Stephanskirchen/Prutting – Ab dem kommenden Schuljahr 2026/2027 greift der gesetzliche Anspruch für eine Ganztagsbetreuung. Zunächst für die Erstklässler. Bis 2029/2030 soll dieser auf den gesamten Grundschulbereich ausgeweitet werden. Zuständig für das Betreuungsangebot sind die Kommunen. In diesem Zusammenhang hat die Gemeinde Stephanskirchen in Zusammenarbeit mit der Gemeinde Prutting eine Ferienbetreuung auf den Weg gebracht.
Zusammenarbeit mit
Diakonie als Träger
Bei der jüngsten Sitzung des Haupt- und Finanzausschusses ging es um die abschließende Festlegung der Gemeinde Prutting als Kooperationspartner sowie den Vertragsabschluss mit einem Träger. Die Ausschussmitglieder sprachen sich in der Vorberatung einstimmig dafür aus, die Diakonie als Träger zu verpflichten, da diese bereits für die Mittagsbetreuung an beiden Stephanskirchener Schulen verantwortlich ist.
Bürgermeister Karl Mair (Parteifreie Bürger) erläuterte, dass inzwischen eine Zweckvereinbarung mit der Gemeinde Prutting von der Verwaltung ausgearbeitet worden sei. Darin geregelt seien unter anderem die Aufgaben und Pflichten der jeweiligen Kommune und Details zur Finanzierung – allem voran, wie ein etwaiges Defizit unter den Gemeinden aufgeteilt werden soll. „Es ist wie so oft. Der Bund beschließt etwas und wir sollen es zahlen“, sagte der Rathauschef.
Höhe des Elternbeitrags
wurde festgelegt
Wie setzt sich die Finanzierung zusammen? Die Diakonie kalkuliere, so Mair weiter, mit 4.000 Euro pro Betreuungswoche (40.000 Euro pro Jahr). Maximal zwölf Kinder dürfen eine Gruppe bilden. Bei mehr Anmeldungen müsse eine zweite Gruppe gebildet werden. Damit entstehen Kosten für die Gemeinde von rund 333 Euro pro Kind und Woche – inklusive Mittagessen. Der Elternbeitrag wurde von Haupt- und Finanzausschuss bei seiner letzten Sitzung im April auf 200 Euro pro Kind und Woche festgelegt. Der Betrag deckt neben der pädagogischen Betreuung auch die Kosten für Mittagessen, Ausflüge und Materialien ab. Das Defizit von mindestens 133 Euro (16.000 Euro pro Jahr bei zwölf Kindern) tragen die Gemeinden.
Stephanskirchen gehörte bislang zu den wenigen Kommunen, die bereits eine Ferienbetreuung angeboten haben. Es handle sich dabei um eine „freiwillige Leistung der Gemeinde“. Dieses Angebot muss nun strukturell angepasst werden, sagt Gemeindesprecherin Regine Falk auf Nachfrage. Bislang kostete die Ferienbetreuung (bis 16 Uhr) 6,50 Euro pro Tag – neben den monatlichen Gebühren für die Mittagsbetreuung (84 Euro bei maximaler Buchungszeit von fünf Tagen bis 16 Uhr). „Dieses Angebot war an die Mittagsbetreuung gekoppelt, sodass die Ferienbetreuung ausschließlich Kindern mit einem entsprechenden Betreuungsplatz offenstand“, so Falk.
Obwohl die Ferienbetreuung nach dem Ganztagsförderungsgesetz (GaFöG) rechtlich vorerst nur für die Schüler der ersten Klassen vorgesehen ist, können in Stephanskirchen weiterhin auch Kinder der Jahrgangsstufen 2 bis 4 die Ferienbetreuung nutzen. Allerdings müssen die Eltern dafür wesentlich tiefer in die Tasche greifen: „Die Ferienbetreuung nach dem GaFöG sieht deutlich mehr Betreuungstage vor als bisher. Somit ist mehr Personal erforderlich, was Auswirkungen auf die Kosten hat“, resümiert Falk.
Auch für die Gemeinden ist die gesetzliche Ferienbetreuung ein Minusgeschäft. Neben dem einkalkulierten Defizit von 133 Euro, kann dieses weiter wachsen und den kommunalen Haushalt belasten. Denn sinkt die Buchungszahl beziehungsweise wird eine weitere Gruppe nötig, die dann aber nicht voll ausgelastet wird, erhöht sich der kommunale Anteil entsprechend. Das Defizit soll dann entsprechend aufgeteilt werden. Aktuell verteile sich dieser zu 24 Prozent auf die Gemeinde Prutting, 76 Prozent auf die Gemeinde Stephanskirchen.
Auch andere Gemeinden haben sich für das Angebot einer Ferienbetreuung zusammengeschlossen: So bilden die Inntal-Gemeinden Raubling, Flintsbach, Nußdorf sowie Neubeuern einen Verbund. Die Kosten belaufen sich wie in Stephanskirchen auf 200 Euro pro Woche pro Kind. In Schechen müssen die Eltern tiefer in die Tasche greifen. Dort werden bis zu 300 Euro pro Woche pro Kind fällig. Eine Kooperation mit der Gemeinde Großkarolinenfeld ist in Arbeit.
Janna Miller (Grüne) erkundigte sich nach dem Bedarf. Monika Hotter, Sachbearbeiterin für den Bereich Schulen im Stephanskirchener Rathaus, erklärte, dass sie zuvor alle Erstklass-Eltern abgefragt habe, um einen Überblick zu erhalten.
Mögliche Unterstützung
durch Stiftungsgelder
Miller wandte daraufhin ein, dass auch Kinder, die außerhalb der Gemeinde beschult werden, etwa an einer Montessori- oder Waldorfschule, oder Kinder mit Förderbedarf, ebenfalls einen Anspruch auf die Ferienbetreuung der Gemeinde haben. Da es sich um ein neues Angebot handle, müsse man zunächst sehen, wie sich das entwickle und wie viele Familien sich melden, so Hotter.
Herbert Bauer (Parteifreie Bürger) wollte wissen: „Was, wenn sich die Eltern das nicht leisten können?“ Bürgermeister Karl Mair (Parteifreie Bürger) erklärte, dass dies bei den bisherigen Anmeldungen nicht der Fall sei. Sollten einzelne Familien von dieser Thematik betroffen sein, bestehe die Möglichkeit der Unterstützung durch Stiftungsgelder der Gemeinde.