Großkarolinenfeld – Langsam wird Großkarolinenfeld zu seiner zweiten Heimat. Seit rund 100 Tagen sitzt Anton Wallner auf dem Chefsessel im Rathaus. Im Mai wurde der Mann aus Bad Feilnbach zum neuen Bürgermeister von Großkarolinenfeld gewählt. Für die Zukunft hat er einiges vor. Im OVB-Gespräch verrät er, ob ihn das Pendeln langsam nervt, ob das Frühlingsfest auch 2027 stattfindet und ob der langersehnte Wunsch nach einem Café im Ortskern in Erfüllung geht.
Seit Mai sind Sie Bürgermeister von Großkaro – wie hat sich Ihre Benzinrechnung seither verändert? Sie pendeln jeden Tag von und nach Bad Feilnbach.
Anton Wallner: Ich habe gar keine Benzinrechnung, ich fahre E-Auto (lacht). Und da im Moment die Strompreise erträglich sind, passt das alles. Ich brauche ungefähr 20 Minuten aus Litzl-dorf in die Arbeit, das ist gut machbar. Andere müssen wesentlich weiter pendeln.
Sie haben trotz der vielen Abend- oder Wochenendtermine nicht einmal überlegt, nicht doch nach Großkaro zu ziehen?
Es ist mir schon mehrmals angeboten worden, dass ich hier nächtigen soll, damit ich nicht mehr nach Hause fahren muss – vor allem, wenn die ein oder andere Feier länger gedauert hat (lacht). Aber bislang nicht, nein. Auf dem Weg nach Hause bekomme ich den Kopf frei, wenn ich mich außerhalb meines Zuständigkeitsbereiches befinde. Das ist ein charmanter Nebeneffekt.
Wie viel wussten Sie eigentlich vorher über Großkaro? Oder war es komplettes Neuland?
Ich bin sehr interessiert, was auf der kommunalen Ebene passiert. Ich habe immer schon gelesen, was andere Kommunen bewegt. Ich war über Großkaro informiert, bevor ich überhaupt wusste, dass ich hier jemals ein Amt übernehme. Im März habe ich zudem sozusagen ein Praktikum bei Bernd Fessler (der Vorgänger, Anm. der Red.) gemacht. In allen Themen bin ich jetzt zu rund 80 Prozent drin. Wichtig ist mir, mit den Menschen hier, die mich sehr freundlich empfangen haben, in Kontakt zu kommen.
Konnten Sie in den ersten 100 Tagen auch schon was von Ihren Ideen umgesetzt werden?
Ich habe mich bei den Wahlversprechen bewusst zurückgehalten, weil die später schwierig einzuhalten sind. Aber die Arbeit mit dem Gemeinderat läuft sehr gut. Wir haben jetzt ein Wohnquartier für Studenten auf den Weg gebracht, der Spatenstich erfolgt im September. Genauso haben wir erreicht, dass es nächstes Jahr für die Kinder der Klassen eins bis vier eine Ferienbetreuung gibt. Wichtig ist auch, dass wir die Planung für das neue Feuerwehrhaus in Dred auf den Weg gebracht haben.
Wie steht es um den Bau der Unterkunft für Geflüchtete – und wann ziehen die ersten Bewohner ein?
Der Bau ist fertig. Die Außenanlagen haben zum Schluss noch ein bisschen mehr Arbeit gebraucht. Zuletzt konnten wir mit dem Gemeinderat die Unterkunft besichtigen. Die Einrichtung ist sehr schlicht und doch funktional geworden, darüber gab es ein wenig Ernüchterung beim Gemeinderat. Die Belegung soll in den kommenden Wochen beginnen, vermutlich Anfang September, das hat uns das Landratsamt mitgeteilt.
Sind zu Beginn schon alle
54 Plätze belegt?
Man muss schauen, ob die Plätze überhaupt alle belegt werden. Die Flüchtlingszahlen haben nachgelassen, der Belegungsdruck ist nicht mehr so da. Lieber wird die Anlage nicht komplett vollgemacht, damit ein gutes Gefüge und Miteinander in der Unterkunft entsteht. Aber darüber entscheidet das Landratsamt. Die drei Etagen sollen der Reihe nach belegt werden. Voraussichtlich mit ukrainischen Staatsbürgern.
Oft wurde auch über den Standort in der Nähe der Grundschule diskutiert.
Da mache ich mir erstmal gar keine Sorgen. Wir werden versuchen, die Menschen über unsere Integrationsbeauftragte Annette Steinbauer in das Dorfleben einzubinden, damit sie die Sprache lernen und, wenn möglich, Arbeitsplätze finden. Falls es Schwierigkeiten geben sollte, werden wir uns zusammen mit dem Landratsamt darum kümmern.
Zuletzt waren immer wieder große Straßen in Großkaro gesperrt, gibt’s demnächst wieder Geduldsproben für Autofahrer?
Das war es jetzt erstmal (lacht). Der Plan ist, dass wir die Baustelle im Ortskern bis zum 30. September abschließen. Wenn das Wetter passt, werden am 3. und 4. September die Asphaltschichten aufgetragen, und damit könnte Ende der Ferien die Straße wieder freigegeben werden. Der Regenwasserkanal in der Pfälzerstraße muss neu gebaut werden, aber erst in zwei oder drei Jahren. Die Karolinenstraße ist ein Dauerthema, das wird auch in den kommenden Jahren, irgendwann zwischen 2028 und 2030, auf uns zukommen. Die nächsten zwei Jahre rechne ich nicht mit so massiven Einschränkungen für die Verkehrsteilnehmer.
Seit vielen Jahren gibt es bei den Bürgern den Wunsch nach einem Café oder einer Eisdiele direkt im Ortszentrum – wie sind da die Pläne?
Es gibt dazu Pläne und eine Feinuntersuchung zur Ortsmitte. Es soll da einfach mehr Aufenthaltsqualität entstehen. Die Gemeinde hat vor Kurzem die „Alte Apotheke“ erworben. Da gibt es bereits gute Überlegungen für eine Nutzung. Es wäre schön, wenn man hier einfach mal sitzen und gemütlich einen Kaffee trinken kann. Ganz leicht ist das nicht, weil man einen Betreiber braucht. Da bin ich in Gesprächen, wir haben Ideen. Auch die Grünfläche zwischen den Kirchen spielt eine Rolle in den Überlegungen. Wir sind da mit den Plänen für die dritte Röhre unter der Bahnlinie schon ziemlich weit. Laut Mitteilung der Bahn wird jedoch die Korridorsperrung verschoben und damit eine Realisierung bis 2030.
Ein anderes Thema: das Frühlingsfest. In Bad Aibling gab es zuletzt Kritik, auch in Großkaro mehren sich die kritischen Stimmen über den Zustand. Findet das Fest 2027 überhaupt noch statt?
Es soll auf alle Fälle ein Volksfest 2027 geben. Darüber sind wir uns alle einig und haben erste Gespräche geführt. Wir denken über deutliche Optimierungen und neue Konzepte nach. Die Schwächen – zum Beispiel rund um die diesjährige Jubiläumswoche – sind für viele erfahrbar gewesen, da möchte ich nicht weiter darauf eingehen. Ob das mit dem gleichen Wirt wieder stattfindet, kann ich im Moment noch nicht sagen. Gerade schauen wir mit der Brauerei und den Vereinen vor Ort, dass wir einen guten Weg finden. Es deutet aber einiges darauf hin, dass wir eine neue gastronomische Kraft bekommen.
Fragezeichen gibt es auch hinter dem Gewerbegebiet im Norden, das liegt immer noch brach. Wann kommen die ersten Firmen?
Ich habe viele Gespräche mit Firmen geführt, die passend für das Gebiet sein könnten. Unter den Interessenten sind mittelständische Unternehmen wie Baufirmen und produzierende Betriebe. In den nächsten Monaten sollen die Weichen dafür gestellt werden, dass an der Marienberger Straße ein wertiges Gewerbegebiet entsteht.
In vielen anderen Gemeinden wird derzeit über die Kita-Gebühren diskutiert. Sinken die Kosten in Großkaro ähnlich wie zuletzt in Rosenheim?
An dieser Diskussion kommen wir nicht vorbei. Ich habe schon ein Schreiben vom Elternbeirat bekommen, dass wir darüber nachdenken sollen. Das machen wir. Aber: Die Gemeinde hat in den frühkindlichen Bildungsbereich schon viel Geld investiert.
Wir haben große Anstrengungen betrieben, damit die Kinder bei uns eine hohe Betreuungsqualität bekommen. Den Ausgleich für den Entfall des Elternbeitrages, den der Freistaat uns zur Verfügung stellen will, müssen wir erst einmal prüfen. Die finanzielle Situation für die Kommunen schaut generell eher schlecht aus. Wir werden im Gemeinderat darüber diskutieren, ob es überhaupt Spielräume für ein Entgegenkommen gegenüber den Familien geben kann.
Die Stadt Rosenheim ist da vorgeprescht, das ist für uns Kommunen nicht ganz optimal verlaufen. Schön wäre es, wenn wir uns da mehr abstimmen.
Was planen Sie in den
kommenden 100 Tagen?
Wir haben derzeit ein Hitze-Thema an der Schule. Einige Klassenzimmer heizen sich sehr auf, da werden wir jetzt Klimaanlagen einbauen, das ist schon alles auf den Weg gebracht. Wir wollen das Stadtentwicklungskonzept fertigmachen und kommen mit den Radwegen rund um Dred gut voran. Außerdem möchte ich die Kommune weiter digitalisieren.
Einige Leistungen sollten künftig online 24/7 möglich sein. Es gibt viel zu tun. Ich habe viele Ideen und Themen.
Julian Baumeister