eigentlich schon gerne wüsste, wie das geht.
Letztlich hat mich also mein stetig wachsendes Interesse am Fach dazu bewogen, Mathematik zu studieren.
Welche Rolle spielten Ihre Familie und Ihre Erziehung bei Ihrer Berufsentscheidung?
Meine Eltern kommen nicht aus der Wissenschaft, sie haben mich aber stets dazu ermutigt, meinen Interessen nachzugehen, und haben mich immer unterstützt. So habe ich beispielsweise während meiner Schulzeit Skilanglauf als Leistungssport betrieben, wodurch ich mir ein hohes Maß an Ausdauer und Durchhaltevermögen aneignen konnte. Das kommt mir heute im Forschungsalltag zugute.
Sie sind in Aschau im Chiemgau aufgewachsen. Hat der ländliche Raum Ihren Weg in ein sehr theoretisches Fach wie Mathematik beeinflusst? Hatten Sie dort ausreichend Möglichkeiten und Ansprechpartner, um Ihre Interessen zu verfolgen?
Eher weniger, der Kontakt zur Mathematik war im Wesentlichen auf den Schulunterricht beschränkt.
Dennoch ist für mich die Umgebung um Aschau sehr wichtig. Einerseits als Rückzugsort: Die Arbeit in der mathematischen Forschung ist geistig sehr fordernd. Gerade sportliche Aktivitäten in einer ruhigen Umgebung sind für mich der ideale Ausgleich zum Forschungsalltag und helfen mir, den Kopf wieder freizubekommen und mich mental zu regenerieren. Gleichzeitig finde ich dort ideale Bedingungen vor, um ungestört und konzentriert über schwierige Probleme nachzudenken.
Ihre Masterarbeit beschäftigt sich mit der Finite-Elemente-Methode. Wie würden Sie einem Leser ohne mathematische Vorkenntnisse erklären, worum es dabei geht?
Viele Prozesse in den Naturwissenschaften oder der Ingenieurtechnik werden durch sogenannte partielle Differentialgleichungen beschrieben. Um diese Prozesse zu verstehen und Vorhersagen treffen zu können, muss man diese Gleichungen lösen. Die Finite-Elemente-Methode ist ein numerisches Lösungsverfahren dafür, also eine Methode, um näherungsweise Lösungen mit einem Computer zu finden.
Warum haben Sie sich gerade für dieses Thema entschieden und warum ist die Erforschung dieser Methode wichtig?
Das Thema baut auf der Forschung meines Betreuers, Professor Schröder, auf. Ich hatte als Studienassistent in der Arbeitsgruppe Technische Mathematik bereits die Gelegenheit, erste Einblicke in dieses Feld zu gewinnen, was mein Interesse geweckt hat. Gerne habe ich dann die Möglichkeit genutzt, im Rahmen meiner Masterarbeit tiefer in die Thematik einzusteigen.
Die besondere Relevanz der Erforschung der Finite-Elemente-Methode ergibt sich daraus, dass sie ein unverzichtbares Werkzeug in weiten Teilen der Naturwissenschaften und der Ingenieurtechnik ist.
Wo könnten die Ergebnisse Ihrer Arbeit Anwendung finden? Handelt es sich eher um Grundlagenforschung oder gibt es auch konkrete Bezüge zu Problemen aus Technik und Alltag?
Sowohl als auch. Ein Beispiel: Bei der Planung von großen Bauwerken, wie etwa einer Brücke, muss sichergestellt werden, dass diese den zu erwartenden Belastungen standhalten. Dazu erfolgen Simulationen am Computer, wobei die Finite-Elemente-Methode zum Einsatz kommt. Die Verwendung der in meiner Arbeit untersuchten Basisfunktionen für die Finite-Elemente-Methode ermöglicht dabei in gewissen Situationen eine höhere Rechengenauigkeit bei gleichem Rechenaufwand – verglichen mit den für gewöhnlich verwendeten Basisfunktionen.
Entsprechend könnten die neuartigen Basisfunktionen künftig in professioneller Finite-Elemente-Software zum Einsatz kommen.
Viele Menschen empfinden Mathematik als trocken oder schwierig. Was macht das Fach für Sie persönlich spannend?
Es fasziniert mich, in welche unglaublichen Höhen man vordringen kann – letztlich nur mit Stift und Papier als Hilfsmittel. Gerade in der Forschung ist es besonders spannend, wenn man an die Grenzen des Bekannten vorstößt und versucht, darüber hinauszugehen.
Sie setzen Ihre Forschung nun als Doktorand an der Universität Salzburg fort. Woran arbeiten Sie aktuell?
Meine aktuelle Forschungstätigkeit schließt praktisch nahtlos an meine Masterarbeit an. Insbesondere geht es um Verallgemeinerungen der darin untersuchten Konzepte.
Gemeinsam mit meinem Betreuer, Professor Schröder, beschäftige ich mich mit der Konstruktion von Basisfunktionen für die Finite-Elemente-Methode und untersuche deren Eigenschaften. Besonders hervorheben möchte ich dabei auch das hervorragende Arbeitsumfeld im Fachbereich Mathematik der Universität Salzburg, das beste Bedingungen für meine Forschung bietet.
Was würden Sie Schülerinnen und Schülern aus der Region raten, die sich für Mathematik interessieren, aber unsicher sind, ob ein entsprechendes Studium das Richtige für sie ist?
Eine gute Anlaufstelle sind sicher die Fachstudienberater an den Mathematik-Fachbereichen der Universitäten. Besonders hilfreich kann zudem der Kontakt zur Studierendenvertretung des Fachbereichs sein. Hier kann man Erfahrungen direkt aus Studierendensicht erhalten.
Im Zweifelsfall würde ich dazu raten, einfach mit dem Studium zu beginnen. Da Mathematik auch in den meisten anderen Studiengängen gebraucht wird, kann man damit nicht viel falsch machen. Jedenfalls kann ich ein Mathematikstudium an der Universität Salzburg empfehlen.
Welche Ziele haben Sie für die kommenden Jahre – wissenschaftlich und persönlich?
Das nächste große Ziel ist sicherlich die erste Veröffentlichung eines Papers in einer wissenschaftlichen Fachzeitschrift sowie Vorträge auf Konferenzen über meine Forschung. In weiterer Folge dann natürlich der Abschluss des Doktoratsstudiums.
IlariA Heindrich