Die Raublinger Freien Wähler schickten Franziska Pfaffenhuber (Zweite von links) ins Rennen um das Amt des Bürgermeisters. Es gratulierten Landratskandidat Sepp Hofer (links), Landtagsmitglied Josef Lausch und Ortsvorsitzender Stephan Hemberger. Foto Ruprecht
Raubling – Als erste Frau an der Spitze der Raublinger Gemeinde ist Franziska Pfaffenhuber nun 100 Tage im Amt. Von der Assistenz der Geschäftsführung beim Küchenspezialisten Bora ging es für sie direkt an die höchste Stelle der Gemeindeverwaltung. Wie die Diplom-Betriebswirtin und zweifache Mutter mit ihrer neuen Aufgabe zurechtkommt, welche Herausforderungen auf sie warten und was sie in Raubling bewegen möchte, verrät sie im exklusiven OVB-Gespräch.
Wie geht es Ihnen nach 100 Tagen als Bürgermeisterin von Raubling?
Mir geht es gut und es macht mir sogar mehr Spaß als erwartet. Ich wurde hervorragend aufgenommen, egal ob vom Gemeinderat, den Bürgern oder der Verwaltung. Natürlich gibt es einige Herausforderungen. Aber ich denke, damit komme ich mit meinen Qualifikationen gut zurecht.
Welche Herausforderungen sind das genau?
Neben den laufenden Großprojekten, wie der Bahnunterführung und der Erweiterung der Michael-Ende-Schule, sowie unserem Dauerthema Verkehr, sind es zwei riesige Batzen – das Heinzel-Paper-Gelände und der Hochwasserschutz. Bei Ersterem sind wir in ständigem Austausch mit dem Eigentümer, der Heinzel Group, um das große Gelände in Zukunft wieder nutzen zu können. Es gibt verschiedene Vorschläge und Interessenten. Auch im Gemeinderat haben wir Ende Juni darüber schon gesprochen. Es geht hier schließlich um rund 185.000 Quadratmeter Fläche und die Möglichkeit, wieder mindestens 500 Arbeitsplätze zu schaffen.
Seit Ende 2024 ist die Papierfabrik geschlossen. 165 Mitarbeiter wurden entlassen. Was ist seitdem passiert?
Es stehen noch vereinzelte, kleine Maschinen auf dem Gelände. Die Größte wurde inzwischen abgebaut und nach Südamerika transportiert. Ansonsten ist das Gelände für niemanden zugänglich. Schließlich befindet es sich noch im Eigentum der Heinzel Group.
Gibt es mittlerweile konkrete Aussichten für die Nutzung?
Wir fahren gerade so ein wenig parallel. Wir erarbeiten die Raublinger Vorstellungen und Heinzel-Paper erarbeitet seine Vorstellungen. Wir versuchen dabei, die Wege zusammenzuführen. Die Gemeinde strebt selbstverständlich für alle Raublinger die bestmögliche Lösung an. Im Oktober ist, auch in Abstimmung mit Heinzel-Paper, eine Bürgerbeteiligung geplant. Wir hoffen da auch auf viele gute Ideen und Anregungen aus der Bevölkerung.
Als zweite Herausforderung haben Sie das Hochwasser angesprochen. Seit den Überschwemmungen im Juni 2024 ein Dauerthema in Raubling.
Absolut. Wir haben da eine Betroffenheit von nahezu 100 Prozent. Jeder hat es erlebt. Entweder hatte man selbst das Wasser im Haus, oder man kannte jemanden oder hat irgendwo mitgeholfen. Es ist ein Thema mit sehr vielen Meinungen und Vorschlägen, die wir alle berücksichtigen möchten. Zudem stehen wir im dauerhaften Austausch mit unserem neuen Planungsbüro und allen übergeordneten Behörden, um in Teilbereichen kleine Verbesserungen zu schaffen.
Es gab seit den Wassermassen immer wieder Diskussionen, Termine in den Filzen, verschobene oder nicht ausreichende Gutachten. Wie ist der aktuelle Stand?
Die Wiedervernässung der Moore durch die Bayerischen Staatsforsten ist aktuell gestoppt. Das Landratsamt Rosenheim hat nun ein Gutachten beauftragt, das klären soll, ob und wie Veränderungen und Optimierungsmaßnahmen möglich sind. Im Frühjahr 2027 soll es dazu eine Bürgerinformation geben. Zudem werden laufend die Bäche im Ort geräumt, um zusätzliches Volumen zu generieren.
Im Wahlprogramm war auch der Wohnraum in Raubling, speziell ein Fortschritt beim Bröcker-Areal, ein Thema. Hat sich dort bereits etwas getan?
Definitiv. Das Planungsbüro war vor vier Wochen da und hat sich nicht nur die Bröcker-Villa selbst, sondern auch alles drumherum angeschaut. Denn es geht um ein so zentrales Gebiet direkt neben dem Rathaus. Dabei wurde schon angedeutet, dass die Villa selbst abgerissen werden muss. Wir erarbeiten gerade einige gute Ideen, um eine lebendige Ortsmitte für Raubling zu schaffen. Das Konzept soll im Herbst 2026 fertiggestellt werden.
Wie haben Sie den Wechsel von Bora zu Ihrer neuen, zeitlich sehr fordernden Position geregelt bekommen?
Es funktioniert gut. Mein Mann arbeitet seit dem 1. Mai in Teilzeit. Für ihn ist das auch überhaupt kein Problem. Ganz im Gegenteil, er geht da voll darin auf, und das war auch von Anfang an so abgesprochen für den Fall, dass ich Bürgermeisterin werde. Das klappt alles ohne Probleme.
Bereitet Ihnen die neue Verantwortung manchmal schlaflose Nächte?
Nein, das nicht. Also es ist manchmal so, dass ich in der Früh aufwache, weil mir dann etwas einfällt. Aber das habe ich davor auch schon gehabt. Dann muss ich es mir nur aufschreiben oder ich schicke mir selbst eine E-Mail. Dann ist es wieder raus aus dem Kopf und ich schlafe weiter. Außerdem bin ich nicht alleine. Jeder ist ersetzbar und ich kann mich auf jeden aus der Verwaltung verlassen.
Korbinian Sautter