Frasdorf – Die Belohnung ist auf dem Fuße gefolgt: Der kleine und interessant gestaltete Ortsrundgang durch Westerndorf hat mit dem Besuch des Biergartens im Landgasthof Karner geendet. Anlässlich „1.150 Jahre Frasdorf“ haben sich der Heimat- und Kulturverein (HKV) und die Tourist-Info zusammengetan: Nach einem Ausflug in die Geschichte geht es in Pop-up-Biergärten. „Alte Gaststätten des Ortes öffnen ihre Tore, und bei Getränken, Brotzeit und Musik wird das gemeinschaftliche Miteinander gepflegt“, erläutert Tobias Volke, Leiter der Frasdorfer Tourist-Info, das Konzept.
Die Ursprünge
von Westerndorf
Schon beim ersten Mal Anfang Juli waren rund 100 Leute zusammengekommen, um Wissenswertes über alte Bauernanwesen im alten Frasdorf zu erfahren, ehe der Abend im Biergarten des Gasthofs Hochries mit noch mehr Gästen ausklang. Der Ortsrundgang in Westerndorf lockte ebenfalls ähnlich viele Teilnehmer an. Startpunkt war der Paulschmied in Westerndorf. „Mit so vielen hätte ich jetzt nicht gerechnet“, bekannten Rupert Wörndl, Vorsitzender des HKV, und Volke.
Westerndorf, früher von Frasdorf deutlich getrennt, hat seinen Namen nach der Lage zum Hauptort, was sich vom althochdeutschen „westar“ (nach Westen gelegen) ableitet, erläuterte Wörndl. Schon 1445 sind im Zusammenhang mit Zehentstreitigkeiten 13 der 15 Anwesen von Westerndorf erwähnt worden, von denen sich bereits Ursprünge der späteren und heute zum Teil noch bestehenden Hofnamen feststellen lassen. Dazu gehören Rauch, Paulkarl, Mix, Kainz (von Chunz), Krinninger, Jell (von Ull) sowie der Paul- beziehungsweise Oberschmied.
Wörndl wies auch darauf hin, dass die Bauernhäuser von Westerndorf als Ensemble, teils sogar als Einzelgebäude, unter Denkmalschutz stehen. Es handle sich um stattliche Anwesen, die teilweise mit einem Handwerk verbunden gewesen seien, betonte Wörndl. Das lasse sich beispielsweise aus den Namen Schmied oder Schuster heraushören. Andere wiederum, wie beispielsweise der Rauch, hätten ihren Namen erhalten, weil die Vorfahren schon so hießen.
Wörndl erläuterte auf dem Rundgang weitere Besonderheiten einzelner Gebäude. Bei manchen sitze der flache Dachstuhl dicht auf dem zweiten Stock, bei anderen wiederum gebe es einen hohen Kniestock, um mehr Lagerplatz unter dem Dach zu schaffen, andere hätten sogar einen ausgebauten dritten Stock. Auffällig oft ziehen kunstvoll geschnitzte Altanen, Segenssprüche, geschnitzte Figuren in Nischen und Malereien an den Hauswänden die Besucher in ihren Bann. Letztere aber seien keineswegs alte Lüftlmalerei, sondern eher jüngeren Datums, schränkte Wörndl ein. Die Religion habe jedoch stets eine große Rolle gespielt.
Heute gibt es im Dorfensemble Westerndorf nur noch einen einzigen landwirtschaftlichen Betrieb. Manche Höfe sind im Originalzustand erhalten, manche im alten Stil sorgfältig wiederaufgebaut, bei manchen kam ein moderner, aber sinniger Anbau dazu. Die gepflegten Blumen- und Gemüsegärten seien eine Augenweide, war von vielen Teilnehmern immer wieder zu vernehmen. Der knapp 45 Minuten dauernde Rundgang endete am Landgasthof Karner. „Bäck-Hof, erbaut 1663“ kündet hier am Eingang eine Steininschrift. Wer mehr wissen wolle, so Wörndl abschließend, schaue auf die kleinen grünen Schilder an den Höfen, die von der Bedeutung und dem Hofnamen erzählen. Weitere ortsgeschichtliche Informationen finde man auch auf den Tafeln des HKV an Straßenkreuzungen. Auf Tafel 26 kann man beispielsweise nachlesen, dass beim Bäck, dem heutigen Karner, seit jeher Bäcker mit Schankbetrieb draufsaßen.
Wandel und
Erhalt des Dorfes
Für Außenstehende mögen die vielen Familiennamen vielleicht nichts sagen, aber für viele Frasdorfer war es ein Déjà-vu. Schon auf dem Rundgang wurde so manche Kindheitserinnerung wach, und im Biergarten des Bäck, dem späteren Gasthaus Niederauer und heutigen Ein-Sterne-Landgasthof Karner, ließ man bei einer zünftigen Brotzeit und Musik in trauter Runde den Sommerabend ausklingen.
Der nächste heimatkundliche Ortsrundgang findet am Samstag, 22. August, ab 18 Uhr statt und führt im Anschluss zum ehemaligen Gasthaus Obholzer. Die Bewirtung übernimmt die Freiwillige Feuerwehr (FFW) Frasdorf.