Frasdorf – „Almzeit statt Alltag“: Mit diesem Slogan wirbt die Ökomodell-Region Hochries-Kampenwand-Wendelstein für gemeinsame Schwendaktionen auf Almen. So ging es beispielsweise im Mai auf die Bau-moosalm und Anfang August auf die Abergalm, malerisch auf 1.346 Metern gelegen. Treffen 8.30 Uhr hatte Rosina Gabriel, die Almbäuerin, ausgegeben. Trotz des wolkenverhangenen Himmels kamen acht freiwillige Helfer zusammen. Vom Bartlhof in Ried bei Frasdorf ging es rund 500 Höhenmeter hinauf auf die Abergalm.
Sinnstiftende Arbeit
am Steilhang
Dort wachen das Sennerpaar Angelika und Peter über 25 Jungrinder. Im 29. Jahr sind die beiden heroben, decken den halben Almsommer von Ende Juli bis zum Ende der Saison ab. Sie genießen es, sagen sie, auch wenn sie ab und an nach dem Rechten zu Hause im Priental schauen.
Senner zu sein und den Alltag im Tal zu lassen, davon träumen manche Stadtmenschen ein Leben lang. Die Initiative der Ökomodell-Region Hochries-Kampenwand-Wendelstein vermittelt mit einem Tag beim Schwenden einen ersten Einblick.
Während man sich mit den Sennern, der Almbäuerin und den anderen Mithelfern – die meisten davon übrigens Wiederholungstäter, die älteste ist 79 – unterhält, packt man an. Miteinander. So lässt sich eine besondere Auszeit in der Natur erleben. Eine Auszeit, bei der man sichtbare Spuren hinterlässt. Steht auch so im Flyer.
Nach einer kurzen Vorstellungsrunde bei Kaffee und Tee auf der Alm geht es los. Die einen gehen mit Angelika und Rosina zum Unkrautjäten: Disteln und Kreuzkraut müssen raus. Mit einfachen Werkzeugen werden sie nach dem Ausstechen in Säcke verpackt und später ins Tal transportiert. Die anderen helfen Peter beim Holz.
Am Steilhang sägt Peter Totholz und abgestorbene Bäume klein, die Helfer schichten die Äste und Stammteile zu einer Art Trockenholzmauer auf, abgestorbene und herumliegende Äste werden ebenfalls aufgesammelt. Steine klauben inklusive.
„Ein Stein ist ein Maul voll Gras“ lautet die Devise. Eine schwere, händische Arbeit. Man ist den Elementen ausgesetzt, und die Hänge können steil sein. Aber es ist eine sinnstiftende Arbeit, und eben auch eine, bei der man binnen kurzer Zeit Erfolge sieht.
„Ohne diese Pflege würden die Flächen nach und nach verbuschen. Durch das Schwenden bleibt die Fläche als Lebensraum erhalten, bietet weiterhin Futter für Weidetiere und bewahrt das typische Landschaftsbild der Alm“, erklärt Rosina gegen Mittag bei der gemeinsamen Brotzeit auf der Hütte. Alles ist regional: Brot, Käse, Salami vom hauseigenen Rind, Gartenkräuterbutter, Zucchinirelish und, und, und. Sogar Espresso gibt es: „Mein Luxus“, sagt Peter.
Und schon geht es weiter mit dem Schwenden. Man hört ab und an das Klack-klack der Steine, die die Steineklauber am gegenüberliegenden Hang aufeinanderwerfen, ansonsten ist es idyllisch still. Außer raschelnden Blättern oder summenden Bienen und Fliegen hört man nichts.
Rosina erzählt, dass die Flächen der Familien von Cramer-Klett gehören. Ihre Familie besitze ein eingetragenes Weiderecht und die Hütte. Im Gespräch mit den Sennern lernt man viel über das Leben auf der Alm. Und Stephanie Wimmer, eine der drei Manager von der Ökomodell-Region, die auch bei der Schwendaktion mit anpackt, berichtet über die Arbeit der Ökomodell-Region: Von der Gemeinschaftsverpflegung mit mehr Bio und Regionalem in Kitas, Schulen, Kliniken und Seniorenheimen über gezielte Veranstaltungen für Landwirte und Verbraucher bis hin zum Rosenheimer Weidefleisch.
Einblicke in
das Almleben
Später am Nachmittag serviert Rosina selbst gebackenen Apfelkuchen ihrer Mutter. Dann heißt es Abschied nehmen – von der Alm, den Sennern und vom Rind. Und von den anderen Helfern, mit denen man sich über Gott und die Welt ausgetauscht hat. Am Freitag (28. August) heißt es wieder: gemeinsam anpacken. Dann findet auf der Hofalm eine Schwendaktion statt. Treffpunkt ist um 8 Uhr am Parkplatz Lederstube in Frasdorf. Weitere Informationen unter wimmer@frasdorf.de.