Aschau – „Der Tanz ist der reinste Ausdruck jeglicher Emotion.“ Von Anna Pawlowa (1881 bis 1931), bis heute als Meistertänzerin des klassischen Balletts bekannt, stammt dieser Satz. Die Italienerin Roberta Ragonese, mittlerweile in Bad Endorf lebend, geht noch weiter: Sie will ihre kreative Essenz in Tanz, Musik, Literatur und Design entfalten. Ganz so wild wird es nicht beim kreativen Tanzworkshop, den sie einmal im Monat in der Aschauer Priental-Halle anbietet.
Freie Bewegung
ohne Zwang
Aber es ist eben mehr, als „nur“ Schritte und Bewegungen nachzumachen. Tanzen ist das Gestalten von Fantasie, Ideen, Emotionen und Geschichten, das Kennenlernen von Bewegungsformen als ein Ausdrucksmittel, sagt Roberta.
Sieben Tänzer sind zum Workshop in der Priental-Halle gekommen, jeder gewillt, sich auf die Musik einzulassen. Klar, Roberta gab sanft kleine Anweisungen wie „wir gehen aufeinander zu“ oder „wir bewegen den ganzen Körper mit.“ Und doch folgten die Tänzer dem Rhythmus der Musik, drehten sich im Kreis, bewegten die Arme wie Vögel, stampften auf der Stelle oder tippelten zur Seite. Ganz ohne Zwang, und doch erschien das Aufeinander-Zu- und das Voneinander-Weg-Tanzen wie eine logische Folge.
Der Ursprung
der Pizzica
Der Fantasie freien Lauf lassen, diese Vorgabe, die Roberta schon bei ihrer Begrüßung anklingen hat lassen, brauchte es eigentlich nicht. Zu sehr nahm einen der Schwung der Pizzicata mit. Der Name Pizzica leitet sich vom italienischen „pizzicare“ (zwicken, kneifen) ab. Der Ursprung dieses Tanzes geht auf das Ende des 14. Jahrhunderts zurück. Mit der immer schneller werdenden Musik sollte der von einer Tarantel Gestochene – und mit ihm auch die unversehrten Familienmitglieder und Dorfbewohner – zum Tanzen animiert werden, so lange eben, bis der Gebissene auf dem Boden erschöpft zusammenbrach und hoffentlich geheilt war.
In der Priental-Halle blieben die Tänzer beim Tanzen ohne Berührung auf Abstand. Abgesehen von wenigen Grundbewegungen, lebt Pizzica-Pizzica von spontanen, freien Schritten. Mit flotten, kleinen Hüpfern umkreisten, näherten und entfernten sich die Tänzer in der „Ronda“ (Kreis) und der Kreismitte. Roberta findet, dass die Tatsache, dass man mit dem Körper etwas darstellen kann, sich mitteilen und verständigen kann, viel Platz für Improvisation und Raum zum Experimentieren lasse. Manch Außenstehender mag es vielleicht als Spinnerei abtun, manch anderer hingegen als heilsame Tanztherapie.
Der Workshop wolle, so Roberta, dazu einladen, frei zu experimentieren, den eigenen Körper bewusst zu erleben und spielerisch mit Bewegung, Poesie, Klang und Raum zu interagieren. In der vergangenen Tanzstunde brachte sie – angeregt von einer Reise – Pizzica-Pizzica mit. Mal sehen, welche Musik Roberta in der kommenden Workshop-Runde am Freitag (24. Juli) dabei hat. Fakt ist, der Rhythmus der Pizzica-Pizzica-Musik wirkte, riss mit, ließ die Reporterin nicht nur gedanklich, sondern auch körperlich sich mitbewegen.
Einladung zum
Experimentieren
Tanz als der reinste Ausdruck jeglicher Emotion: Wer reinschnuppern möchte, die nächsten Workshops finden jeweils am letzten Freitag im Monat von 18 bis 20 Uhr – bis Freitag, 27. November – statt. Roberta plant noch weiter: Aus dem kreativen Tanzworkshop könnte ein Tanzprojekt für die Bühne als Nachfolgeprojekt werden. Jetzt aber heißt es erst einmal, sich beim kreativen Tanzworkshop auf die Musik einzulassen und Emotionen fließen zu lassen.