Visionen auf der Priener Hütte

von Redaktion

Mit einem weiten Ausblick in die Zukunft ist in Aschau im Chiemgau das 35-jährige Bestehen des Naturschutzgebietes Geigelstein gefeiert worden. Auf der Priener Hütte diskutierten die Beteiligten über Klimaschutz, Mobilität und kommende Herausforderungen.

Aschau im Chiemgau – Kein Ausblick auf den wolkenverhangenen Kaiser, dafür in der Priener Hütte umso mehr Ausblick. 35 Jahre Naturschutzgebiet Geigelstein wurden mit vielen Gästen gewürdigt. Moderator Georg Antretter aus Innerwald hatte als Devise ausgegeben: Mehr Aus- als Rückblick. Schließlich habe man im Januar dieses Jahres ausgiebig über den „langen Weg von der Skischaukel zum Bergsteigerdorf“ geredet. Nun solle es um die Rolle der Sektion Prien des Deutschen Alpenvereins (DAV) und der Priener Hütte im Naturschutzgebiet Geigelstein gehen.

DAV sieht das Jubiläum
als Anlass zur Freude

Sind 35 Jahre Naturschutzgebiet Anlass zur Freude? Das fragte Antretter Sepp Buchner, den Vorsitzenden der Priener DAV-Sektion, und dessen Vor-Vorgänger Sepp Feuersteiner, was beide ausdrücklich bejahten. Seit knapp 100 Jahren gibt es im Geigelstein-Gebiet die Priener Hütte. Um- und Anbau erfolgten in den 60er-Jahren, mittlerweile ist sie quasi autark – dank Blockheizkraftwerk, Rapsdiesel und Photovoltaikanlage. Carla Steffens und Christian Jais, Klimaschutzkoordinatoren der DAV-Sektion Prien, verwiesen auf die stabil gebliebene Emissionsbilanzierung 2024 gegenüber 2022.

Der Wegeerhalt sei ihre Verantwortung, meinte Feuersteiner, aber Starkregen und Erosion setzten den Wegen zu, fügte Buchner hinzu. Früher habe es Patenschaften gegeben und die DAV-Jugend habe sich beim Wegebau engagiert. Da müsse man wieder ansetzen. Er erinnerte an den Besuch des Bundespräsidenten Frank-Walter Steinmeier im Mai. Dieser habe auf die Bedeutung des Ehrenamtes hingewiesen und selbst beim Wegebau mit angepackt.

Von einem Bildungsauftrag sprach auch Hüttenwirtin Rosa Lohrmann: „Wir sind Teil des Naturschutzgebietes und identifizieren uns damit.“ Zahlreiche Schulklassen und Familien heiße man auf der Hütte willkommen. Birgit Lieser, seit vielen Jahren Naturschutzreferentin der DAV-Sektion Prien, sprach davon, dass man stolz auf 35 Jahre Naturschutzgebiet sein könne. Der DAV sei „einer der größten Naturschutzvereine“, wolle aber auch den Bergsport fördern. Das Naturschutzgebiet weiter als solches zu erhalten, gehe nur im guten Miteinander aller Beteiligten: „Bergsport ja, aber nicht um jeden Preis.“

Die Nachfrage der OVB-Reporterin, ob es Achental-Ranger braucht (in einem gerade gestarteten Pilotprojekt sollen diese zwischen Naturschutz, Almwirtschaft und Tourismus vermitteln, Anm. d. Red.), konnte nicht fundiert beantwortet werden: Diesbezüglich habe es bislang so gut wie keine Informationen gegeben, merkten sowohl Buchner für die DAV-Sektion Prien als auch Georg Antretter, der auch im Arbeitskreis Bergsteigerdorf Sachrang wirkt, an. Dabei, so war bei allen Redebeiträgen deutlich geworden, sei Kommunikation das A und O, ob im persönlichen Gespräch oder über Social Media.

Genauso wichtig sei das Netzwerken. Denn das Naturschutzgebiet Geigelstein umfasst nicht nur die Gemeinden Aschau und Schleching, also die beiden Landkreise Rosenheim und Traunstein, sondern auch Tirol.

Auch der Öffentliche Personennahverkehr müsse weiter ausgebaut werden, weil gelebter Naturschutz schon mit der Anreise anfange. Ein „Mitfahrbankerl“ sei ein guter Start, aber beileibe nicht ausreichend. Ob Ringlinie, ein Rufbussystem oder eine bessere Anbindung über den Münchner Verkehrs- und Tarifverbund (MVV) – man müsse da entschlossener auftreten, es brauche mehr Druck, so die einhellige Meinung.

Weitere Anregungen waren, dass es von DAV-Seite noch mehr Angebote in Richtung regionaler Touren oder bei längerer Anreise für längere Touren brauche, und dass man beim Wasser und Abwasser noch nachhaltiger werden müsse.

„Wir sind eine kleine Sektion“, betonte Buchner. Umso mehr freue es ihn, dass man mit den Hüttenbetreibern und regionalen Partnern gut und nachhaltig zusammenarbeite, dass man eine gute Emissionsbilanz vorweisen könne und dass man als Verein so gut miteinander könne.

Dank für 35 Jahre Naturschutzgebiet gab es nicht nur mit vielen Worten, sondern auch musikalisch von Paul Pertl und in Form einer Torte: Der Geigelstein mit Breitenstein, den Almen und der Priener Hütte. Gebacken wurde diese von Rosalie, einem Mitglied der DAV-Sektion Prien und angehenden Konditormeisterin. Wahre Liebe geht eben nicht nur auf und in die Berge, sondern auch durch den Magen.

Die Entwicklung zum
Naturschutzgebiet

Der 1.808 Meter hohe Geigelstein ist auch als „Blumenberg des Chiemgaus“ bekannt. Für die Bewahrung der Vielfalt wurde hart gekämpft. Schon 1962 schlug der DAV vor, zehn Regionen der Bayerischen Alpen, darunter das Geigelsteingebiet, unter Naturschutz zu stellen. Im Jahr 1974 gründete sich die Bürgerinitiative „Rettet den Geigelstein“, die sich engagiert gegen die Erschließung des Gipfels durch Bergbahnen und für den Schutz vieler bedrohter Tier- und Pflanzenarten aussprach. Zentrales Argument der Gegner der geplanten Skischaukel war die einzigartige Flora und Fauna am Geigelstein. Nach mehreren Raumordnungsverfahren scheiterte das Skigebiet endgültig in den 1980er-Jahren. Eine Fläche von 3.135 Hektar rund um den Geigelstein wurde am 1. Juni 1991 als Naturschutzgebiet ausgewiesen.

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