Ausbau der „Villa Kunterbunt“

von Redaktion

Der Ausbau der Ganztagsbetreuung stellt Aschau vor eine finanzielle Zerreißprobe. Die Gemeinde muss Fördermittel von rund1,38 Millionen Euro vorfinanzieren. Eigenanteil und Zinskosten summieren sich voraussichtlich auf über eine Million Euro. Dies schränkt den finanziellen Handlungsspielraum der Gemeinde in den kommenden Jahren stark ein.

Aschau – Ab September gilt der Rechtsanspruch auf Ganztagsbetreuung für Grundschulkinder – zunächst für die Erstklässler. Mit Hort- und Mittagsbetreuungsplätzen kann der Bedarf in der Gemeinde Aschau im Chiemgau erst einmal gedeckt werden. Dieser wächst aber mit jedem neuen Schuljahr, bis 2029 wird der Rechtsanspruch auf alle Grundschulklassen ausgeweitet. Die Gemeinde plant, das Dachgeschoss des Schul-Altbaus auszubauen und das bestehende Gebäude energetisch zu sanieren. So könnten in der „Villa Kunterbunt“ insgesamt 125 Plätze entstehen.

Fördermittel
vorfinanzieren

Im Januar 2026 wurden Fördermittel bei der Regierung von Oberbayern beantragt. Noch liegt keine Bewilligung vor. Dafür muss die Gemeinde jetzt im Rahmen des Förderverfahrens einen Finanzierungsplan vorlegen und nachweisen, dass sie nicht nur ihren Eigenanteil tragen kann, sondern auch in der Lage ist, die vollständige Vorfinanzierung zu stemmen.

In der jüngsten Gemeinderatssitzung machten Bürgermeister Simon Frank (ZfA) und Kämmerin Julia Oberhuber deutlich, welche finanziellen Auswirkungen das auf die Gemeinde haben wird. Nach dem derzeitigen Planungsstand belaufen sich die Gesamtkosten auf rund 1,93 Millionen Euro. Die voraussichtliche Förderung könnte sich auf knapp 1,38 Millionen Euro belaufen. Damit verbliebe für die Gemeinde ein Eigenanteil von voraussichtlich rund 546.000 Euro. Allerdings dürfte es bei dieser Summe nicht bleiben.

Erst wenn der Förderbescheid vorliegt, können die konkreten Planungen beginnen. Bis Ende 2029 muss die Maßnahme abgeschlossen und abgerechnet sein. Bis zum tatsächlichen Baustart muss die Gemeinde daher mit weiteren Baupreissteigerungen rechnen. Das gemeindliche Planungsteam beziffert die möglichen Mehrkosten auf rund 168.500 Euro.

Ein weiteres finanzielles Risiko besteht bei der Zahl der geförderten Hortplätze. Vorgesehen sind derzeit 125 Plätze. Sollte deren Zahl um 20 reduziert werden, würde die Förderung voraussichtlich um rund 120.000 Euro sinken. Auch dieses Risiko wurde bei der Kalkulation berücksichtigt.

Trotz der angespannten Haushaltslage muss die Gemeinde die Fördermittel in Höhe von rund 1,38 Millionen Euro zunächst vorfinanzieren. Da hierfür keine ausreichenden Rücklagen zur Verfügung stehen, ist die Aufnahme eines Kredits erforderlich. Die dadurch entstehenden Zinskosten von voraussichtlich rund 125.000 Euro muss die Gemeinde selbst tragen. Hinzu kommen Zinskosten von etwa 100.000 Euro für den Eigenanteil von 546.000 Euro, den die Gemeinde ebenfalls über einen Kredit finanzieren muss.

Unabhängig von möglichen weiteren Mehrkosten, die sich durch das Bauen im Bestand ergeben können, summiert sich die finanzielle Belastung für die Gemeinde voraussichtlich auf rund 835.000 Euro. Hinzu kommen Finanzierungskosten von etwa 225.000 Euro. Damit liegt die tatsächliche Belastung der Gemeinde deutlich über dem rechnerischen Eigenanteil und dürfte insgesamt mehr als eine Million Euro betragen.

„Die Maßnahme wird den finanziellen Handlungsspielraum unserer Gemeinde in den kommenden Jahren stark einschränken“, machte Kämmerin Julia Oberhuber deutlich. Andere Investitionen, insbesondere größere Infrastrukturmaßnahmen, müssten deshalb zeitlich verschoben werden oder könnten nur eingeschränkt umgesetzt werden. Zugleich seien Einsparungen im Verwaltungshaushalt oder zusätzliche Einnahmen erforderlich, um die dauerhafte finanzielle Leistungsfähigkeit der Gemeinde sicherzustellen.

Damit ist der Finanzierungsplan nicht nur ein formaler Bestandteil des Förderverfahrens, sondern wurde in der Ratssitzung zugleich zur Grundlage für eine haushaltswirtschaftliche Beurteilung der Maßnahme. Die Gemeinde müsse die entstehenden Kosten über drei Haushaltsjahre splitten, erklärte Bürgermeister Simon Frank. Er sieht einen Baustart im Herbst 2027 als realistisch an.

Spielraum der Gemeinde stark eingeschränkt

„Es ist eine Pflichtaufgabe“, verdeutlichte Sven Herrmann (CSU), dass es für die Gemeinde zu dem Projekt keine wirkliche Alternative gibt. Hintergrund ist der vom Bundestag beschlossene Rechtsanspruch auf Ganztagsbetreuung für Grundschulkinder. Angesichts der hohen Kosten äußerte auch der Wirtschaftsreferent Bedenken und schlug vor, bereits jetzt entsprechende Rücklagen zu bilden. Kämmerin Julia Oberhuber machte jedoch deutlich, dass dies angesichts der angespannten Haushaltslage davon abhänge, „wie gut das Jahr läuft“. Der Gemeinderat stimmte dem Vorhaben einstimmig zu.

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