Neue Bestattungskultur: Naturfriedhof im Priental

von Redaktion

Im Priental hat die Planung für einen neuen Naturfriedhof begonnen. Die Initiatoren haben ihr Konzept im Gemeinderat vorgestellt, der das Vorhaben einstimmig unterstützte. In dem Waldgebiet sollen künftig Urnenbestattungen unter Bäumen möglich sein.

Aschau im Chiemgau – Die Idee, in den Cramer-Klettschen Wäldern einen Naturfriedhof zu schaffen, nimmt Gestalt an. In der jüngsten Gemeinderatssitzung stellten Ludwig Freiherr von Cramer-Klett und Franz Freiherr von Rotenhan ihr gemeinsames Projekt vor. „Wer sich in der Natur wohlfühlt, kann sich gut vorstellen, im Wald am Fuße der Berge seine letzte Ruhe zu finden“, erläuterte Franz von Rotenhan. Der Wald spiegle mit dem Wechsel der Jahreszeiten auch das Kommen und Gehen des Lebens wider.

Natur pur statt
klassischem Friedhof

Rotenhan betreibt in Sachsen mehrere Waldfriedhöfe. Nun bringt er seine Erfahrungen auch im Priental ein. In den vergangenen Jahren habe der Gedanke, die Natur als letzte Ruhestätte zu wählen, immer mehr Anklang gefunden, informierte er. Etwa fünf bis zehn Prozent der Menschen würden sich eine Urnenbeisetzung im Naturwald wünschen.

„Wichtig ist, dass die Menschen den Naturfriedhof gut erreichen“, so von Rotenhan. Im Wald zwischen Einfang und Schoßrinn könnte ein geeignetes Waldstück ausgewiesen werden. Es ist öffentlich zugänglich, über zwei Zufahrten und gut begehbare Forstwege auch mit Handicap erreichbar. Geologisch und hydrologisch sei der Bereich schon geprüft worden. Dem Projekt stehe kein Schutzstatus entgegen.

Ein Bestattungswald unterscheide sich von klassischen Friedhöfen durch seinen naturnahen Charakter. „Man merkt nicht, dass man auf einem Friedhof ist, denn hier steht die Natur im Mittelpunkt“, erläuterte von Rotenhan. Bäume dienten als Grabstätten für Einzelpersonen oder Gemeinschaften, wie Familien oder Freundeskreise. Im Wald zwischen Einfang und Schoßrinn stünden Bäume verschiedener Arten und Altersklassen zur Auswahl. Bereits zu Lebzeiten könne ein Baum als Grabstätte reserviert werden.

Die letzte Ruhestätte sei ein Urnengrab im Wurzelbereich des ausgewählten Baumes. Die biologisch abbaubare Urne werde in mindestens 50 Zentimeter Tiefe beigesetzt und mit Walderde bedeckt, um sie vor Unwettern oder Tieren zu schützen.

„Die Bäume werden per GPS vermessen und digital kartiert“, erläuterte Rotenhan. So könne das Grab anhand der Baumnummer, die im Baumregister eingetragen und auf der Friedhofskarte verzeichnet ist, jederzeit leicht wiedergefunden werden. Am Baum selbst werde ein Schild mit Name sowie Geburts- und Sterbedatum angebracht.

„Ein Naturfriedhof ist ein eingetragener Friedhof nach der deutschen Friedhofsordnung“, informierte von Rotenhan. Deshalb müssten rechtliche Strukturen zwischen dem Eigentümer, der Gemeinde als Träger des Friedhofs und der gemeinnützigen Priental Stiftung als Betreiber geschaffen werden. Der Gemeinde oblägen hoheitliche Aufgaben wie Gebührenbescheide für Grabstätten und das Bestattungsverzeichnis. Rotenhan schätzte den Arbeitsaufwand auf einen halben Arbeitstag pro Monat. Die Reaktionen aus dem Gemeinderat waren positiv. Der Naturfriedhof sei ein überzeugendes Projekt und passe genau ins Priental. Auf Nachfrage erläuterte von Rotenhan, dass nicht zu jeder Grabstelle ein Zugang geschaffen werden solle, so wie es auf einem konventionellen Friedhof üblich ist. „Das wäre ein zu starker Eingriff in die Natur.“ Waldfriedhöfe würden von den Eigentümern und forstlichen Dienstleistern zwar gepflegt und bewirtschaftet. Die Pflege beschränke sich aber auf Naturschutz und Verkehrssicherung. Der Bereich solle bis auf Forst- und Rückewege naturbelassen bleiben. Für Menschen mit körperlichen Beeinträchtigungen könnten Bäume am Rande des Forstweges reserviert werden.

Der Naturfriedhof
soll allen offenstehen

Auch zur Religionszugehörigkeit und einer möglichen Bestatterbindung gab es Fragen. „Der Naturfriedhof soll allen Menschen offenstehen, unabhängig von ihrer Glaubensrichtung und Bestattungstradition“, sagte Ludwig von Cramer-Klett. Einzige Voraussetzung für eine Naturbestattung sei die Einäscherung des Verstorbenen, da in Waldgebieten, die als Friedhöfe dienen, nur Urnenbestattungen durchgeführt werden dürfen.

Für die Beisetzung können die Familien den Bestatter ihres Vertrauens beauftragen, so von Rotenhan. Dieser könne sich dann mit der Priental Stiftung als Betreiberin des Naturfriedhofs in Verbindung setzen, um die Abläufe zu besprechen.

Gemeinderat signalisiert
Zustimmung

Der Gemeinderat signalisierte einstimmig seine Unterstützung für das Projekt. Damit können die Initiatoren die Planungen weiter vorantreiben. Für die Umsetzung ist ein weiterer Beschluss des Gemeinderates erforderlich.

Wie Franz von Rotenhan informierte, wurde der erste Bestattungswald im Jahr 2001 in Kassel eröffnet. Inzwischen existierten in Deutschland rund 200 solcher Wälder, in Bayern etwa 20. In Oberbayern gebe es bisher nur sehr wenige Naturfriedhöfe. Einer davon befindet sich in Dietramszell im Landkreis Bad Tölz-Wolfratshausen. Ludwig von Cramer-Klett bot an, bei Interesse Führungen in der „Waldesruh“ zu vermitteln.

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