Ein Blick in die Eggstätter Pfarrkirche St. Georg: Erst 2023 war der Innenraum renoviert worden. Durch den Brand sorgten Rußpartikel nun für enorme Schäden im Kirchenraum und an der Orgel. Fotos Voit
Eggstätt – Nach einer mutmaßlichen Brandstiftung am Donnerstag, 18. Juni, ist die Eggstätter Pfarrkirche Sankt Georg geschlossen worden. Die Schäden durch Ruß im frisch renovierten Gotteshaus erwiesen sich als weitaus gravierender als zunächst angenommen. Für die anstehende Sanierung muss die Gemeinde nun vorübergehend ausweichen.
Die ersten Experten haben sich inzwischen ein Bild von den Schäden gemacht, nun beginnen die Planungen für die Sanierung. Schon jetzt ist klar: Die Pfarrkirche St. Georg wird für längere Zeit nicht genutzt werden können. Welche Folgen der Brand vom 18. Juni tatsächlich hat, zeigt sich erst jetzt.
Wie Schlimmeres
verhindert wurde
Walter Zanini war es, der durch seinen beherzten Einsatz Schlimmeres verhindert hat. Er arbeitete auf dem kirchlichen Friedhof in Eggstätt, als er plötzlich Brandgeruch wahrnahm. Sofort machte er sich auf die Suche nach der Ursache – und stieß in der Pfarrkirche auf einen abgebrannten Windschutzvorhang am Haupteingang. „Ich habe sofort Pfarrer Andreas Przybylski und die Polizei verständigt“, berichtet er.
Die Eggstätter Feuerwehr kontrollierte die Brandstelle mit einer Wärmebildkamera, die Polizei sicherte Spuren. Nach bisherigem Stand gehen die Ermittler von einer mutwilligen Brandstiftung aus. Ein Missgeschick sei unwahrscheinlich, erläutert die Polizeiinspektion (PI) Prien auf Anfrage. Zwar seien Votivkerzen in der Nähe, aber weit genug entfernt, als dass sie ursächlich für den Brand sein könnten. Eine Selbstentzündung scheide als Brandursache aus. Bleibt der Verdacht auf eine mutwillige Brandstiftung. „Es wurden Spuren gesichert, die auf eine Täterschaft hindeuten könnten“, erklärt ein Sprecher der PI Prien. Die Auswertung dieser Spuren dauert an.
Das eigentliche Ausmaß der Schäden wurde jedoch erst später sichtbar. Nicht nur Decke, Eingangstür, Wand und Boden in der unmittelbaren Umgebung des Vorhangs im Eingangsbereich wurden durch das Feuer beschädigt.
Das Ausmaß der Schäden
ist größer als erwartet
Ruß und feinste Partikel verteilten sich auch im gesamten Kirchenraum und drangen bis auf die Empore vor. Auch auf der berühmten Müller-Orgel sind Ablagerungen zu finden. Diese Orgel ist ein bedeutendes historisches Instrument, die größte und am besten erhaltene Orgel des Rosenheimer Orgelbauers Jakob Müller aus dem Jahr 1871. Die Spiel- und Registertraktur der Orgel mit ihren 20 Registern auf zwei Manualen und Pedal ist noch vollständig mechanisch. Die Eggstätter Orgel ist die einzige in der Urfassung erhaltene zweimanualige Orgel von Jakob Müller. Nun muss das historische Instrument für die Sanierungsarbeiten zerlegt werden. Es stehen aufwendige Reinigungs- und Sanierungsarbeiten in der gesamten Kirche an. Betroffen sind unter anderem die einzigartigen Glasfenster, die Heizungs- und Lüftungsanlage sowie die Altäre. Dafür muss ein großes Gerüst errichtet werden, damit Spezialfirmen im Kirchenraum arbeiten können. Das heißt, dass die Kirche voraussichtlich über einen längeren Zeitraum nicht genutzt werden kann.
Aufwendige Reinigung
und Sanierung
Für die Sanierung und die Koordinationsarbeit werden aber auch in der Pfarrei viele helfende Hände erforderlich sein. Besonders schmerzhaft ist, dass der Innenraum der Kirche gerade erst renoviert wurde. Über Monate war damals ein Gerüst im Kirchenraum aufgebaut. Das Ergebnis begeisterte nicht nur die Pfarrgemeinde, sondern auch viele auswärtige Besucher – mit der erneuerten Farbgestaltung, dem restaurierten blauen Sternenhimmel über dem Altar und dem außergewöhnlichen Beleuchtungskonzept.
„Das tut schon sehr weh“, sagt Pfarrer Andreas Przybylski. „Schließlich haben wir erst zur Kirchweih 2023 den Abschluss unserer Innenrenovierung gefeiert – nun müssen wir über längere Zeit eine andere Möglichkeit für die Gottesdienste finden.“ Inzwischen waren Gutachter der Versicherung vor Ort, nun beginnt die Koordination der Sanierungsarbeiten. Wie hoch der Gesamtschaden ausfällt, ist derzeit noch völlig unklar. Fest steht jedoch: Die Kirche bleibt bis auf Weiteres geschlossen. Im Juli finden die Sonntagsgottesdienste je nach Witterung an der Aussegnungshalle oder im Pfarrheim statt. Ab August weicht die Pfarrgemeinde nach Breitbrunn aus, wo sonntags um 10 Uhr gemeinsam Gottesdienst gefeiert wird. Die Gläubigen werden gebeten, Fahrgemeinschaften zu bilden.
Weitere Details werden im „Kirchenzettel“ oder über Whatsapp (Zugangsinfo unter www.pv-irmengard.de) kommuniziert. Das Eggstätter Pfarrbüro steht für Fragen zur Verfügung.