Kiefersfelden – „Wasserkraft – BauSteineErden“: Wohl selten hat eine Ausstellung im Kieferer Indusriemuseum Blaahaus künstlerisch-authentisch die industrielle Vergangenheit des Grenzdorfs so betont. Die in München geborene Künstlerin Stefania Peter lebt und arbeitet heute in Riedering am Simssee. Ihr künstlerisches Interesse wecken nicht idyllische Landschaften, sondern die jahrhundertealten Industriebauten mit ihrem geschichtlichen und sozialen Hintergrund.
„Diese industriegeschichtlichen Denkmäler möchte ich mit meinen Darstellungen im Bewusstsein der Menschen verankern“, so die studierte Architektin. Bei ihren Recherchen dazu „spielen Bücher, Zeitungen, Atlanten und eigene Besichtigungen eine zentrale Rolle“, die sie „inspirieren und motivieren“. Zumeist vor Ort werden die Objekte auf Papier skizziert, und in ihrem Studio erfolgt dann die Realisierung ihrer Vorstellungen, die sich immer an die tatsächlichen Gegebenheiten hält.
Nicht nur für Bürgermeister Hajo Gruber ist die Künstlerin von „großem Interesse, die mit ihrer Ausstellung, auch thematisch abgestimmt auf Kiefersfelden, genau in dieses Museum passt“.
Er bezeichnete sie bei der Vernissage am vergangenen Wochenende als „hochbegabte und künstlerische Architektin, die jetzt unsere Gegend mit ihren sehr interessanten Themen bereichert“. In zwei Räumen des Industriemuseums sind ihre Arbeiten aus den Werkreihen „Wasserkraft“ und „BauSteineErden“ ausgestellt, und schon beim ersten Rundgang kann sich niemand der Nähe der Zeichnungen und Bilder zur realen Umwelt im Industriemuseum entziehen. „BauSteineErden“ – die Nähe zur ehemaligen Gewerkschaft „Bau-Steine-Erden“ (heute: „Industriegewerkschaft Bauen-Agrar-Umwelt (IG BAU)“) ist von ihr gewollt und bezeichnend, dokumentiert sie doch darin historische Bauten in Bayern, die der Gewinnung und Verarbeitung von Rohstoffen und Baumaterialien wie Kies- oder Zementwerken, Kalköfen, Ziegeleien und Sägemühlen dienten und die heute so nicht mehr oder nur noch in Fragmenten zu erkennen sind.
Die kolorierten Federzeichnungen bei „Wasserkraft“ sind ganz nahe an der industriellen Geschichte Kiefersfeldens und bilden im zweiten Raum den Schwerpunkt. Die künstlerisch dargestellten technisch-baulichen Interventionen wie Schleusenanlagen, Wehre, Kanäle, Flüsse, Mühlen und Kraftwerke thematisieren die aktuelle Lage sowie den Verfall historischer Bausubstanz, und sie sichern Spuren früherer Lebens- und Arbeitswelten. Sie zeigen aber auch das Spannungsverhältnis zwischen den wasserbaulich-technischen Einrichtungen und der sie umgebenden Topografie und Landschaft auf.
Die vielen Besucher im Blaahaus, die schon bei der Eröffnung ihr Interesse an Kunst und Künstlerin bekundeten, wurden nicht enttäuscht, sahen sie doch außergewöhnliche Werke, ganz nah an Realität und Gegensatz und doch künstlerisch hochinteressant. Die Ausstellung „Wasserkraft – BauSteineErden“ ist noch bis zum 30. August im Kieferer Industriemuseum Blaahaus jeweils donnerstags und sonntags von 14 bis 17 Uhr zu sehen. Der Eintritt ist frei. hko