Mit 19 schon Pfarrgemeinderatsvorsitzende

von Redaktion

Mit erst 19 Jahren ist Lucia Wauer in den Pfarrgemeinderat in Raubling eingezogen – und gleich zur Vorsitzenden gewählt worden. Trotz anfänglicher Skepsis blickt die junge Frau motiviert auf ihre Aufgaben. Sie möchte vor allem junge Menschen für die Kirchengemeinschaft begeistern.

Raubling – Vorerfahrung hat Lucia Wauer in der kirchlichen Gemeinschaft bereits gesammelt. Seit ihrer Erstkommunion ist sie Ministrantin.

Zuerst in Rosenheim, anschließend wechselte sie vor circa zwei Jahren in ihre Heimatpfarrei Heilig Kreuz nach Raubling, wo sie nun nicht nur Oberministrantin ist, sondern seit Kurzem auch den Vorsitz des Pfarrgemeinderates innehat.

Ursprung der Entscheidung zur Kandidatur

„Meine Mutter, die war in St. Nikolaus jetzt die letzte Periode Pfarrgemeinderatsvorsitzende“, erzählt Wauer. Ihre Mutter und auch ihre Großeltern haben sie dazu ermutigt, sich für den Pfarrgemeinderat aufstellen zu lassen. Von ihnen bekam sie mit auf den Weg, dass man sich nicht nur aufregen dürfe, sondern dann auch aktiv etwas unternehmen müsse. Auch Raublings Pfarrer Martin Gehringer hat die jungen Erwachsenen aus seiner Pfarrei motiviert, zu kandidieren.

„Mir ist es wichtig, dass im Pfarrgemeinderat alle Altersstufen vertreten sind, um ein möglichst breites Bild der Pfarrei abzubilden“, erklärt Gehringer. „Besonders die Stimme der Jugend soll gehört werden. Jugendliche haben oft neue und kreative Ideen und bringen so eine gute Dynamik rein.“

Lucia Wauer erinnert sich, dass sie bei der Wahl des Pfarrgemeinderats relativ weit hinten lag. „Das ist so der vorletzte oder vorvorletzte Platz“, erzählt sie. Überrascht hat es die 19-Jährige aber nicht besonders, denn „es kennt mich eigentlich fast keiner“. Schließlich trägt man beim Ministrieren kein Namensschild, erzählt Lucia Wauer. Einen Platz im Pfarrgemeinderat bekam sie dennoch, da es neun Sitze und ebenso viele Kandidaten gab.

Den Vorsitz wollte sie gar nicht zwingend übernehmen. Auch aus dem Grund, dass sie zum ersten Mal in den Pfarrgemeinderat gewählt wurde und keinerlei Erfahrungen hat.

Hinzu kommt, dass „die Älteren ziemliche Platzhirsche sind und gar keine Jungen drin haben wollen“, so ihre Erfahrung. Auch Pfarrer Martin Gehringer überraschte die Wahl. „Eigentlich dachte ich, dass man einer älteren Person den Vorzug gibt.“ Doch manch negativer Kommentar bleibt nicht aus. Komisch sei es, eine junge, unverheiratete Frau im Pfarrgemeinderat als Vorsitzende zu haben, bekam Lucia Wauer schon zu hören. Doch mittlerweile konnte sie die Gemeinde positiv überzeugen.

Denn die junge Vorsitzende bringt frischen Wind rein. Sie steht zu ihrem jungen Alter und fühlt sich ihrer neuen Aufgabe gewachsen. Auch Pfarrer Martin Gehringer ist sich sicher, dass die 19-Jährige „mit ihrer großen Motivation, ihrer anpackenden Art und ihrem festen Glauben das Amt gut ausgestalten wird“.

Als Vorsitzende ist Wauer auch Teil der Kirchenverwaltung. Sie hat in Sachen Finanzen oder baulichen Veränderungen zwar kein Stimmrecht, ist aber dennoch ein beratender Teil. Ihre Aufgaben als Pfarrgemeinderatsvorsitzende sind die Vernetzung mit anderen Pfarrgemeinderäten, die Leitung von Planungen, beispielsweise beim Pfarrfasching, oder die Vertretung des Pfarrgemeinderats nach außen.

So auch beim 50-jährigen Bestehen des Christlichen Sozialwerks in Raubling. Die 19-Jährige hat im Frühjahr ihr Abitur geschrieben und macht demnächst ein Freiwilliges Soziales Jahr in Benediktbeuern. Sie möchte auch wieder mehr Zeit in ihre Hobbys investieren – in die Berge gehen, Handarbeiten und Freunde treffen.

Dabei kommt es ihr gelegen, dass auch Freunde von ihr im Pfarrgemeinderat sind. Dennoch läuft ihr Amt nicht einfach so nebenher: „Ehrenamt ist immer zeitintensiv“, erklärt sie. Trotzdem übernimmt sie die Aufgaben gerne. „Dann ist es egal, wie viel Zeit das raubt.” Aus eigener Erfahrung kann sie bestätigen, dass es sich lohne, sich ehrenamtlich in der Kirche zu engagieren. Für sie bedeutet es auch Erfüllung und Anschluss.

„Ich kriege das sehr viel mit in meiner Generation, dass viele den Anschluss verlieren und gar nicht wissen, was sie im Leben wollen.“ Lucia Wauer kann sich vorstellen, dass sich aus dem Engagement heraus neue Türen eröffnen können. Ihr Ziel ist es, „ein buntes Gemeindeleben zu gestalten mit vielen jungen Menschen“.

Fokus auf
das Positive

Dass in der Kirche nicht alles „glatt läuft“, ist der 19-Jährigen durchaus bewusst. Dennoch solle man sich nicht immer nur auf das Negative fokussieren, sondern das Schöne in den Mittelpunkt stellen. Ihr bisheriger Höhepunkt sei das Pfarrfest gewesen, bei dem – trotz Problemen bei der Planung – Zusammenhalt gezeigt worden sei. Zudem konnte sie sich mit vielen unterschiedlichen Leuten austauschen, mit denen „man sonst eigentlich nie ins Gespräch kommt“.

Das ist ihr besonders positiv in Erinnerung geblieben. Und auch wenn bei manch einem keine Verbindung mehr zur Kirche besteht, ist es ihr wichtig, den Menschen bewusst zu machen, dass es immer einen Weg zurück in die Kirchengemeinschaft gebe. Sie ist dankbar für die Gemeinde und die vielen motivierten und engagierten Mitglieder, die sie unterstützen.

Ob sie bei der nächsten Wahl in vier Jahren noch einmal kandidieren wird, steht für sie aufgrund ihres jungen Alters bislang noch nicht fest. Ihr Motto dazu lautet: „Schau’ ma mal, dann sehn’ ma scho.“

Artikel 1 von 11