Oberaudorf – Eine Grundsatzfrage hat den Gemeinderat in seiner jüngsten Sitzung am Dienstag (21. Juli) beschäftigt: Muss man für neue Aufgaben durch den Neubau von Gebäuden Räume schaffen oder ist auch die Nutzung von vorhandener Bausubstanz möglich?
Viel Raum wird die Gemeinde nach dem geplanten Erwerb des Klostergebäudes in Reisach haben. Als Nutzung wurde unter anderem die Vermietung von Räumlichkeiten für Trauungen diskutiert.
Ruf des Klosters darf
keinen Schaden nehmen
Vorgeschlagen wurden Preise von 300 bis 800 Euro, mit der Nutzung des Gartens 1.000 Euro, damit die Gemeinde einen Teil der hohen Unterhaltskosten für das alte Gebäude wieder hereinholt. Weltliche Trauungen im Kloster, das passe nicht, so das Gegenargument eines Gemeinderats. „Du bist ja konservativer als unser Pfarrer“, reagierte Bürgermeister Matthias Bernhardt, der die Erzielung von Einnahmen für die Gemeinde für vorrangig hält.
Der Gemeinderat will bei der Nutzung des Klosters darauf achten, dass dessen Ruf nicht Schaden nimmt. Auf keinen Fall solle es zu einer Party-Location werden. Alle Veranstaltungen müssten spätestens um Mitternacht enden. 500 Euro für einen halben Tag und 1.000 Euro für einen ganzen Tag halten die Räte als Miete für kommerzielle Nutzer für angemessen. Für das Refektorium alleine sollen 250 Euro fällig werden.
Besondere Regelungen sind für einheimische Vereine geplant. Sie sollen nur die Betriebskosten übernehmen. Keine Lösung wurde für Künstler gefunden, die für ihre Veranstaltungen keinen Eintritt verlangen, aber Spenden annehmen. Deren Höhe sei nicht kontrollierbar, eine prozentuale Abgabe an die Gemeinde sei daher nicht sinnvoll.
Wann die anstehenden Renovierungsarbeiten erfolgen sollen, ist noch offen. Laut Bernhardt hänge dies von der finanziellen Lage der Gemeinde ab.
Auch bei dem Ausbauvorhaben des Christlichen Sozialwerks (CSW) Oberaudorf-Kiefersfelden geht es um Raumnutzung. Das CSW möchte von den beiden Gemeinden jeweils 50.000 Euro als Zuschuss, um neue Räume schaffen zu können. Bernhardt sieht das Vorhaben kritisch. „Es gibt relativ viele Gebäude, die eine relativ klägliche Auslastung haben“, so sein Argument gegen einen Anbau an das Bestandsgebäude in der Bahnhofstraße.
In Oberaudorf werden nach der Neuorganisation der evangelischen Kirche im Bereich der beiden Gemeinden Räume frei. Diese könnten weiter für soziale Zwecke genutzt werden. Der Vorteil wäre, dass die Oberaudorfer Nutzer der Angebote nicht nach Kiefersfelden fahren müssten, wenn das CSW Räume in beiden Gemeinden habe.
Die Gefahr eines künftigen Leerstands sehen die Räte auch beim geplanten Neubau der Grundschule, der mit sechs Millionen Euro veranschlagt ist. Aufgrund der demografischen Entwicklung – die Bevölkerung in Deutschland nimmt pro Generation um ein Drittel ab – wird es in Zukunft weniger Schulkinder geben. Wenn für den heutigen Bedarf gebaut wird, sei die Schule bald zu groß, so die Argumentation der Gegner. Bernhardt sieht dies auch und hält deshalb eine Bauweise für sinnvoll, die eine spätere Umnutzung ermöglicht.
Kritik an Kosten
für Fachplanungen
Kritik wurde von einigen Räten auch an den Kosten für Fachplanungen in Höhe von fast 400.000 Euro geübt. Die Ausgaben wurden dennoch beschlossen: 6.900 Euro für ein geologisches Gutachten, 83.500 Euro für eine Tragwerksplanung, 87.500 Euro für die Planung der Elektroinstallation, 115.000 Euro für die Planung der technischen Gebäudeausstattung, 32.500 Euro für die Brandschutzplanung und 66.800 Euro für die Planung der Außenanlagen und der Freiflächen.
Die Ausgaben für die Planung sind laut Bernhardt nötig, damit die Gemeinde rund 75 Prozent Förderung erhalte. Diese Förderung wird aus Steuergeldern bezahlt.