Flintsbach – Der Markt der Möglichkeiten unter dem Motto „Gut für mich sorgen. Gut für andere sorgen.“ im Garten des Mehrgenerationenhauses ist kürzlich gut besucht gewesen. Zahlreiche pflegende Angehörige aus Flintsbach, Brannenburg und der Region haben die Gelegenheit genutzt, sich zu informieren und neue Impulse für den Pflegealltag zu erhalten.
Die Veranstaltung des Christlichen Sozialwerks Degerndorf-Brannenburg-Flintsbach (CSW) hat im Rahmen des Projekts „PAsst“ – Pflegende Angehörige in Flintsbach und Brannenburg gezielt stärken und unterstützen – stattgefunden, wissenschaftlich begleitet von der Technischen Hochschule Rosenheim.
Mit ihrem Eröffnungsvortrag „Wenn es mir gut geht, geht es auch dem Pflegebedürftigen gut“ setzte die Gerontologin und Pflegeexpertin Sabine Tschainer-Zangl einen wichtigen Akzent. Sie machte deutlich, dass gute Pflege nur gelingen kann, wenn pflegende Angehörige auch auf ihre eigene Gesundheit und ihre eigenen Bedürfnisse achten. Wer rechtzeitig Kraft schöpft und Unterstützung annimmt, kann die Herausforderungen des Pflegealltags besser bewältigen.
Gleich zu Beginn wurde deutlich, wie schnell Belastung in der häuslichen Pflege entstehen kann – oft lange bevor Betroffene sich selbst als pflegende Angehörige wahrnehmen. Ein zentraler Gedanke des Projekts „PAsst“ ist deshalb, Menschen einzubeziehen, die eigene Pflegeerfahrung mitbringen. Der Rat der ehrenamtlichen Berater wird häufig ohne Vorbehalte angenommen, weil er auf Augenhöhe stattfindet und konkrete Alltagserfahrungen vermittelt. Viele schildern Momente, in denen sie dachten: „Wenn ich das nur früher gewusst hätte.“ Genau an diesem Punkt setzt das Sozialwerk an und baut seine Angebote weiter aus. Die ehrenamtlichen Berater werden von der TH Rosenheim geschult.
Die Besucher nutzten anschließend die verschiedenen Mitmachangebote im Garten. Dazu gehörten kurze Yoga-Einheiten, Übungen aus „Bewegung trotz(t) Demenz“ sowie kinästhetische Impulse zur Mobilisation Pflegebedürftiger. Auch einfache kreative Aktivitäten wurden gezeigt, die sich im Alltag gut umsetzen lassen.
Ein Schwerpunkt lag auf der Beratung. Die Pflegeberater des CSW, der Pflegestützpunkt Rosenheim, das Amt für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten (AELF) und die Caritas-Fachstelle für pflegende Angehörige beantworteten Fragen zu Pflegeleistungen, Wohnformen, Ernährung und finanzieller Unterstützung. Zahlreiche Besucher suchten Unterstützung im Umgang mit herausfordernden Situationen, insbesondere bei Demenz. Zudem bot die Veranstaltung Gelegenheit, mit anderen pflegenden Angehörigen ins Gespräch zu kommen oder ehrenamtliche Begleiter kennenzulernen, die im Alltag entlasten können.
Die TH Rosenheim informierte über ein Projekt, das pflegende Angehörige dabei unterstützt, ein eigenes Sorgenetzwerk aufzubauen – verlässliche Kontakte, die im Notfall einspringen, um Versorgungslücken zu vermeiden, wenn die Pflegeperson plötzlich ausfällt. Die wissenschaftliche Begleitung verdeutlicht, wie eng Forschung und Praxis in der Region zusammenarbeiten, um pflegende Angehörige nachhaltig zu stärken. stv