Nußdorf – Ursprünglich hatte Julian Bast aus Nußdorf einmal vor, selbst als Influencer Karriere zu machen. Stattdessen entschied sich der 27-Jährige für die Arbeit hinter den Kulissen und gründete 2023 mit einem Bekannten die Agentur „Memora“. Anstatt selbst vor der Kamera zu stehen, betreut er heute Influencer mit Hunderttausenden Abonnenten.
Genau das war die Idee, als Bast seine Agentur gründete: Mit Social Media hatte der Nußdorfer damals schon Erfahrung. Zuvor hatte er bei zwei Unternehmen in der Region im Marketing gearbeitet. „Ich habe auch super gut verdient. Aber ich wollte diesen Gehaltsdeckel nicht haben“, erzählt Bast.
Eltern unterstützen
in der Anfangszeit
Seine Eltern waren es, die ihn nach der Unternehmensgründung unterstützten. In der Social-Media-Branche läuft viel über Kontakte, wie Bast erklärt. „Und die hat man nicht von heute auf morgen“, so der Unternehmer. Er habe sich in der Szene erst einmal einen Namen machen müssen und viele Events besucht. Zunächst lohnte sich das Unternehmen deshalb finanziell kaum.
Zudem werde eine Agentur wie „Memora“ auf Provisionsbasis bezahlt. „Das kann einem schnell das Genick brechen, wenn man nicht so privilegiert aufgewachsen ist wie ich“, betont der 27-Jährige. Ohne die Unterstützung seiner Eltern wäre es ihm zufolge schwierig gewesen.
Hinzu kam, dass schon relativ kurz nach der Gründung ein anderes Management auf die beiden Jungunternehmer aufmerksam wurde. „Mein ehemaliger Geschäftspartner bekam ein vermeintlich besseres Jobangebot und entschied sich, einen anderen Weg einzuschlagen“, erzählt Bast. Von heute auf morgen stand er vor der Frage: Aufgeben oder weitermachen?
Der Nußdorfer entschied sich fürs Weitermachen und suchte sich einen neuen Geschäftspartner. Heute betreut die Agentur Influencer im Alltag und steht als Ansprechpartner zur Verfügung. „Wir geben unser Bestes, den Creator groß zu machen“, sagt Bast. Außerdem kümmern sich die Mitarbeiter um Kooperationen mit Werbepartnern. „Wir beantworten Anfragen, schicken aber auch selbst welche raus“, erklärt der Unternehmer. Auch die Bezahlung müsse verhandelt werden.
Das Team ist mit der Zeit weiter gewachsen. Einer der Neuzugänge ist Lucas Finkbeiner, selbst ehemals Influencer und Basts „Ride or Die“, sagt der 27-Jährige. Auf ihn könne er sich blind verlassen. „Ohne Lucas könnte ich mir ‚Memora‘ nicht mehr vorstellen“, betont Bast.
Und auch Lucas Finkbeiner findet lobende Worte für den Nußdorfer. „Was mich von Anfang an beeindruckt hat, war die Art, wie Julian arbeitet“, erzählt er dem OVB. Er interessiere sich wirklich für die Menschen, mit denen er zusammenarbeite, und denke langfristig. „Wir haben teilweise täglich zehn Stunden miteinander gearbeitet, unzählige Telefonate geführt und gemeinsam Lösungen für jede Herausforderung gesucht“, sagt Finkbeiner. Aus dieser intensiven Zeit sei nicht nur eine erfolgreiche Partnerschaft, sondern auch eine echte Freundschaft entstanden.
Inzwischen lebt Bast, wie die anderen Mitarbeiter von „Memora“, in Berlin. Die Agentur ist ihm zufolge mittlerweile das größte Management für Reise-Influencer im deutschsprachigen Raum. „Das liegt daran, dass wir viele Reise-Creator haben“, erklärt Bast. Dazu gehören „travell4llove“, „jonasmoll95“ und auch „Movelikeg“ – ein Influencer aus Flintsbach, der eigentlich Marinus Obermair heißt.
Die Spezialisierung auf Reise-Influencer passt gut zu Basts eigenen Vorlieben. „Reisen ist mein größtes Hobby“, betont er. Früher spielte er viele Jahre Eishockey, inzwischen konzentriert er sich auf Hobbys, die ihn mit anderen Leuten verbinden. „Padel zum Beispiel. Ich gehe aber auch gerne golfen“, sagt er. Dabei könne er gut Kontakte knüpfen, die ihm auch im Agentur-Alltag weiterhelfen.
Wie der Beruf
Influencer aussieht
Mit „Memora“ unterstützt Bast Influencer zwar so gut es geht – die Videos und Bilder für ihren Social-Media-Kanal und die Werbekooperationen müssen sie aber letztlich selbst liefern. „An diesem Job hängt ein riesiger Rattenschwanz dran“, sagt Bast. Die Creator müssen alles pünktlich posten, von Event zu Event reisen, und stehen noch dazu ständig in der Öffentlichkeit. Hinzu komme, dass man im Netz oft nicht nur Fans habe, sondern auch mit Hass und Kritik konfrontiert werde. „Deshalb ist es ein sehr belastender Job, der auf die Psyche geht“, sagt Bast.
„Außerdem ist es ein zweischneidiges Schwert: Einerseits genießt du die Aufmerksamkeit. Andererseits ist die Privatsphäre extrem eingeschränkt.“ Bast gibt zu, dass er – obwohl er früher genau diesen Traum hatte – ungern mit Influencern tauschen würde. „Ich schätze meine Privatsphäre extrem. Für kein Geld der Welt würde ich das aufgeben“, betont er.