Boutique-Hotel statt Bahnhofswirtschaft

von Redaktion

Auf dem Gelände der ehemaligen Aschauer Bahnhofswirtschaft soll ein neues Boutique-Hotel entstehen. Der Gemeinderat beschloss einstimmig die Aufstellung des Bebauungsplanes für das Vorhaben, das auch eine öffentliche Gastwirtschaft und einen Biergarten umfasst.

Aschau im Chiemgau – „Agrad geht man mit der Gewissheit, dass man richtig ist“, waren die Worte von Carolin und Werner Heinrichsberger, als sie mit den Agrad Chalets einen besonderen Rückzugsort für den Chiemgau schufen. Gemeinsam mit den Brüderl-Architekten aus Traunreut verwirklichten sie in Innerkoy ihr Herzensprojekt Chaletdorf.

Investoren und Betreiber
stellen Projekt vor

Nun ist aus der Leidenschaft für Gastfreundschaft, regionale Identität und nachhaltiges Bauen eine neue Vision entstanden. In Aschau im Chiemgau soll ein Agrad Boutique-Hotel entstehen. Die Pläne wurden in der jüngsten Gemeinderatssitzung präsentiert. Und so erlebten die Gemeinderäte kurz vor der Sommerpause genau diesen „Agrad-Moment, in dem einfach alles stimmt“.

Dieses Mal kamen Schorsch und Benedikt Brüderl nicht nur als Architekten nach Aschau, sondern auch als Investoren. Werner Heinrichsberger war als künftiger Betreiber von Hotel und Gastwirtschaft dabei. Gemeinsam wollen sie ein kleines, individuell gestaltetes und familiäres Boutique-Hotel in exponierter Lage schaffen.

„Die Kaufverhandlungen für das Grundstück an der Bahnhofstraße mit der ehemaligen Bahnhofswirtschaft sind abgeschlossen, der Notar-Termin steht“, informierte er. „Mit dem Hotel und einer Gastronomie für Einheimische und Besucher und mit einem Biergarten als neuem Begegnungsort wollen wir den Bereich um den Bahnhof beleben und neue Impulse für den Ort und den Tourismus schaffen.“

Brüderl berichtete von den Planungen in enger Abstimmung mit der Gemeinde und Kreisbaumeister Rupert Seeholzer: „Es war ein schöner Dialog, eine konstruktive Zusammenarbeit.“ Dazu habe auch gehört, dass Alois Juraschek, einstiger Kreisbaumeister und heutiger Berater der Gemeinde, mit dem Brotzeitmesser die Architekturmodelle so lange beschnitten habe, bis die Gebäude „agrad“ richtig waren.

Das Ergebnis präsentierte Brüderl gemeinsam mit seinem Sohn Benedikt dem Gemeinderat. Der Hotelkomplex besteht aus zwei Baukörpern und einem verbindenden Querbau. Mit traditionellen Elementen und viel Holz soll sich das Ensemble harmonisch ins Ortsbild einfügen, regionale Handwerkskunst und natürliche Materialien verbinden.

Die Gestaltung des neuen Hauptgebäudes lehnt sich an die Bahnhofswirtschaft an. Eine zweiflügelige, massive Eingangstür aus Holz wird in die Wirtschaft im Erdgeschoss führen. 43 Hotelzimmer mit einer Größe von etwa 22 Quadratmetern und Loggia-Balkonen befinden sich im Obergeschoss und im Bettenhaus. Das Dachgeschoss des Hauptgebäudes wird von einer auffälligen Holzkonstruktion getragen. Dort ist ein Außenpool mit Blick in die Berge geplant.

„Unser Agrad-Boutique-Hotel soll für die Gäste bezahlbar sein“, erklärt Benedikt Brüderl. Angesprochen werden sollen damit unterschiedliche Zielgruppen – von Individualreisenden und Paaren über Familien bis hin zu Durchreisenden.

Der Bürgermeister
ist beeindruckt

„Wirklich beeindruckend“, reagierte Bürgermeister Simon Frank (Zukunft für Aschau) auf die Präsentation und lobte das Engagement der Familien Brüderl und Heinrichsberger: „Solch solide Anpacker kann man sich nur wünschen.“ In der Ortsmitte entstehe ein Schmuckstück, das den Tourismus in Aschau weiter aufwerten und die regionale Wertschöpfungskette stärken werde.

Zweiter Bürgermeister Michael Andrelang (CSU) würdigte die enge Zusammenarbeit von Investoren und Gemeinde, die zu „diesem tollen Projekt“ geführt habe. „Wir wünschen uns schon seit Langem ein weiteres Hotel für Aschau.“

Dritte Bürgermeisterin Monika Schmid (FWGA/Grüne/ABL) brachte einen großen Wunsch der Bevölkerung in die Runde: „In Aschau fehlt eine Sauna. Könnte man den Wellnessbereich zumindest in der Nachsaison für die Bevölkerung öffnen?“ Das sei in der Praxis eines Hotels sehr schwer umzusetzen, erläuterte Heinrichsberger und empfahl das Natur-Freischwimmbad an der Bernauer Straße als idealen Standort für eine Sauna.

Johanna Stegherr (FWGA/ Grüne/ABL) fragte nach der Zukunft der großen Eiche, einer der letzten alten Bäume an der Hauptstraße. Schorsch Brüderl erläuterte, dass der Baum erhalten werde. Um ihn zu schützen und den Abstand zu Wurzelwerk und Krone einzuhalten, werde der gesamte Baukörper nach hinten versetzt. Zudem werde der Baum während der Bauarbeiten eingezäunt.

Johanna Stegherr gab auch zu bedenken, dass ein beheizter Außenpool ständig Wärme an die Umgebung abgebe und daher nicht nachhaltig sei. Benedikt Brüderl erläuterte, dass die Wassertemperatur während der Nacht bewusst um einige Grad abgesenkt werde, um Energie zu sparen. Zudem sei eine Wärmeversorgung über zwei alternative Heizsysteme – Fernwärme und Wärmepumpe – vorgesehen.

Einstimmiges Ja für den
nächsten Schritt

Der Gemeinderat beschloss einstimmig die Aufstellung eines vorhabenbezogenen Bebauungsplanes. Damit beauftragt wurde das Frasdorfer Planungsbüro Wüstinger und Rickert. Die Kosten übernimmt der Vorhabenträger, sprich Brüderl-Architekten. Das wird in einem städtebaulichen Vertrag geregelt.

„Da schlägt das Touristikerherz auf Hochtouren“, sagt Herbert Reiter, Leiter der Tourist-Info Aschau und Sachrang. Mit ihren Erfahrungen als Gastgeber verbänden die Heinrichsbergers Tradition mit moderner Gastfreundschaft. „Das Konzept der Agrad Chalets findet nun mitten im Ort seine Fortsetzung. Das ist für Aschau im Chiemgau ein Ritterschlag.“

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