Feuerwehrhaus weiterhin zu teuer

von Redaktion

Die Kosten für das neue Feuerwehrhaus in Stephanskirchen sind auf 10,3 Millionen Euro gestiegen. Der Bauausschuss hat über Einsparungen beraten, um die Summe auf knapp 9,7 Millionen Euro zu senken. Die Feuerwehr Schloßberg wehrte sich jedoch gegen den geplanten Wegfall von Übungsturm und Waschhalle.

Stephanskirchen – Das neue Feuerwehrhaus der Feuerwehr Schloßberg in Gehering ist immer noch zu teuer: Im Dezember 2025 diskutierte der Gemeinderat über die gestiegene Grobkostenschätzung und stimmte nach Einsparungsmaßnahmen den kalkulierten 9,2 Millionen Euro zu. Nun hat die Verwaltung Anfang Juni 2026 wieder eine Kostenschätzung und Vorplanung auf dem Tisch liegen: 10,3 Millionen veranschlagt das Planungsbüro für den aktuellen Stand – immer noch zu hoch.

Weiteres
Einsparungspotenzial

Deswegen habe die Verwaltung weiteres Einsparungspotenzial prüfen lassen, das dem Stephanskirchener Bauausschuss bei seiner jüngsten Sitzung präsentiert wurde. Auch zahlreiche Vertreter der Schloßberger Wehr waren wieder vor Ort – wohl auch, um ihren Wünschen bei der Planung Nachdruck zu verleihen. Denn kaum hatte Architekt Dirk Kahlig die Einsparungen vorgestellt, kamen bereits die ersten Wortmeldungen, die die Wünsche der Feuerwehrler für die Vorplanung auf den Prüfstand stellten. Doch wo kann gespart werden? Kahlig erläuterte anhand des neuen Grundrisses, dass durch verschiedene kleinere Änderungen Einsparungen vorgenommen werden sollen. So wurden der Übungsturm leicht versetzt und Treppen verlegt. Diese Veränderungen hätten jedoch nicht zu einer wesentlichen Kostenreduktion geführt.

Was wirklich zur Kostenreduktion beitrage, so der Architekt, sei die Reduktion der angenommenen maximalen Mannschaftsstärke von 80 auf 70 Aktive. Denn dadurch verkleinerten sich der Schulungsraum sowie die Umkleide. Auch der zweite Rettungsweg über den Übungsturm soll entfallen und durch eine Außentreppe ersetzt werden. Zudem sollen die Verkleinerung des Windfangbereichs am Haupteingang und der Verzicht auf die geplante PV-Anlage die Baukosten schmälern. Das Ergebnis: Die grob geschätzten Gesamtkosten sinken dadurch mild auf knapp 9,7 Millionen Euro.

Thomas Hoffmann (CSU) eröffnete die Rednerliste und setzte den Rotstift wesentlich drastischer an. „Sind der Übungsturm und die Waschhalle wirklich notwendig?“, stellte er zur Debatte. Diese schlagen mit 380.000 Euro (Übungsturm) und 540.000 Euro (Waschhalle) zu Buche. Denn, so habe er recherchiert, man könne sich problemlos für Übungen am Turm der Feuerwehr Rosenheim online anmelden und diesen kostenfrei für Übungszwecke nutzen. Auch bei der von der Feuerwehr gewünschten Waschhalle sah er Sparpotenzial: „Es besteht die Möglichkeit des Waschens am Bauhof oder draußen.“

Stellvertretender Vereinsvorsitzender und Zugführer Philipp von Uckermann und Kommandant Christian Holewa waren aber genau darauf vorbereitet und erklärten, warum sowohl der Übungsturm als auch die Waschhalle gewünscht wurden und durchaus im Alltag der Feuerwehr Sinn ergeben. „Wir haben gestern ein Pferd gerettet und waren dann voller Gülle“, erklärte von Uckermann. Um die Ausrüstung zu reinigen und auch zu schonen, müssten sie nach derartigen Einsätzen gewaschen werden.

Er machte dabei besonders auf die Umstände für die Ehrenamtler aufmerksam: „Es gibt bei uns auch Winter. Abgesehen davon, dass bei Kälte draußen waschen unangenehm für unsere Ehrenamtlichen ist, bildet sich auch Eis.“ Bürgermeister Karl Mair (Parteifreie Bürger) hielt zu dieser Gelegenheit ein Handbuch über Feuerwehrwesen in die Höhe. „Eine Waschhalle ist heute eigentlich Standard“, so der Bürgermeister. Ein wesentliches Argument war auch die Zeitersparnis. Dies gelte, so von Uckermann, auch für den Übungsturm. „Wir müssen die Absturzsicherung üben. Gleichzeitig verringert ein eigener Übungsturm Schäden bei anderen und den organisatorischen Zeitaufwand“, fügte Kommandant Hollinger hinzu. Ein weiterer Kritikpunkt von Thomas Hoffmann war die zerklüftete Dachlandschaft und die zahlreichen Ebenen innerhalb des Entwurfs: „Kann man kein quadratisches Gebäude mit einem Dach planen?“ Kahlig erklärte, dass so wegen des Zuschnitts des Grundstücks und der Vorgaben des Bebauungsplans geplant wurde. „Ich würde eine Begradigung auch ganz schön finden“, so der Architekt. Sein Kollege Frank Wimmer merkte an, dass das Gebäude im Bereich der Wohnbebauung stehen wird und ein großes Dach einen „hallenartigen Gewerbecharakter“ erzeugen würde. Mehrere Dachebenen fügten sich da besser in die Umgebung ein.

Ludwig Labonte (CSU), selbst Architekt, konnte weder große Begeisterung noch Ablehnung für das Dachkonzept aufbringen, bezweifelte aber, dass ein großes Dach die Baukosten deutlich senken würde. Er fragte nach der Zukunftsfähigkeit des Projekts und der Notwendigkeit von sechs Stellplätzen. Mair erklärte, dass im 1967 gebauten aktuellen Gerätehaus vier Stellplätze vorhanden seien, wovon einer doppelt belegt sei. „Sechs sind meines Erachtens nur logisch.“ Dass in Zukunft noch mehr notwendig sein würden, schloss er aber aus, da im Bereich von Schloßberg ein weniger starkes Bevölkerungswachstum zu erwarten sei. Dieses erwarte man eher im Bereich von Haidholzen und Stephanskirchen.

Stephan Mayer (Parteifreie Bürger) und Doris Reisinger (Grüne) plädierten dafür, die PV-Anlage nicht wegzulassen. „Die Gemeinde kann doch nicht den Einbau einer PV-Anlage in Bebauungsplänen als Pflicht festlegen und bei ihrem eigenen Projekt weglassen“, so die Grünen-Gemeinderätin. Das Feuerwehrhaus solle schließlich ein zukunftsfähiges Prestigeprojekt sein. Zumal die Anlage, wie Baumamtsleiter Wolfgang Arnst im Laufe der Diskussion mitteilte, mit 40.000 Euro einen verhältnismäßig kleinen Posten ausmache.

Förderung
ist möglich

Stichwort Zukunftsfähigkeit: Nach Erweiterungsmöglichkeit innerhalb des knapp bemessenen Grundstücks erkundigte sich Bernhard Stein (Freie Wähler). Bürgermeister Mair erklärte, dass die Vogtareuther Straße in Zukunft von der Staatsstraße zur Gemeindestraße umgewidmet werden soll: „Dadurch könnte die Zufahrt von der Kreuter Straße zur Vogtareuther Straße verlegt und so mehr Platz geschaffen werden.“ Die Verwaltung erklärte, dass für den Neubau derzeit eine Förderung von 950.000 Euro vom Freistaat Bayern möglich wäre. Eine Förderung für die PV-Anlage soll auf Wunsch der Ausschussmitglieder geprüft werden. Dem vorläufigen Planungsentwurf und der Grobkostenschätzung stimmten in der Vorberatung 7:9 zu. Dagegen stimmten Thomas Hoffmann (CSU) und Robert Zehetmaier (Bayernpartei).

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