Stephanskirchen – Rund zwei Monate nachdem sich der neue Gemeinderat in Stephanskirchen konstituiert hat, wurden nun auch die Beauftragten der Gemeinde neu gewählt. Die Stellen wurden ausgeschrieben, sodass Interessierte mehrere Wochen Zeit für ihre Bewerbungen hatten. Neben den bereits bekannten Ämtern der Beauftragten für Senioren, Jugend, Kultur, Menschen mit Behinderung und Radverkehr, wurde auf den Vorschlag der Grünen-Fraktion hin erstmals ein Beauftragter für Familien für die knapp 11.000 Einwohner starke Gemeinde gewählt.
Paukenschlag bei Wahl des
Radverkehrsbeauftragten
Die Wahl fand geheim per Stimmzettel ab. Für jeden Beauftragten gab es einen eigenen Wahlgang. Zuvor hatten die Bewerber die Möglichkeit, sich und den Gemeinderäten ihre Ziele vorzustellen. Auf altbekannte Gesichter traf man bei der Wahl zum Beauftragten für Menschen mit Behinderung, Jugend und Senioren: Die Amtsinhaber Harald Oberrenner, Alexander Stieglitz und Renate Hanzekovic traten ohne Mitbewerber an.
Oberrenner versprach, weiterhin an Menschen mit Behinderung und deren Bedürfnisse erinnern zu wollen, „denn sie sind Teil der Gesellschaft“. Hanzekovic freute sich über die aufgestellten Seniorenbänke im gesamten Gemeindegebiet und Stieglitz berichtete von der erfolgreichen Wiedereröffnung des Jugendtreffs Box. Stieglitz und Hanzekovic wurden ohne Gegenstimme bestätigt. Harald Oberrenner wurde mit 24:0 und einer ungültigen Stimme wiedergewählt.
Kontroverser ging es da bei der Wahl des Beauftragten für Radverkehr zu. Neben dem Amtsinhaber Frank Wiens, der 2019 – damals noch unter Bürgermeister Rainer Auer – zum ersten Radverkehrsbeauftragten der Gemeinde gewählt wurde, stellte sich auch Matthias Ameiser zur Wahl. Der 41-Jährige stellte sich dem Gremium als leidenschaftlicher Fahrradfahrer vor, der jedoch „kein Fan von Fahrradstraßen oder Tempo-30-Zonen“ sei. Einem Großteil des Gemeinderates dürfte er jedoch bereits bekannt sein, hat er doch bei der Kommunalwahl für diesen kandidiert. Denn Ameiser war auf Listenplatz 13 für die CSU angetreten. Als Beauftragter wolle er mit den Radfahrern in Austausch gehen und ihnen zeigen, „wo man auch abseits des Verkehrs in der Gemeinde sicher radeln kann“.
Zuvor hatte Frank Wiens die vergangenen sieben Jahre Revue passieren lassen, insbesondere den Weg zum Fahrradkonzept, welches er im Fall einer Wiederwahl weiter vorantreiben wolle. Als hätte Wiens geahnt, was folgen würde, hatte er betont, dass ihm die Unabhängigkeit der Beauftragten wichtig sei.
Das Ergebnis der Wahl verkündete Bürgermeister Karl Mair (Parteifreie Bürger) mit den Worten: „Dieser Gemeinderat ist doch immer wieder für eine Überraschung gut.“ Mit 17:7 Stimmen und einer ungültigen Stimme wurde Matthias Ameiser zum neuen Beauftragten für Fahrradverkehr gewählt. Frank Wiens, dem das Ergebnis sichtlich zusetzte, bedankte sich für die gute Zusammenarbeit in den vergangenen sieben Jahren und wünschte seinem Nachfolger viel Erfolg für die neue Aufgabe. Auf Nachfrage des OVB, wie es ihm nach der Wahl gehe, wollte sich Wiens nicht weiter äußern.
Weiter ging es bei der Wahl für ein neues Amt: Erstmals wurde ein Beauftragter für Familien gewählt. Beworben hatten sich Sebastian Hoffmann und Hans-Christian Lindner. Hoffmann, selbst Vater von zwei Kindern, warb damit für sich die Kinderbetreuung beim Arbeitgeber erwirken zu können. Außerdem plädierte er für die Wiedereinführung eines Windelsacks.
Lindner, Ex-Soldat und Vater eines Kleinkindes, versprach Unterstützungsmöglichkeiten für Familien und mehr Sicherheit für Kinder. Mit 13:3 Stimmen und neun ungültigen Stimmen wurde Hans-Christian Lindner zum ersten Beauftragten für Familien der Gemeinde gewählt.
An ein weiteres neues Gesicht werden sich vor allem Event- und Kulturfans gewöhnen müssen. Nach zwölf Jahren als Beauftragte für Kultur hat sich Lonika Herzog dazu entschlossen, nicht noch einmal für das Amt zu kandidieren.
Neuer Beauftragter
für die Kultur
Als Nachfolger hat sich Christian Ringler beworben. In seiner Vorstellung erklärte er, Bewährtes beibehalten zu wollen und weiter zu entwickeln. Als „großer Fan von Stand-up-Comedy“ könne er sich vorstellen, ein wiederkehrendes Event zu schaffen. „Nicht zu groß, aber so, dass es über die Grenzen der Gemeinde hinaus an Bekanntheit gewinnt“, so Ringler. Mit 18:1 Stimmen und sechs ungültigen Stimmen wählte ihn der Gemeinderat zum neuen Beauftragten in Sachen Kultur.