Stephanskirchen – Top eins der Tagesordnung des Gemeinderats Stephanskirchen: der Neubau eines Feuerwehrhauses in Gehering sowie die Anerkennung der Vorplanung und Kostenschätzung. Es wurde eine hitzige, feurige Debatte, auch mit emotionalen Wortbeiträgen, einem Geschäftsordnungsantrag, einer Sitzungsunterbrechung und einer internen Beratung. Für die Gemeinde ist dies, so Bürgermeister Karl Mair (Parteifreie Bürger), das finanziell aufwendigste Projekt, das gestemmt werden soll. Die vorliegende Kostenschätzung beläuft sich auf rund 9,7 Millionen Euro. Es ist ein Bauvorhaben, das die Gemeinde, die Verantwortlichen der Feuerwehr, den zurückliegenden Gemeinderat und auch die Bürgerschaft prägt. Bezüglich der Bauausführung prallen unterschiedliche Meinungen aufeinander, was sich wiederum auf die Kostenberechnung niederschlägt.
Wie berichtet, wurde in der Dezembersitzung des vergangenen Jahres dem erweiterten Planungsentwurf mit einer Kostensumme von 9,2 Millionen Euro zugestimmt. Nachfolgend gab es verschiedene Besprechungen und Abstimmungstermine. Gemeinsames Ziel waren Zweckmäßigkeit und Kosteneinsparung. Knackpunkte waren dabei die Waschhalle (circa 540.000 Euro) und der Übungsturm (circa 380.000 Euro). Dirk Kahlig informierte auch am Schaubild über die Veränderungen gegenüber dem ersten Planungsentwurf aus dem Dezember des vergangenen Jahres. Eine Vorplanung des Planungsbüros von Anfang Juni belief sich noch auf etwa 10,3 Millionen Euro.
Einsparpotenziale
und Detailplanungen
Wie bereits bei der Sitzung des Bau- und Planungsausschusses am 14. Juli 2026 in der Vorberatung dargelegt wurde, fand man Einsparpotenzial bei einer Reduzierung der Mannschaftsstärke von bisher angenommenen 80 Wehrkameraden auf nunmehr 70, was eine Verkleinerung des Schulungsraumes und des Umkleidebereichs ermöglichte. Der zweite Rettungsweg sollte wegfallen, dafür sind der Anbau einer Außentreppe, die Verkleinerung des Windfanges und eine reduzierte Photovoltaikanlage vorgesehen. Damit ergab sich die vorgelegte Bausumme von rund 9,7 Millionen Euro. Man baue für die Zukunft, der Einsatzumfang werde schwieriger und weitreichender, das Ehrenamt solle gestärkt werden und die Jugend solle sich eingebunden fühlen. Positiv bewertet wurde ein gelungener Funktionsbau.
Die Diskussion weitete sich dann auch auf Ausführungen wie den Bau einer Zisterne aus, um das gesammelte Regenwasser für Übungszwecke zu nutzen, statt wertvolles Leitungswasser zu verwenden. Bemängelt wurde zudem eine mögliche Unfallgefahr bei den Ausfahrten, wenn Einsatzfahrzeuge und anfahrende Wehrmänner aufeinandertreffen. Veränderungen könnten verwirklicht werden, wenn die Straße in Gemeindebesitz überginge und man damit bestimmen könnte. Dies sei derzeit jedoch nicht möglich, so Bürgermeister Karl Mair. Alles hänge an der Fertigstellung der „Kraglinger Spange“.
Die Kostensteigerung des Gesamtprojektes prägte die Diskussion. In diese waren auch der bereits getätigte Grunderwerb einbezogen sowie, so Bürgermeister Karl Mair, Einflüsse, die nicht behoben werden könnten, wie Baupreissteigerungen, verursacht durch geopolitische Vorgaben. Auch ein früherer Baubeginn hätte Kosten eingespart, auch im Wissen, dass manche Planungsvorgaben oft nicht eingehalten werden können.
Feuerwehr plädiert für
Waschhalle und Turm
Christian Holewa und Philip von Uckermann, die Vertreter der Feuerwehr, die am Ratstisch saßen, plädierten für die vorgelegte Planung mit Waschhalle (Bisher fahren alle drei Feuerwehren der Gemeinde zum Bauhof zum Waschen und Betanken der Fahrzeuge, Anm. d. Red) und Übungsturm. „Wir brauchen den Turm zum Arbeitsablauf, zu Übungszwecken, wenn es gilt, die Höhenrettung zu erlernen.“ Der Turm werde auch die Sirenenanlage sowie die Funkeinrichtungen beinhalten. Beschwörend wurde bekundet, dass auch den Kollegen der beiden anderen Feuerwehren im Gemeindegebiet die Möglichkeit der Mitnutzung der Waschhalle und auch des Übungsturmes freistehe. Der Übungsturm könnte auch Nachbarwehren aus anderen Gemeinden dienen.
Das Projekt sollte nicht scheitern, das war zu erkennen. Über allem lag jedoch die Last der Kosten, im Wissen, dass es dabei um Steuergelder geht. Gemeinderat Beck stellte den Geschäftsordnungsantrag, gesondert über die Punkte Waschhalle und Übungsturm abzustimmen. Einige Anmerkungen aus dem Gremium folgten, woraufhin er seinen Antrag zurückzog. Bürgermeister Karl Mair unterbrach daraufhin die Sitzung, was eine Aussprache der Fraktionssprecher nach sich zog.
In der Fortführung wurde der Antrag von Gemeinderat Beck mit neun zu 15 Stimmen abgelehnt und die Tagesordnung in ihrer ursprünglichen Form aufrechterhalten. Bei drei Gegenstimmen und 21 Ja-Stimmen wurde dem Antrag schließlich die Zustimmung erteilt. Mair erklärte abschließend: „Dort, wo es um Fördergelder und Richtlinien geht, wird sich die Gemeinde an die Vorgaben halten, da gibt es keinen Spielraum.“
Ehrenamtliche Eigenleistungen werden sicher manchen Euro einsparen können. Dieses Angebot wurde auch von den Feuerwehrmännern bekräftigt, mit dem Verweis, dass man auch in der Vergangenheit hier Mithilfe geleistet habe. Zuwendungen des Freistaates erfolgen nach festgelegten Richtlinien. Derzeit könne von einem Förderbetrag von 950.000 Euro ausgegangen werden.
Die Ausführung des Projektes wird den Gemeindehaushalt auch in den Folgejahren belasten.