Bokashi – wenn aus Abfall Dünger wird

von Redaktion

Annerose und Linda Fischer aus Stephanskirchen haben ihren Garten mit einer besonderen Methode belebt. Sie nutzten dafür Bokashi, einen natürlichen Dünger aus fermentierten Küchenabfällen. Das japanische Verfahren soll das Bodenleben aktivieren und für ein gesundes Pflanzenwachstum sorgen.

Stephanskirchen – Die Blumen blühen, Insekten fliegen durch den Garten und das Gemüse im Hochbeet sprießt. Vor dem Firmensitz von „EM-Chiemgau“ in Stephanskirchen wachsen sämtliche Pflanzen – von Kohlrabi bis Montbretie. Ein Grund für das üppige Wachstum könnte sein, dass Annerose und Linda Fischer den Garten mit Bokashi düngen. Diese Methode, wie auch der Name, stammt aus Japan. Es heißt so viel wie „fermentiertes Material“. Denn bei Bokashi sammelt man seine Abfälle, lässt sie fermentieren und verwendet sie anschließend als Dünger.

Das bewirken
Mikroorganismen

Damit die Fermentierung aber auch funktioniert, braucht es EM, effektive Mikroorganismen. Das ist eine Mischung aus Hefen, Milchsäurebakterien und Fotosynthesebakterien. Und diese Mischungen stellen sie beim Familienunternehmen EM-Chiemgau her. Annerose und Linda Fischer sind Teil der Geschäftsleitung. „Mein Mann war vor einigen Jahren auf einer Reise in Thailand und hat dort Bokashi kennengelernt“, sagt Annerose Fischer. 1994 gründete sie mit ihrem Mann schließlich den Betrieb. „Seit über 30 Jahren arbeiten wir mit effektiven Mikroorganismen. Mit ihnen kann man tolle Sachen machen“, sagt sie. So auch Bokashi.

Bei EM-Chiemgau betreiben sie Küchen-Bokashi. „Dafür werden in den Küchen die Essensabfälle gesammelt“, sagt Linda Fischer, Anneroses Tochter. Bokashi gehört für die 29-Jährige schon immer dazu. Bereits als Kind habe sie das Konzept angewendet. „Dafür nutzt man einen Bokashi-Eimer“, erklärt Linda Fischer. Der Eimer ist luftdicht verschließbar. Das sei wichtig, da die Abfälle sonst nicht fermentieren, sondern gammeln.

Außerdem verfügt der Eimer über ein Sieb, da sich ein Saft bildet. „Der ist extrem wertvoll an Inhaltsstoffen“, sagt Annerose Fischer. Durch einen Hahn kann man die Flüssigkeit regelmäßig ablassen, etwa in eine Glasflasche. „Man kann ihn als Flüssigdünger oder Abflussreiniger nach Bedarf verwenden“, sagt die 60-Jährige. Er sei lange haltbar und „flüssiges Gold“.

Doch der Hauptbestandteil von Bokashi sind die fermentierten Abfälle. „Man kann alles hineintun: Gemüseabfälle, Eierschalen und auch Kaffeesatz. Aber wir empfehlen wenig Fleischreste“, sagt Linda Fischer. Auch Gekochtes darf rein. Nur Abfälle, die schimmeln, sind nicht geeignet. „Das Ganze gibt man in den Eimer und sprüht es dann mit den Mikroorganismen ein“, erklärt Annerose Fischer. Sie verwendet eine Mischung aus regenerativen Mikroorganismen. „Da sind viele Milchsäurebakterien drin“, sagt die 60-Jährige. Dadurch würde sich der pH-Wert im Eimer schnell senken und die Abfälle zum Fermentieren bringen.

Anschließend drückt sie das Ganze im Eimer an und gibt ein wenig Pflanzenkohle dazu. „Das speichert später gut die Feuchtigkeit im Boden“, sagt Linda Fischer. Diesen kompletten Prozess wiederholt man etwa täglich, bis der Eimer voll ist. „Dann braucht es ungefähr 14 Tage bei Zimmertemperatur und man kann es in den Garten ausbringen“, sagt Annerose Fischer. Bei dem Fermentationsvorgang im Bokashi-Eimer entstünden Vitamine, Enzyme, Antioxidantien und sekundäre Pflanzenstoffe, die das „Bodenleben wieder in Schwung bringen“.

Das fertige Bokashi riecht leicht säuerlich, sagt Annerose Fischer. Und auch von weißen Stellen solle man sich nicht irritieren lassen. „Das sind Kahmhefen, die gehören zu diesem Prozess dazu“, erklärt die 60-Jährige. Schimmel hingegen habe eine dunkle Farbe, etwa grau, grün, blau oder schwarz – und er ziehe Fäden. Er ist beim Fermentierungsprozess nicht erwünscht. „Man erkennt beim fertigen Bokashi immer noch die Struktur. Eine Eierschale ist immer noch eine Eierschale. Ein Salatblatt ist nur leicht angewelkt“, sagt Annerose Fischer.

Diese „Abfälle“ kommen jetzt zurück in den Garten, in den Balkonkasten oder auch ins Hochbeet. „Die Lebewesen im Boden stürzen sich darauf. Das Vorfermentierte ist ein Leckerbissen, und nur wenn das Bodenleben aktiv ist, kann der Boden gesund und fruchtbar sein“, erklärt Linda Fischer.

Mit Kaffeesatz bleiben
auch die Mäuse weg

Um das Bokashi in die Erde einzuarbeiten, gibt es zwei Methoden: direkt in die Erde oder mit der Tontopf-Methode. „Für Ersteres macht man am besten Gräben: etwa 15 bis 20 Zentimeter tief“, sagt Annerose Fischer. Hinein kommt das Bokashi und wird anschließend mit Erde bedeckt. Diese Schicht sollte allerdings nicht zu dünn sein, damit keine Vögel und Mäuse angelockt werden. „Viele Bokashi-Anwender streuen noch ein bisschen Kaffeesatz darüber, dann hat man damit gar keine Probleme“, sagt Linda Fischer. Bei der Tontopf-Methode hat man das Problem auch nicht. „Man nimmt sich einen unglasierten Tontopf und legt unten ein Stück Zeitungspapier rein“, erklärt Annerose Fischer. Anschließend befüllt man ihn komplett mit Bokashi. Zuletzt stürzt man ihn um, mit der offenen Seite in das Beet.

„So kommt das Bodenlebewesen an das Bokashi“, sagt die 60-Jährige. Diese Methode lohne sich vor allem bei Gemüse, da so keine Gefahr besteht, Wurzeln zu verletzen.

Schnecken locke Bokashi nicht an. „Die Schnecken sind so etwas wie die Müllabfuhr vom Garten. Sie vertilgen alles, was fault“, sagt Annerose Fischer. Da Bokashi allerdings fermentiert ist und nicht fault, zieht es die Schnecken nicht an.

Wer regelmäßig Bokashi im eigenen Garten ausbringt, könne sogar damit rechnen, weniger Schnecken zu haben – und stattdessen einen vitalen Boden, der die Pflanzen beim Wachsen unterstützt.

Das haben auch schon die Kinder im Waldkindergarten in Eiselfing lernen dürfen. Im Rahmen eines Projekts hat Bokashi Einzug in den Kindergarten gehalten, erzählt Kerstin Fahn dem OVB. Sie leitet den Waldkindergarten. „Die Kinder haben gelernt, wie in der Natur Blätter und Pflanzenreste von Tieren und Mikroorganismen wieder zu Erde und Dünger für die bestehenden Pflanzen verarbeitet werden“, erklärt Fahn. Bokashi blieb. „Wir nutzen unsere Bokashi-Eimer, um unsere Gemüse- und Obstpflanzen im Kindergarten damit zu versorgen.“

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