Vogtareuth – Waldbestattungen könnten künftig das Bestattungsangebot in Vogtareuth erweitern. Dies beschloss der Gemeinderat in seiner jüngsten Sitzung. Bürgermeister Alois Anetsberger sprach von einer „schönen Alternative zu einer herkömmlichen Beerdigung.“ Er habe bereits selbst an einer Beisetzung in einem Friedwald teilgenommen.
Passendes Grundstück schon im Visier
Vor der Entscheidung stellten Waldbesitzer und Gemeinderat Max-Emanuel Fischbacher sowie Dennis Maß von der Firma Waldfried das Konzept vor. Das passende Grundstück nordöstlich von Zaisering sei gefunden: groß genug, gut erreichbar und „nicht zu nass“, erklärte Fischbacher. „An dieser Stelle gibt es keinen Schutzstatus“, sagte er. Daher sei der Standort aus seiner Sicht geradezu prädestiniert. Zudem bestehe der Wald größtenteils aus einem gesunden Mischbestand mit unter anderem Buchen, Eichen, Lärchen und Fichten.
Dennis Maß erklärte, dass die Asche Verstorbener bei Waldbestattungen in biologisch abbaubaren Urnen an den Wurzeln von Bäumen beigesetzt wird. Auf klassischen Grabschmuck oder Bepflanzungen wird dabei verzichtet. „Das übernehmen die Natur und die Jahreszeiten“, sagte er. Ziel sei es, das Ökosystem dauerhaft zu schützen und zu erhalten. Der Wald bleibe weiterhin öffentlich zugänglich. Auf Nachfragen aus dem Gremium, ob der Wald auch künftig bejagt werden könne, bejahte Maß. Weil den Friedwald nur wenige Besucher am Tag besuchen, bleibe die Jagd auch weiterhin möglich.
Nach Einschätzung des Waldfried-Vertrieblers verändert sich die Bestattungskultur immer mehr. Mehr Menschen entscheiden sich für eine Einäscherung und wünschen sich pflegefreie Grabstätten in der Natur, so Maß. Neben einzelnen Grabplätzen könnten sich auch Paare oder Familien einen Baum exklusiv sichern. Geplant ist außerdem ein sogenannter Sternschnuppenbaum, unter dem Eltern ihre verstorbenen Kinder kostenfrei beisetzen können. Christliche ebenso wie konfessionslose Trauerfeiern seien möglich.
Für den Friedwald wären lediglich einige ergänzende Maßnahmen nötig. Der bestehende Hamberger-Parkplatz sei bereits ausreichend groß, sagte Gemeinderat Fischbacher. Geplant sind unter anderem eine Informationstafel, ein überdachter Andachtsplatz, Sitzbänke sowie ein befestigter Rundweg. Dieser solle auch mit dem Rollator begehbar beziehungsweise mit dem Rollstuhl zu nutzen sein.
Genehmigung (fast)
nur noch Formsache
„Die Voraussetzungen für eine Genehmigung sind extrem gut“, zeigte sich Maß optimistisch. Profitieren könnte von dem Angebot nicht nur Vogtareuth, sondern die gesamte Region, denn der Einzugsbereich liege bei bis zu 25 Kilometern. Bei der Abstimmung enthielt sich Max-Emanuel Fischbacher als Eigentümer des Waldstücks. Die restlichen Mitglieder des Gemeinderats beschlossen einstimmig, Verhandlungen mit der Firma Friedwald aufzunehmen.