Eggstätt – „Let it go“, ruft Josh über das Feld. Gleichzeitig spielt er mir den nächsten Ball zu. Einfach machen, weniger nachdenken, meinte er zu mir. Ich hole aus. Schläger nach hinten. Der Ball kommt auf mich zu – und ich schlage daran vorbei. Josh lacht. „Noch einmal.“ Beim zweiten Versuch klappt es schon deutlich besser.
Ich probiere mich an einem Sommernachmittag das erste Mal in der Trendsportart Padel. Trainer Josh zeigt neben mir auch Nico, einem weiteren Anfänger, die Grundlagen der neuen Sportart. Nebenan sind die Tennisplätze des TC Eggstätt wegen der Nachmittagshitze leer. Der Kunstrasen des Padel-Courts von Panorama Padel ist mit einer feinen Sandschicht bedeckt, die Bäume spenden im Lauf der Schnupperstunde immer mehr Schatten.
Ein britischer Trainer
mitten auf dem Land
Zu Beginn der Stunde drückt mir Josh zum ersten Mal einen Padelschläger in die Hand. Er sieht massiv aus, ist aber eigentlich recht leicht. Neu ist für mich die Schlaufe, die ich mir ums Handgelenk ziehe. So fällt er mir nicht aus der Hand. Das kommt mir entgegen, denn meine Erfahrung mit Ball und Schläger hält sich in Grenzen. Umso gespannter bin ich, ob Padel tatsächlich so leicht zu lernen ist, wie viele behaupten.
Josh Warrilow unterrichtet Tennis, Padel und Pickleball. Der Brite hat in Großbritannien und den USA gearbeitet, unterrichtet mittlerweile vorwiegend in München. Weil er in die Nähe gezogen ist, zeigt er auch in Eggstätt, wie Padel funktioniert.
Am Anfang geht es um die Grundlagen. Den Schläger hält man wie einen Hammer, erklärt er. Jeder nimmt sich einen Ball und beginnt, ihn auf dem Schläger nach oben zu prellen. Erst die Vorhand, dann die Rückhand, schließlich im Wechsel. Auch wenn ein Ball danebengeht, bleibt unser Trainer ruhig. Stattdessen gibt es einfach den nächsten Ball. „Mega“, „very good“, „nice“, ruft er immer wieder über den Platz. Seine Begeisterung überträgt sich auf uns.
Nach wenigen Minuten wird die Übung anspruchsvoller. Der Ball soll erst auf dem Boden aufspringen und dann kontrolliert auf dem Schläger landen. „Wenn der Ball höher fliegt, habt ihr mehr Zeit“, erklärt Josh. Kurz darauf spielen wir gegen die Glaswand. Für viele Anfänger sei sie die größte Hürde. „Viele Leute haben Angst vor der Glaswand“, meint er. Oft brauche es Zeit, diese ins Spiel zu integrieren. Einige Bälle springen sauber von der Scheibe zurück, andere landen in einem völlig unerwarteten Winkel am anderen Ende des Feldes. Josh bleibt geduldig: „Die Hand begleitet den Ball.“
Generell gibt es einige Punkte, die Padel vom klassischen Tennis unterscheiden. „Beim Tennis braucht man ab Tag eins einen Trainer“, sagt Josh. Beim Padel macht man dagegen schnell Fortschritte. Daher eigne sich der Trendsport auch für Kinder und Familien: „Jeder kann es spielen“, sagt Warrilow.
So sieht es auch Martin Faltl. Zusammen mit seinem Schwager Jakob Sperber hat er die Anlage Panorama Padel im Juni eröffnet. Eigentlich kommen die beiden aus dem Basketball, haben vor zwei Jahren in München aber Padel für sich entdeckt. „Wir haben wahnsinnig Spaß daran gefunden“, erzählt Faltl. Weil ihnen der Weg zum nächsten Feld zu weit war, fiel im vergangenen Herbst schließlich die Entscheidung: „Wir wollen öfter spielen und besser werden – dann bauen wir uns doch einen eigenen Platz.”
Auf einem der Tennisplätze des TC Eggstätt entstand ein zehn mal 20 Meter großer Court. Seit der Eröffnung im Juni kommen Anfänger genauso wie erfahrene Spieler vorbei. „Jedes Alter und jede Sportlichkeit“, beobachtet Faltl. Der große Vorteil gegenüber Tennis sei die niedrige Einstiegshürde. Mieten lässt sich der Platz mittels einer App.
Gelingt der erste
Ballwechsel?
Dann wird es ernst. Mein Mitspieler Nico und ich stehen uns zum ersten Mal gegenüber. Das Netz zwischen uns. Der Ball liegt bereit. „Versucht jetzt in aller Ruhe, miteinander zu spielen“, leitet Josh uns an. Der Ball soll nach jedem Schlag erst einmal auf dem Boden aufspringen. „Einfach ruhig bouncen lassen.“ Mein erster Ball landet direkt im Netz. „Alles gut. Probier es gleich noch einmal“, sagt Josh gelassen. Also noch ein Versuch. Dieses Mal fliegt der Ball über das Netz, springt auf, Nico spielt ihn zurück. Plötzlich entsteht etwas, das sich tatsächlich nach Padel anfühlt.
Nico traut sich
an einen Volley
Nico traut sich inzwischen sogar an einen Volley und nimmt den Ball direkt aus der Luft. „Oder so – ein Volley geht auch“, sagt Josh und lacht. Als Nico fragt, ob er den Ball auch mit mehr Kraft schlagen könne, schüttelt der Trainer den Kopf. Genau darin liege einer der größten Unterschiede zum Tennis. „Viele Leute wissen nicht, wie man langsam spielt.“ Gerade Tennisspieler würden oft mit viel Kraft spielen. „Dann landet der Ball im Netz oder fliegt zu weit.“ Beim Padel gehe es vielmehr darum, einen langen Ballwechsel aufzubauen. Auch ich merke, dass der Schlüssel eher im Timing liegt statt in der Kraft.
Den Satz „Let it go“ höre ich an diesem Nachmittag noch viele Male. Ich muss schmunzeln. Denn eigentlich gehe ich Bewegungen erst im Kopf durch, bevor ich sie ausführe. Josh versucht genau das Gegenteil: weniger grübeln, mehr vertrauen. Tatsächlich gelingen meine Schläge meistens dann am besten, wenn ich sie nicht „zerdenke“. Nach den ersten Ballwechseln geht es an den Aufschlag. Den Ball auf Hüfthöhe abschlagen. Diagonal ins gegenüberliegende Feld. Klappt der erste Versuch nicht, gibt es einen zweiten oder dritten. Anschließend heißt es, sofort nach vorn zu laufen. „Immer Richtung Netz gehen, nicht hinten stehenbleiben“, erklärt Josh Warrilow.
Unser Trainer korrigiert nur Kleinigkeiten. Mal den Schläger anders halten. Mal erinnert er uns ans Lockerbleiben. Überhaupt scheint Entspannung einer seiner wichtigsten Trainingstipps zu sein. Zwischendurch erklärt er uns noch einen taktischen Schlag, den sogenannten „Chiquita“. Dabei springt der Ball direkt hinter dem Netz auf und setzt den Gegner somit unter Druck. Dass wir diesen Ball heute noch perfekt beherrschen, erwartet niemand. Und genau das macht die Atmosphäre auf dem Court so angenehm. Es geht nicht darum, fehlerfrei zu spielen. Es geht darum, sich auszuprobieren und Spaß zu haben.
Zum Abschluss spielen wir den letzten Ballwechsel der Stunde. Ich schlage auf, Josh spielt zu Nico, Nico zurück zu Josh. Dann kommt der Ball auf mich zu. Ich hole aus – und schlage ins Leere. Schade. Enttäuscht bin ich trotzdem nicht. Die vergangenen 60 Minuten sind wahnsinnig schnell vergangen. „Das Beste, was du machen kannst, ist einfach spielen und durchs Spielen lernen“, gibt uns Josh noch mit auf den Weg. Auch wenn ich den Court nicht mit einem perfekten Aufschlag oder einem spektakulären Matchball verlasse, hat die erste Schnupperstunde Lust auf mehr gemacht.