Der Tod kam mit fast 98 Jahren: Trauer um Elisabeth Kahn

von Redaktion

Pittenhart nimmt Abschied von geschätzter Mitbürgerin – Von Tatkraft geprägtes Leben

Pittenhart – Eine große Trauergemeinde hat vergangene Woche von Elisabeth Kahn Abschied genommen. Sie ist am 1. Juli im Alter von 97 Jahren verstorben – nur ein paar Tage vor ihrem Geburtstag. Pfarrer David Mehlich hatte zu ihrem 98. Geburtstag bereits das Glückwunschschreiben verfasst, das Diakon Wolfgang Mösmang eingangs der Trauerfeier in der Pittenharter Kirche der Trauergemeinde vorlas und der Verstorbenen mit ins Grab gab.

Mösmang drückte es eingangs seines Rückblicks auf das Leben von Elisabeth Kahn so aus: „Wenn ein Mensch stirbt, so heißt es, stirbt mit ihm eine Bibliothek – wie groß muss diese Bibliothek wohl sein, wenn ein Mensch 98 Jahre alt wird?“

Als Elisabeth Peter wurde sie im Münchner Stadtteil Lehel geboren. Gerne erzählte sie von ihrer schönen Kindheit. Nach der Grundschule im Lehel besuchte Elisabeth die Handelsschule in München. Während der Kriegszeiten war es kein Leichtes, Schule und Ausbildung zu absolvieren, aber für das ehrgeizige Stadtmädel war es eine Selbstverständlichkeit, diesen Weg zu gehen. Nach der abgeschlossenen Ausbildung arbeitete sie als Sekretärin.

Ihren Mann Kurt Kahn heiratete sie 1949. In der Ehe wurden zwei Kinder geboren: Sohn Herbert im Jahr 1950 und Tochter Brigitte im Jahr 1953.

Bis zum Umzug nach Pittenhart 1965 lebte die Familie in München und betrieb dort ein Sportmoden-Unternehmen. Neben Familie und Haushalt gehörte die Arbeit in der Firma zu ihrem Lebensinhalt. Mit dem Umzug nach Pittenhart verlegte die Firma Kahn die Produktion der Sportmoden auch in das kleine Dorf im Chiemgau. Viele Frauen, die bei der Firma Kahn arbeiteten, lernten sie als sehr freundliche und korrekte Chefin kennen.

Mitte der 1970er-Jahre trennten sich die Eheleute Kahn, und Elisabeth fand in einer Nachbargemeinde ein neues Zuhause. Erfüllung erfuhr sie bei ihrer Arbeit als Hausdame in der Rehaklinik St.Irmengard in Prien, wo sie bis zum Renteneintritt im Juli 1993 die gute Seele im Haus war. Mit Hans Engelbert lernte sie einen liebenden und fürsorglichen Lebensgefährten kennen, zu dem sie 1987 nach Pittenhart zog. Ihr Lebensgefährte starb 1993 kurz vor seinem 80. Geburtstag.

Alters- und gesundheitsbedingt zog Elisabeth Kahn 2012 zu ihrem Sohn Herbert und seiner Familie. Hier konnte sie ihr Leben weiterhin unbeschwert genießen. Als 2021 ihr Sohn starb, blieb sie bei ihrer Schwiegertochter im Haus, die sie auch in den vergangenen Jahren sehr liebevoll umsorgt und gepflegt hat.

Erinnert man sich an Elisabeth Kahn, so werden Bilder einer sehr rührigen, wohlwollenden und lebensfrohen Frau wach. Schon in früheren Zeiten hielten ihre Enkelkinder sie auf Trab, und für die Oma waren die gemeinsamen Unternehmungen eine wahre Freude. Mit den Enkeln wurden Ausflüge in die verschiedenen Märchenparks oder an den Chiemsee unternommen.

Solange sie es gesundheitlich konnte – und das war bis zu ihrem 90. Geburtstag –, gehörte das Autofahren zu ihren großen Leidenschaften. Als junge Frau hatte sie ihren Führerschein in München erworben und bewahrte mit Stolz immer noch den „grauen Lappen“ in der Tasche auf. Selbst im Alter ist sie oft und sehr gerne zu Verwandtschaftsbesuchen in den Bayerischen Wald gefahren.

In den vergangenen Jahren wurde der Kreis ihrer Verwandten und Freunde altersbedingt kleiner und die damit verbundenen Ausflüge seltener. Für sie selbst waren die letzten Jahre – geistig fit, aber geprägt von körperlichen Einschränkungen – immer mühsamer geworden. Fernsehen, Filme und Berichte über Orte und Länder anzuschauen, gehörte zu ihrem Alltag.

Zum Schluss der Trauerfeier ertönten von der Orgel die Klänge des Liedes „Segne du Maria, segne mich dein Kind, dass ich hier den Frieden, dort den Himmel find“, das Hans Bruckner anstimmte, bevor die Urne zur Familiengrabstätte getragen wurde. „Ein erfülltes Leben ist beendet“ – so heißt es auf ihrem Sterbebildchen. emk

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