Die Amtsübergabe fiel flach

von Redaktion

Holger Steiner hat einen erschwerten Start als neuer Bürgermeister von Flintsbach gehabt. Da eine Amtsübergabe durch seinen Vorgänger ausblieb, musste er sich schnell einarbeiten. Nach den ersten 100 Tagen im Amt zieht er dennoch eine positive Bilanz.

Flintsbach am Inn – Die ersten 100 Tage im Amt als neuer Bürgermeister treffen auf Holger Steiner nur bedingt zu. „Ich wurde nach der Wahl eigentlich direkt ins kalte Wasser geworfen“, sagte der neue Mann an der Spitze im Gespräch mit dem OVB. Seine Amtstage begannen demnach schon deutlich vor der offiziellen Übergabe am 1. Mai.

Schwerer Einstieg in das
Amt des Bürgermeisters

Denn Stefan Lederwascher, der bis dahin amtierende Bürgermeister, bezeichnete das Wahlergebnis als „herben Schlag“ und zog sich nach der Wahl am 8. März völlig aus der Kommunalpolitik zurück. Auch den Platz im Gemeinderat nahm er nicht an.

Eine wirkliche Amtsübergabe gab es daher in Flintsbach nicht. „Ich verstehe jeden, der mit einer Situation dieser Art umgehen muss. Aber natürlich hätte ich noch ein paar Fragen zu allen möglichen Themen gehabt“, sagt Steiner.

Doch sowohl seine Erfahrungen als Zweiter Bürgermeister zwischen 2020 und 2026 als auch seine langjährige Erfahrung als Polizist halfen ihm, sich schnell zurechtzufinden und mit den Menschen zu kommunizieren. Speziell mit der Fraktionsvorsitzenden der CSU (sechs Gemeinderäte), Johanna Astner, und der Gemeinderätin der SPD, Andrea Dirl, ging Steiner ins Gespräch und nahm ihnen die Sorge, dass die Parteifreien Flintsbach-Fischbach (neun Gemeinderäte) ihre Mehrheit ausnutzen würden.

Steiners Ziel war es, die in den vergangenen sechs Jahren verhärteten Fronten aufzubrechen. „Ich will, dass wir gemeinsam wieder etwas voranbringen und parteiunabhängig die beste Lösung für Flintsbach finden“, meint der neue Rathauschef. Das Ergebnis nach 100 Tagen: „Die Atmosphäre ist wieder deutlich besser und wir können uns endlich wieder auf die wichtigen Themen konzentrieren“, meint er.

Neues Feuerwehrhaus
als Großprojekt

Und davon gäbe es in der Gemeinde genug, wie den Neubau eines gemeinsamen Feuerwehrhauses zwischen Flintsbach und Fischbach. Dort sollen die beiden bisher separaten Feuerwehren zusammengelegt werden. „Die Kosten dafür sind extrem hoch, aber wir werden das über die kommenden Jahre stemmen“, verspricht der Bürgermeister.

Ein weiteres Thema, das ihn schon vor seiner aktuellen Amtszeit beschäftigte, ist der Brenner-Nordzulauf. Durch die geplante Verknüpfungsstelle der neuen Strecke ist die Gemeinde stark betroffen. „Wir versuchen, so lange wie möglich mit den Planern im Dialog zu bleiben“, meint Steiner und appelliert dazu, den Kontakt mit der Deutschen Bahn nicht zu verlieren.

Sollte die Strecke jedoch auch nach dem Planfeststellungsverfahren Existenzen, wie die von zahlreichen Bauern, bedrohen, hält Steiner eine Klage nicht für ausgeschlossen. „Es kann gut sein, dass wir uns dann einen Rechtsbeistand suchen werden, um dagegen vorzugehen“, meint er.

Der ehemalige Polizeibeamte lebt seit rund 30 Jahren in der Gemeinde und ist daher mit sämtlichen Problemen vertraut. So war der zweifache Familienvater auch mittendrin, als am 4. Juni 2024 das Wasser aus den Bergen drückte und einen Teil der Wege und Häuser überflutete. „Wir haben vor wenigen Wochen mit dem Wasserwirtschaftsamt die Geschiebesperren überprüft“, erklärt Steiner. Diese sollen die Murenabgänge verhindern, die vor zwei Jahren unter anderem einen Teil der Burgruine Falkenstein sowie einige Häuser in der Gemeinde trafen.

Aus seinen ersten 100 Tagen im Chefsessel des Rathauses nimmt Steiner eines mit: „Das Engagement in dieser verhältnismäßig kleinen Gemeinde ist enorm, was auch mich selbst extrem antreibt“, sagt er mit Blick auf die zahlreichen Vereine. Die anfänglichen Sorgen über einen gespaltenen Gemeinderat haben sich verflüchtigt. „Jetzt ist es Zeit, unsere Themen gemeinsam voranzutreiben.“

Artikel 6 von 11