Stephanskirchen – Als der gelbe Lastwagen auf den Hof einbiegt, warten bereits rund 15 Männer und Frauen auf ihn. Es ist 7.45 Uhr und noch angenehm kühl am Stephanskirchener Zustellstützpunkt der Deutschen Post. Die letzten Züge werden geraucht. Die Gespräche verstummen. Denn es geht an die Arbeit. Hunderte Pakete kommen auf Rollcontainern aus dem Lastwagen und werden ins Innere des Gebäudes gebracht. Zustellerin Steffi Häusler scannt ein Paket nach dem anderen. Dann wandern sie auf nummerierte Rollcontainer. Werden somit einem Zusteller zugeordnet.
Schwere Pakete
und viele Briefe
Rund 150 bis 160 Pakete hat ein Zusteller im Schnitt dabei. Jeden Tag. In der Vorweihnachtszeit können es schon einmal 250 werden, erklärt Häusler. Dazu kommen hunderte Briefe. „Wir haben zwar sauviel zu tun, aber wir rocken das“, sagt sie. Bemerkbar machen sich mittlerweile auch Angebotswochen von Onlinehändlern oder schlechtes Wetter. Denn nach einigen Tagen Regen werde mehr bestellt.
Für Steffi Häusler ist das aber mittlerweile Alltag. Vor fünf Jahren hat sie als Quereinsteigerin bei der Deutschen Post angefangen, inzwischen leitet sie den Stephanskirchener Zustellstützpunkt. Sie teilt die Zusteller der 16 Touren für die Orte Stephanskirchen, Prutting und Riedering ein. Sechs Tage die Woche wird Post ausgeliefert, insgesamt ist sie für rund 25 Mitarbeiter verantwortlich. Besonders wichtig ist ihr ein gutes Klima im Team. So hat sie auch eingeführt, dass Pakete über 20 Kilogramm von Männern auf die Rollwagen verteilt werden.
Denn bis zu 31,5 Kilogramm müssen sie und ihre Kollegen tragen. Über Treppen. In die dritte, vierte Etage. „Das ist machbar, aber schon hart“, erzählt Steffi Häusler aus Erfahrung. Daher macht sich ein Vorstandsmitglied der Deutschen Post, Nikola Hagleitner, für ein branchenweites Gewichtslimit von 23 Kilogramm stark.
Dass sich die Mengen der Pakete etwas vorhersehen lassen, erleichtert Steffi Häuslers Arbeit. So kann sie zusätzliche Schichten einteilen. Bei den Briefen ist das schwieriger. Denn während die Paketberge wachsen, wird der Briefstapel kleiner. 2021 wurden in Deutschland noch 14,2 Milliarden Briefe verschickt, 2024 waren es nur noch 12,2 Milliarden. Gleichzeitig verändert sich das Verhältnis von Briefen und Paketen massiv. 2010 kamen auf ein Paket noch 28 Briefe. Heute sind es fünf. Bis 2030 sollen es nur noch drei Briefe pro Paket sein.
Neben den Paketen muss auch ein Teil der Briefe, Kataloge und Werbesendungen sortiert werden. Sie kommen aus dem Rosenheimer Briefzentrum. Einen Katalog nach dem anderen nimmt Steffi Häusler aus der gelben Kiste und ordnet ihn in eine Regalwand ein. Ein Fach je Adresse. Auffällig: Die allermeisten Briefe landen in der ersten Hälfte ihrer Tour. Dahinter steckt die sogenannte A-/B-Sortierung, erklärt Häusler. Sie stellt heute den Großteil gleich zu Beginn ihrer Strecke zu. Morgen kommt die zweite Hälfte dran.
Der Hintergrund: Die Briefe werden bereits im Briefzentrum für bestimmte Zustelltage gesammelt und dann gebündelt zugestellt. Das reduziert Wege, erklärt Pressesprecherin Carolin Oelsner. Manche Kunden hätten dadurch den Eindruck, die Post komme „schwallartig“ bei ihnen an. Einschreiben, Zeitungen und Pakete werden aber weiterhin täglich zugestellt.
Mehr Spielraum
bei der Organisation
Die Post hat durch die verlängerten Fristen und die A-/ B-Sortierung mehr Spielraum bei der Organisation ihrer Zustellung. Dieser soll helfen, die Briefbearbeitung und Zustellung wirtschaftlich tragfähig weiterzuentwickeln. Denn allein über höhere Portopreise lasse sich das Briefgeschäft nicht dauerhaft wirtschaftlich betreiben, erklärt Carolin Oelsner. „Das große Geld verdienen andere Sparten wie der Expressversand oder die See- und Luftfracht.“
Neben der selbst sortierten Kiste stellt Steffi Häusler auch eine bereits vorsortierte Kiste in ihr Fahrzeug. „Eine Maschine ordnet sie dort nach Bezirken. Und das Sahnehäubchen: Sie werden sogar nach Gangfolge sortiert“, so Häusler. Das bedeutet: Briefe für ihre erste Adresse liegen ganz vorn, die für ihr letztes Haus ganz hinten in der Kiste. Auch wenn mittlerweile vieles maschinell abläuft: Die letzten Meter bleiben Handarbeit.
Der Rollcontainer mit Paketen steht mittlerweile neben der Ladefläche ihres gelben Postautos. Eines nach dem anderen nimmt Steffi Häusler in die Hand, scannt es erneut und legt es an verschiedene Stellen im Wagen. Gleich in die richtige Reihenfolge der Zustellung. „Das ist anfangs schwierig, aber man wird schnell flotter“, sagt Häusler. Die Adressen ihrer Tour kennt sie mittlerweile alle.
Mittlerweile sind knapp zwei Stunden vergangen, als Häusler die letzten Pakete in ihr Auto stellt. Die Sonne heizt den gepflasterten Hof auf. Über 30 Grad soll es heute heiß werden. Trotzdem sind Steffi Häusler und ihre Kollegen das ganze Jahr über im Einsatz – egal ob Hitzerekord oder Eiseskälte. „Die Hitze ist schon hart“, findet die Zustellerin. „Aber man gewöhnt sich daran.“ Dennoch freuen sich die Postler immer, wenn ihnen auf der Tour kaltes Wasser angeboten wird.
Dann geht es los. Als sie bei ihrem ersten Haus stehen bleibt, springt Häusler aus dem Auto. Sie öffnet die Türe zur Ladefläche. Klemmt sich ein Paket unter den Arm. Zwei Briefe und den Scanner in der Hand und ab zum Postkasten. Weil die Bewohner einen Ablagevertrag haben, klingelt Steffi Häusler gar nicht erst. Das bedeutet, der Zusteller kann die Pakete immer vor der Haustüre deponieren.
Für ein kurzes
Gespräch ist immer Zeit
Etwas weiter kommt Steffi Häusler eine kleine Hündin entgegen. Die beiden kennen sich. Sie springt an der Postbotin hoch. Häusler bückt sich und streichelt die Kleine. Dann kommt auch schon das Frauchen mit der Leine herbei. Eine ältere Dame. Sie und Steffi Häusler quatschen kurz. „Das ist das, was ich so liebe an meinem Job. Da nehme ich mir auch die fünf Minuten – selbst wenn ich Stress habe“, sagt sie. Die große Mehrheit der Kunden ist immer „super nett“ zu ihr. „Das tut der Seele gut, wenn man Wertschätzung erfährt“, sagt sie.
Am Ende der Tour leert Steffi Häusler noch einen Briefkasten. Pünktlichkeit ist dabei wichtig: Die Kästen dürfen nicht vor der angegebenen Zeit geleert werden. Kiste unter den Kasten. Schlüssel rein. Ein prüfender Blick, ob auch alles herausgefallen ist. Dann geht es für Steffi Häusler zurück zum Zustellstützpunkt. Wo morgen wieder tausende Briefe und Pakete auf die Zusteller warten.