„Es ist mir eine Ehre“

von Redaktion

Interview Samerbergs neue Bürgermeisterin Susanne Kunz zieht eine erste Bilanz

Samerberg – Mit Susanne Kunz sitzt in Samerberg erstmals eine Frau auf dem Chefsessel des Rathauses. Die 34-Jährige ist in der Gemeinde aufgewachsen und bis heute eng mit ihrem Heimatort verbunden. Nun blickt sie auf die ersten 100 Tage im Amt als neue Bürgermeisterin zurück. Im OVB-Interview spricht sie darüber, wie es ihr als eine von wenigen Frauen im Landkreis Rosenheim an der kommunalen Spitze ergeht, warum sie einen Wahlsieg nie ausgeschlossen hat und was sie in den kommenden sechs Jahren bewegen möchte.

Frau Kunz, wenn Sie an die vergangenen drei Monate denken: Mit welchen drei Schlagworten würden Sie diese Zeit beschreiben?

Tagesausfüllend, anstrengend, schön.

Sie treten in große Fußstapfen: Georg Huber ist nach 24 Jahren Amtszeit nicht mehr zur Wahl angetreten. Haben Sie mit einem Sieg gerechnet?

Ich war im Wahlkampf zuversichtlich. Nach meinem Verwaltungsfachwirt war ich vier Jahre Kämmerin. Davor war ich lange in der Bank tätig, hier am Samerberg, und hatte nebenbei den Bankfachwirt gemacht. Aufgrund meiner Grundlagen und der Ortskenntnis war ich zuversichtlich, dass es funktionieren kann. Und glücklicherweise ist es so gekommen. Es ist mir eine Ehre, dass ich den Job machen darf.

Im Landkreis Rosenheim waren nur zehn Prozent der Bürgermeisterkandidaten weiblich. Warum zieht es so wenige Frauen in die Politik?

Bei dieser Zahl und 46 Gemeinden im Landkreis sind Frauen natürlich unterrepräsentiert. Man muss aber auch die Zeit für das Amt aufbringen können. Bei vielen passt es vielleicht nicht mit Familie et cetera. Ich kann Gott sei Dank die Zeit aufwenden und habe Freude daran. Aber ich habe nicht das Gefühl, dass Männern der Vortritt gegeben wird. Eher, dass ein Umdenken stattfindet und das Fachliche zählt, nicht das Geschlecht. Und freilich wird manchmal der Charakter mit hereinspielen.

Warum wollten Sie überhaupt Bürgermeisterin werden?

Ich habe beobachten können, wie der Alltag eines Bürgermeisters ausschaut. Mich hat die Tätigkeit an sich interessiert. Und da habe ich mir gedacht: Das traue ich mir auch zu. Auch als junge Frau darf man sich das zutrauen. Und nachdem ich ein paar Neuerungen hervorrufen wollte, war das ein möglicher Schritt.

Welche Themen haben Sie seit Ihrem Amtsantritt besonders gefordert?

Am Anfang steht viel Organisatorisches an. Auch der neue Gemeinderat muss zunächst zusammenfinden. Das ist erst mal eine Herausforderung, auch eine Sitzung zu gestalten, zu planen. Aber es hat gut funktioniert. Man merkt von Monat zu Monat, dass mit jeder Sitzung mehr Routine hereinkommt. Ich bin zufrieden, wie es läuft. Was uns gefordert hat, ist der gesetzliche Anspruch auf Ganztagsbetreuung. Wir haben uns für die verlängerte Mittagsbetreuung entschieden. Bezüglich der Ferienbetreuung waren wir im Austausch mit der Nachbargemeinde Frasdorf, haben uns mit dem Gemeinderat aber dazu entschieden, uns auf eigene Füße zu stellen.

Und die Kosten?

Die Haushaltskassen sind überall knapp, auch vom Land, vom Bund. Aber an der Kinderbetreuung sollten wir nicht sparen. Gleichzeitig muss es leistbar sein für die Eltern. Das ist die Herausforderung. Wir werden diese jetzt mal für 120 Euro pro Woche pro Kind anbieten.

Die steigende Verkehrsbelastung ist ein Thema, das viele Gemeinden in der Region zunehmend beschäftigt. Wie gehen Sie das Thema an?

Da ich selbst Samerberger Bürgerin bin und täglich die Straßen nutze, weiß ich, wie gefährlich die Situationen entlang der Kreisstraße sind. Wir streben seit vielen Jahren danach, einen Fuß- und Radweg entlang der Kreisstraße zu bauen. Es ist leider nicht ganz einfach.

Warum?

Es müssen alle Anlieger mitspielen. Dann müssen wir uns Gedanken machen, ob wir nicht zuvor ein Radverkehrs- oder Radwegekonzept ausarbeiten. Da sind wir jetzt mitten in der Planung. Der Landkreis würde uns finanziell unterstützen. Dafür müssen wir auch das bestehende Netz überprüfen. Wir haben viele schöne Feld- und Waldwege, die Ortsteile verbinden. Und natürlich können wir auch da den einen oder anderen ertüchtigen. Hauptaugenmerk sollte aber die Kreisstraße sein: Es gibt Situationen, da kommt einem auch mal jemand mit Rollator entgegen. Das ist sehr gefährlich. Vor allem, wenn es dunkel ist. Entsprechend müssen wir uns auch um eine Beleuchtung kümmern. Auch Weiler wie Wiedholz oder Eiding liegen direkt an der Hauptstraße. Das heißt, die Leute fahren aus ihren Ausfahrten in die Kreisstraße. Unsere Aufgabe ist es, dafür zu sorgen, dass die Leute sicher von A nach B kommen.

Wie ist die Situation mit dem Ausweichverkehr bei Stau auf der Autobahn?

Es sind vereinzelte Tage. Bei Weitem aber nicht so schlimm wie in Frasdorf. Wir sind aber auch vom Ausweichverkehr betroffen, weil wir zwischen dem Inntaldreieck, also der A93, und der A8 liegen. Viele nutzen diese Ausweichroute über Land. Bis jetzt war nichts verstopft, Rettungswege blieben frei. Für die Anlieger ist es dennoch eine Belastung. Gleiches gilt für Wanderer und Tagestouristen: Da sind es Stoßzeiten am Wochenende. Deswegen müssen wir die Verkehrsströme lenken und leiten.

Auf welche Projekte wollen Sie sich in unmittelbarer Zukunft am stärksten konzentrieren?

Wir sind mit drei Feuerwehren gut aufgestellt. Samerberg ist sehr weitläufig. Aufgrund der Ausrückzeiten brauchen wir die auch. Natürlich gibt es Verbesserungsbedarf. Wir werden demnächst ein neues Löschfahrzeug für die Feuerwehr Grainbach anschaffen. Das ist ein großer Kostenfaktor für die Gemeinde. Aber trotzdem muss die Feuerwehr technisch auf einem guten Stand sein. Unsere Feuerwehrler leisten gute Arbeit. Und ich glaube, wir können dankbar sein, dass auch immer Jugend nachkommt.

Im Wahlkampf haben Sie auch den Vereinen Unterstützung zugesagt. Als ehemalige Kämmerin kennen Sie die Samerberger Haushaltslage bestens. Wie viel Luft bleibt dafür angesichts der zunehmenden Finanzlast für Kommunen?

Ja, es ist natürlich schwierig, aber nicht unmöglich. Wir haben einen ausgeglichenen Haushalt, können aber keine großen Sprünge machen. Dafür sind die Rücklagen zu begrenzt. Trotzdem möchte ich für die Vereine etwas schaffen. Bei uns steht der Neubau eines Vereinsheims an. Wir planen gerade das Konzept und die Finanzierung. Ob Sanierung oder Neubau, ist noch nicht abschließend geklärt. Die Tendenz geht zum Neubau, da das bestehende Gebäude in die Jahre gekommen und energetisch in einem schlechten Zustand ist. Da wir so viele verschiedene Vereine haben, brauchen wir wieder ein multifunktionales Gebäude. Das wird nicht von heute auf morgen gehen. Es wäre mein Wunsch, das in dieser Periode zu schaffen.

Was war Ihr bislang schönstes Erlebnis in den vergangenen 100 Tagen als Bürgermeisterin?

Das waren auf jeden Fall einige der repräsentativen Aufgaben. Ich hatte die Ehre, dass ich beim Tanzprojekt der Grundschule dabei- sein durfte. Die Zusammenarbeit mit Schulen und Kindergärten macht mir Spaß. Vor allem die Ergebnisse von Projekten und was die Kinder geschaffen haben. Aber auch die Trauungen sind eine schöne Zusatzaufgabe, die man als Bürgermeisterin machen darf. Man kann die Leute in kurzer Zeit sehr glücklich machen. Als Kämmerin sind die Reaktionen mäßig, wenn man sein Zahlenwerk vorstellt. Aber als Standesbeamtin kann man mit wenigen Worten zwei Menschen sehr glücklich machen. Das hat mich sehr gefreut.

Vermissen Sie Ihren alten Job schon?

Nein. Ich habe immer noch Berührungspunkte. Denn ich habe weiterhin mit Zahlen zu tun. Auch als Bürgermeisterin sollte man den Überblick über die Finanzen behalten. Aber ich jammere jetzt nicht meinem alten Job hinterher, um Gottes willen. Er war eine gute Basis, auf die ich jetzt auch aufbaue. Ich bin zufrieden, wie es ist.

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