Brannenburg/Oberaudorf – Hohen Besuch hat Josef Steinmüller auf seinem hoch gelegenen Bauernhof bei Oberaudorf begrüßen können. Die Bayerische Staatsministerin für Ernährung, Landwirtschaft, Forsten und Tourismus, Michaela Kaniber, und der Landtagsabgeordnete Sebastian Friesinger sind in den Weiler Zimmerau gekommen, um sich über die Situation der Landwirtschaft im Gebirge zu informieren. Hintergrund des Besuchs war die Diskussion um Sparmaßnahmen, die einen ausgeglichenen Staatshaushalt zum Ziel haben.
Kaniber machte eine klare Aussage: „Bei den Bergbauern wird nicht gespart.“ Sie bezog sich damit auf das Bayerische Bergbauernprogramm. Die Ministerin sieht in den Fördergeldern, die die Bergbauern weiterhin erhalten sollen, „einen Ausgleich für die harte Arbeit“, wie sie nach einer Begehung der Weide- und Mähflächen des Hofs sagte. Bei der Begehung konnte sie sich ein Bild davon machen, welcher Aufwand nötig ist, um die Hangflächen zu bewirtschaften.
Mobile Schlachtbox
in Brannenburg
Zuvor war die Ministerin auf dem Lechnerhof in Brannenburg zu Gast. Dort bewirtschaftet Hubert Nagele gemeinsam mit seiner Frau Sophie einen Milchviehbetrieb mit 60 Milchkühen. Ergänzend werden am Hof seit 2002 Rinder in einem kleinen Schlachthaus geschlachtet und verarbeitet.
Wie Hubert Nagele berichtete, wurde das Schlachthaus 2022 mit Unterstützung einer LEADER-Förderung modernisiert. Darüber hinaus schaffte er eine mobile Schlachtbox an. Damit können Rinder direkt am Hof – in ihrer gewohnten Umgebung – geschlachtet werden. „Das ermöglicht ein absolut stressfreies Lebensende der Rinder“, erklärt der Betriebsleiter. „Und die Auswirkungen der stressfreien Schlachtung auf die Fleischqualität machen sich auch geschmacklich bemerkbar. So ist die mobile Schlachtung rundum eine gute Sache.“
Die Nachfrage nach der Schlachtbox ist inzwischen so groß, dass die Zahlen im vergangenen Jahr deutlich über der ursprünglichen Planung lagen: Insgesamt wurden 150 Rinder auf diesem Weg geschlachtet – rund 50 mehr als anfangs vorgesehen. „Uns hat der Dreh- und Angelpunkt gefehlt, der für den Aufbau einer Wertschöpfungskette für regionales Weidefleisch notwendig ist“, erläuterte Steffi Adeili von der Öko-Modellregion der Ministerin. „Mit dem stressfreien Schlachten im Inntal kann nun die Schlachtung und Verarbeitung von Weiderindern aus dem Landkreis Rosenheim sichergestellt werden. Seither konnte nicht nur die Direktvermarktung der rund 35 Mitgliedsbetriebe von Rosenheimer Weidefleisch e. V. ausgebaut werden, sondern auch eine sehr erfolgreiche Kooperation mit den Prechtl Märkten aufgebaut werden.“
Seit Ende 2025 gibt es Rosenheimer Weidefleisch regelmäßig an der Fleischtheke in den Prechtl Märkten der Region. „Ohne das Zutun der Öko-Modellregion wäre diese Kooperation nie entstanden“, sind sich Jochen Aumüller aus der Geschäftsführung des Prechtl, Hubert Nagele sowie Kaspar Gasteiger, Vorsitzender des Vorstands von Rosenheimer Weidefleisch e.V., einig.
Auch Staatsministerin Kaniber zeigte sich beeindruckt: „Was ihr hier mit Rosenheimer Weidefleisch aufgebaut habt, ist wirklich bemerkenswert. Mir ist bewusst, dass die Arbeit der Öko-Modellregionen als Plattform, die Kontakte herstellt und eine Brücke zwischen Landwirtschaft und Handel, Gastronomie oder Verbrauchern schlägt, sehr wertvoll ist. Deshalb habe ich mich von Anfang an dafür eingesetzt, dass die Öko-Modellregionen verlängert und auch verstetigt werden können.“
Wie wichtig die weitere Arbeit ist, unterstrichen zudem die anwesenden Bürgermeister der ÖMR-Gemeinden Rohrdorf, Frasdorf, Neubeuern und Brannenburg. Gleichzeitig machte Simon Hausstetter, Erster Bürgermeister der Gemeinde Rohrdorf, deutlich: „Dennoch ist das Fortbestehen der ÖMR noch nicht gesichert. Aufgrund der schwierigen Haushaltslage in den Kommunen ist ein Fortführen der ÖMR über 2027 hinaus höchstwahrscheinlich nur auf Sparflamme möglich. Hier wäre eine höhere finanzielle Unterstützung vonseiten des Landwirtschaftsministeriums wünschenswert.“
Christoph Schneider, Erster Bürgermeister von Neubeuern, merkte an, dass unter den Bürgermeistern auch die Idee der Gründung eines interkommunalen Zweckverbandes zur Förderung der Landwirtschaft und regionalen Wertschöpfung diskutiert wird, in diesen dann die Öko-Modellregion integriert werden könnte.
Weitere Unterstützung erhalten Bergbauernbetriebe laut Ministerialrat Wolfgang Wintzer, dessen Referat auch die Berglandwirtschaft beinhaltet, über die „Fördermittel im Rahmen der Ersten und Zweiten Säule“, unter anderem Direktzahlungen, Zahlungen im Rahmen des Bayerischen Kulturlandschaftsprogramms und Ausgleichszulagen. „Diese vom Umfang her weitgehend bedeutendere Mittel“ würden nicht zur Diskussion stehen.
Neben den schwierigen Arbeitsbedingungen sieht der Landtagsabgeordnete Sebastian Friesinger ein neues Problem auf die Almwirtschaft zukommen. Die Ausbreitung von Wölfen gefährde die Tiere und müsse daher verhindert werden. „Der Wolf passt nicht in unsere dicht besiedelte Kulturlandschaft“, so der Abgeordnete.
„Schön, dass sich Michaela Kaniber selbst informiert“, findet Josef Glatz. Es sei nicht selbstverständlich, dass eine Ministerin sich die Zeit nehme, ins Gebirge zu kommen, um selbst zu sehen, unter welchen Bedingungen die Bergbauern arbeiten. Der Vorsitzende des Almwirtschaftlichen Vereins Oberbayern hält die Förderungen, die die Berg- und Almbauern aus dem Steueraufkommen des Staats erhalten, für gerechtfertigt. Die Bauern würden durch die Bewirtschaftung der Flächen nicht nur Landschaftspflege betreiben, um das Mähgut anschließend zu entsorgen. Sie würden es sinnvoll für die Produktion von Lebensmitteln nutzen. Durch die Förderung würde ihre Wertschöpfung auch Wertschätzung erfahren, was wichtig sei.
Damit er das Gras, das nach dem Mähen teilweise von Hand zusammengerecht werden muss, als Futter nutzen kann, hat Steinmüller in seinem Hof eine Heutrocknungsanlage eingebaut, die umweltfreundlich mit Solarenergie betrieben wird. Er versteht den Betrieb nicht nur als Produktionsstätte für Milch, sondern setzt auf Diversifizierung. Dazu gehören die Direktvermarktung von Rindfleisch im Hofladen und der Verkauf von Jungkühen sowie von Bauholz und Brennholz. Außerdem bietet er Urlaub auf dem Bauernhof an und lädt Schulklassen zu Erlebnistagen ein. In der Bewirtschaftung von Almen sieht Steinmüller, der sich „narrisch gefreut hat, dass die Ministerin persönlich gekommen ist, um sich zu informieren“, eine wichtige gesellschaftliche Aufgabe.
Auch von Bedeutung
für den Tourismus
Der Erhalt der offenen Landschaft im Gebirge mit ihrer großen Artenvielfalt diene auch dem Tourismus, da viele Urlauber wegen der Berglandschaft in die Region kämen. Allerdings bräuchten laut Steinmüller viele Bergbauern auch Talflächen zur Erzeugung von Futter. Ein Problem stelle in diesem Zusammenhang die von der Bahn geplante Neubaustrecke zum Brenner dar. Diese entziehe in dem engen Inntal der Landwirtschaft viel Fläche, was die Existenz mancher Bauernhöfe bedrohe.