Rohrdorf – Feuerwehrler sind Schutzengel, nur ohne Flügel. Diesen Satz kann man so oder ähnlich oft hören, wenn Feuerwehren ein Jubiläum haben oder ein neues Fahrzeug geweiht wird. So richtig bewusst, was das eigentlich heißt, macht man sich das aber eigentlich nie.
Es sei denn, man war selbst einmal dabei, bei einem Unglück, Verkehrsunfall oder Hochwasserereignis – als Betroffener oder als Augenzeuge. Dann wird man wohl kaum wieder vergessen, welch unendliches Gefühl der Erleichterung einen überkommt, wenn die Fahrzeuge der Feuerwehr erst zu hören, dann zu sehen sind.
Absolute Profis
beim Helfen und Retten
Und wie, sobald die Feuerwehrfrauen und -männer tätig werden, mit einem Mal in dem Chaos, in dem Schrecken und der Auflösung wieder so etwas wie Struktur entsteht: Man spürt, man weiß, weil man es sehen kann: Hier sind absolute Profis am Werk, jetzt wird einem geholfen.
Von daher gesehen ist das Geld, das in die Ausrüstung der Feuerwehren gesteckt wird, jeden Cent wert, und das gilt nicht zuletzt für die Fahrzeuge, deren Kosten in der Regel in die Hunderttausende gehen. Sepp Piezinger, der ehemalige Rohrdorfer Feuerwehrkommandant, hatte das einmal, als er dem Gemeinderat ein Anschaffungsprojekt vorstellte, so formuliert: „Sicher, es ist Geld, viel Geld, das ihr hier ausgeben müsst. Aber ihr müsst euch vor Augen halten: Wenn dank dieses Fahrzeuges und seiner Ausrüstung auch nur ein einziges Menschenleben gerettet werden kann, dann war das den Aufwand schon wert.“
Und Menschenleben haben alle Rohrdorfer Wehren zweifellos schon viele gerettet. Wobei zu betonen ist, dass der Rohrdorfer Gemeinderat noch nie gezaudert hat, wenn es um Anschaffungen für die Feuerwehren ging und geht. Auch jetzt nicht, als binnen eines Jahres drei neue Fahrzeuge angeschafft wurden, für die Ortsteilfeuerwehren in Lauterbach, Rohrdorf und Thansau. Gesamtkosten: rund 1,2 Millionen Euro. Die Kosten für die Erweiterungsbauten, die in Thansau und Lauterbach nötig waren, um die Fahrzeuge unterstellen zu können, noch gar nicht eingerechnet. Und gerade bei diesen Erweiterungsbauten zeigt sich, dass die Feuerwehren nicht einfach sagen „wir brauchen…“, sondern fast immer mit hochgekrempelten Ärmeln mithelfen, wo es nur geht. So hat die Feuerwehr Lauterbach bei ihrem Erweiterungsbau ans Dorfhaus in Eigenregie Wände herausgerissen sowie die Elektro- und Sanitärinstallation auf Vordermann gebracht.
Und was das dortige neue Fahrzeug, einen Mannschaftstransportwagen, anbelangt, so war auch das dringend nötig. Im schon bisher vorhandenen Fahrzeug, einem sogenannten „Tragkraftspritzenfahrzeug mit Wasser“, fanden nur sechs Personen Platz. In der Regel viel zu wenig für einen Einsatz. Die Folge: Die anderen Feuerwehrleute mussten mit ihren Privatfahrzeugen hinterherfahren, ohne Martinshorn, ohne Blaulicht und damit auch ohne Sonderrechte. Im Grunde ein Unding, denn wäre etwas passiert, hätte das Argument „Aber wir waren doch auf dem Weg zu einem Einsatz“ absolut rein gar nichts geholfen. Man denke nur an den Fall aus Sachsen, bei dem kürzlich ein Feuerwehrmann einen Strafzettel über gut 300 Euro und ein einmonatiges Fahrverbot erhalten sollte, weil er auf einer Einsatzfahrt – wohlgemerkt in einem Feuerwehrfahrzeug und mit Sondersignalen – die zulässige Geschwindigkeit überschritten hatte. Das neue Fahrzeug, das acht weiteren Einsatzkräften Platz bietet, ist also kein „Geschenk“ an die Feuerwehr Lauterbach, sondern etwas, mit dem eine richtig vernünftige Einsatzbereitschaft hergestellt wird.
Nicht viel anders sieht es bei den anderen beiden Ortsteilen aus: Rohrdorf bekam ein neues Löschgruppenfahrzeug. Das ist gewissermaßen eine eierlegende Wollmilchsau unter den Feuerwehrfahrzeugen, mit integriertem Wassertank – aber ansonsten bis obenhin bestückt mit Gerätschaften für jeden nur denkbaren Einsatzzweck. Gerade dieser Fahrzeuginhalt macht klar, warum die Rohrdorfer Feuerwehr glücklich über dieses Fahrzeug ist, nicht zuletzt wegen der vielen Rettungseinsätze auf der Autobahn. Sein Vorgänger ist jetzt schon rund 30 Jahre im Dienst, schon an sich für einen Lkw ein betagtes Alter, erst recht aber für die ganzen „Innereien“, zum Beispiel Rettungsscheren und -spreizer: Da gibt es heute Geräte, die viel einfacher zu bedienen sind, was im Einsatz lebensrettend sein kann.
Thansau bekam – ebenfalls als Ersatz – ein neues Tragkraftspritzenfahrzeug. Solche „Klein-Lkw“ sind vor allem für den sogenannten Erstangriff gedacht. Es geht hier also – noch mehr als sonst – darum, so schnell wie irgend möglich vor Ort zu sein. Und da ist ein neues Fahrzeug, auf das man sich verlassen kann, zweifellos eine große Hilfe.
Ohne Feuerwehr wäre
die Gemeinschaft ärmer
Und wenn eingangs von Feuerwehrlern als Schutzengel die Rede war, so gilt das nicht nur bei Unglücksfällen, sondern in gewissem Sinn auch im Alltag. Darauf hob Bürgermeister Simon Hausstetter in seinem kurzen Grußwort ab, als er jene Verdienste der Frauen und Männer betonte, die sie sich bei jeder Gemeinschaftsaktion in ihren Ortsteilen erwerben, sei es als Mitglieder anderer Vereine oder schlicht als Privatleute: „Ohne sie wäre unsere Gemeinschaft eine in jeder Hinsicht wesentlich ärmere.“