Neue Hütte für traditionelles Brauchtum beim Hufeisenclub

von Redaktion

Zwei Dutzend Helfer packen in Nußdorf an – Stimmungsvolle Einweihung – Vorfreude auf das Jubiläum zum 50-jährigen Bestehen

Nußdorf – Der Hufeisenclub Nußdorf/Hinterberg hat seine neue Hütte eingeweiht. Mehr als zwei Dutzend Unterstützer halfen beim Bau. Die Feier bot zugleich Anlass für einen Blick auf fast 50 Jahre Vereinsgeschichte – und auf die wesentlich älteren Wurzeln des Hufeisenwerfens.

Jahrzehntelang gehörte vor dem ersten Wurf erst einmal das Schleppen dazu. Gerätschaften, Sitzgelegenheiten und selbst das „Wettkampfbüro“ mussten die Mitglieder des Hufeisenclubs Nußdorf/Hinterberg zu jeder Veranstaltung aufs Neue an den Platz bringen. Damit ist nun Schluss: Kürzlich hat der Verein seine neue Hufeisenhütte eingeweiht – rechtzeitig vor einem besonderen Jubiläum, denn im kommenden Jahr wird der Club 50 Jahre alt.

Die Hütte erleichtert nicht nur den Vereinsbetrieb, sie ist auch das Ergebnis einer Gemeinschaftsleistung. In seiner Festansprache dankte Vorstandsmitglied und Bauleiter Bernhard Oberauer mehr als zwei Dutzend Sponsoren und Unterstützern, die mit Material, Arbeitskraft oder auf andere Weise zum Bau beigetragen hatten. Ihnen und den Mitgliedern, die selbst mit anpackten, galt sein besonderer Dank. Pfarrer Christoph Rudolph gab der neuen Hütte den kirchlichen Segen. Für die musikalische Begleitung der Feier sorgten die „Jungen Hinterberger“.

Der Blick zurück fiel bei der Feier schon deshalb leicht, weil einige Männer der ersten Stunde dabei waren. Acht Mitglieder hatten 1977 den Hufeisenclub Nußdorf/Hinterberg gegründet. Einer von ihnen, Michael Oberauer, weiß noch von den sportlich erfolgreichen Anfangsjahren zu erzählen. Die Nußdorfer „Huferer“ seien bei der Konkurrenz als gute Werfer durchaus „gefürchtet“ gewesen. Mehr als 70 Turniersiege seien in dieser erfolgreichen Zeit zusammengekommen, berichtete Michael Oberauer.

Bereits 1978, nur ein Jahr nach der Gründung, veranstaltete der Club sein erstes Dorfturnier am Ostermontag. Seither gehört das Turnier fest zum Nußdorfer Vereinsjahr. Beim diesjährigen Ostermontagsturnier traten 19 Mannschaften aus Vereinen und Stammtischen gegeneinander an.

Das Hufeisenwerfen selbst ist allerdings wesentlich älter als der Nußdorfer Verein. Bernhard Oberauer, aktiver Hufeisenwerfer und zugleich Schriftführer der Nußdorfer Schiffleut, verwies bei der Feier augenzwinkernd auf eine mögliche Verbindung zur früheren Innschifffahrt. Schließlich standen den Reitern, deren Pferde die Schiffszüge auf dem Inn flussaufwärts zogen, Hufeisen als Wurfgerät unmittelbar zur Verfügung. Geworfen wurde dabei unter freiem Himmel. Ob daraus allerdings geschlossen werden kann, die Schiffleute seien gar die „Erfinder“ des Hufeisenwerfens gewesen, bleibt eine schöne Vorstellung – einen historischen Beweis dafür gibt es nicht.

Dass das Spiel in der Region schon lange bekannt ist, lässt sich dagegen belegen. In einer volkskundlichen Erhebung des Bayerischen Vereins für Volkskunst und Volkskunde von 1908/09 wird das Hufeisenwerfen für Ostermünchen ausdrücklich als Freizeitbeschäftigung genannt. Damit ist das Spiel im heutigen Landkreis Rosenheim bereits rund sieben Jahrzehnte vor der Gründung des Nußdorfer Clubs dokumentiert.

Das Prinzip ist einfach, die Ausführung weniger. Aus 18 Metern Entfernung wird auf eine kleine hölzerne Zielmarke, die Daube, geworfen. Entscheidend ist, das Hufeisen oder die Wurfplatte möglichst nahe daran zu platzieren – mehr eine Sache der Präzision als der Kraft.

Über die Jahrzehnte ist daraus in Nußdorf weit mehr als sportlicher Wettbewerb geworden. „Generationen treffen aufeinander, Erfahrungen werden weitergegeben, Freundschaften entstehen und die Freude am Sport verbindet“, brachte Bürgermeisterin Susanne Grandauer die Bedeutung des Clubs für das Dorfleben auf den Punkt. Neben dem traditionellen Ostermontagsturnier pflegen die Nußdorfer auch den sportlichen Austausch mit Mannschaften aus Bayern und Tirol.

Lange wird es bis zum nächsten besonderen Anlass nicht dauern: 2027 feiert der Hufeisenclub Nußdorf/Hinterberg sein 50-jähriges Bestehen. Dann dürfte an seinem Platz wieder Hochbetrieb herrschen. Nur das Schleppen vor dem ersten Wurf gehört mit der neuen Hütte endgültig der Vergangenheit an.

Volkhard Steffenhagen

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