Endlich wieder ein Wirtshaus für das Dorf

von Redaktion

Alois Anetsberger hat im März die Bürgermeisterwahl in Vogtareuth knapp gewonnen. Nach seinen ersten 100 Tagen im Amt zog der neue Rathauschef eine erste Bilanz. Er sprach über seine Pläne für die Gemeinde, direkte Bürgergespräche und die anstehenden Herausforderungen der Zukunft.

Vogtareuth – Vom Unternehmer zum Rathauschef: Seit dem 1. Mai sitzt er im Bürgermeisterzimmer und leitet die Geschäfte der Gemeinde Vogtareuth. Am 5. Mai wurden Alois Anetsberger und die neuen Gemeinderäte vereidigt. Im Gespräch mit dem OVB erklärt er, was ihn im Amt antreibt, weshalb er auf direkte Gespräche setzt und welche Vorhaben er möglichst schnell umsetzen möchte.

Herr Anetsberger, Sie haben die Bürgermeisterwahl im März knapp gewonnen. Haben Sie damals überhaupt mit einem Sieg gerechnet?

Nein. Ich bin eigentlich davon ausgegangen, dass ich gegen Hans Bürger-Schuster keine Chance habe. Er war seit Jahren Zweiter Bürgermeister und in allen Vereinen aktiv. Deshalb hat mich der Wahlausgang selbst überrascht. Ausschlaggebend war wahrscheinlich, dass ich drei Wochen lang von Haustür zu Haustür gegangen bin und die Menschen gefragt habe, was sie bewegt. Dabei wurden immer wieder dieselben Themen genannt: eine sichere Trinkwasserversorgung, Wohnraum und ein Wirtshaus. Politik beginnt nicht im Rathaus, sondern draußen bei den Leuten.

Gab es in den ersten 100 Tagen etwas, das Sie überrascht hat?

Überrascht hat mich eigentlich nichts. Ich war 25 Jahre Unternehmer und habe viele Krisen erlebt. Finanzkrise, Hochwasser, Corona, Ukrainekrieg. Was mir aber wichtig ist: Ich gehe Dinge anders an. Ich rede direkt mit den Menschen und versuche, Probleme selbst zu lösen, anstatt alles über Anwälte oder lange Verwaltungswege laufen zu lassen.

Warum ist Ihnen der direkte Austausch so wichtig?

Ich bin es halt gewohnt, mit den Behörden direkt zu reden und zwar ohne Anwalt. Hier hat man jahrelang den Weg über den Anwalt betrieben. Die Gemeinde hat dem Anwalt geschrieben, der Anwalt dem Landratsamt, dann ging der ganze Weg wieder zurück. Und alle haben sich gewundert, warum nichts vorwärtsgeht. Aber wenn ich einer Genehmigungsbehörde mit einem Anwalt drohe, dann machen die alles prozesssicher. Das ist natürlich ein riesiger Mehraufwand, als wenn man es im direkten Gespräch macht und sich direkt austauscht.

Wie ist denn der aktuelle Stand beim Brunnen Lochen?

Wir sind auf einem guten Weg und arbeiten an einer Lösung. Mehr möchte ich im Moment nicht sagen, weil die Gespräche noch laufen. Ich bin aber zuversichtlich, dass wir das Problem lösen können.

Die Gemeinde hat das Ertl-Anwesen im Zentrum Vogtareuths gekauft. Was haben Sie damit vor?

Seit Corona gibt es in Vogtareuth kein Wirtshaus mehr. Früher waren es sogar drei. Wenn ich heute Abend rausgehe, kann ich nirgends was essen oder trinken. Da muss ich nach Amerang, Wasserburg oder Rosenheim fahren. Ein Wirtshaus ist ein Ort der Begegnung. Deshalb haben wir den Ertlhof in meiner zweiten Amtswoche gekauft. Dort sollen langfristig Räume für Vereine entstehen, kombiniert mit einem Wirtshaus.

Welche weiteren Projekte haben für Sie Priorität?

Neben der Wasserversorgung steht die ärztliche Versorgung ganz oben auf der Liste. Außerdem brauchen wir Baugebiete für junge Familien und Gewerbeflächen für Handwerksbetriebe. Ein weiteres wichtiges Thema ist der Katastrophenschutz. Wir müssen auf Stromausfälle wie in Berlin vorbereitet sein. Da arbeiten wir gerade an einem Katastrophenschutzplan und geben den dann an die Haushalte aus.

Warum ist ein Katastrophenschutzkonzept so wichtig?

Wenn der Strom mehrere Tage ausfällt, funktioniert vieles nicht mehr. Der Supermarkt ist dann wahrscheinlich zu oder wird zumindest nicht mehr beliefert. Das größte Thema ist dann also die Nahrungsmittelkette. Früher hatten wir die umliegende Landwirtschaft, einen Bäcker und einen Metzger. Einen Bäcker haben wir noch, aber keinen Metzger mehr. Die Haushalte sollten also Lebensmittel für mindestens eine Woche bevorraten.

Worauf sind Sie nach den ersten 100 Tagen besonders stolz?

Auf unsere Mitarbeiter im Rathaus und Bauhof. Das ist eine super Mannschaft, die eine tolle Leistung bringt. Und natürlich auf unsere Gemeinde. Vogtareuth ist eine der schönsten Gemeinden überhaupt. Ich mache diese Arbeit nicht mehr für mich, sondern für die nächste Generation. Dass auch sie sich hier wohlfühlt.

Artikel 1 von 11