Obing – Ein historisches Rekord-Niedrigwasser in europäischen Flüssen wie der Donau und dem Rhein legte in diesem Sommer spektakuläre Relikte aus längst vergangenen Zeiten frei. Die äußerst geringen Niederschläge in diesem Winter, Frühjahr und Sommer haben auch bei uns in der Region dazu geführt, dass die Wasserstände so niedrig sind wie lange nicht. So zum Beispiel auch im Bereich der eiszeitlich geprägten Seeoner Seenplatte.
Verändertes
Landschaftsbild
Besonders auffällig ist das veränderte Landschaftsbild am Griessee, wo an den deutlich vergrößerten Uferbereichen nun oft dunkler Schlamm und Schlick dominieren.
Bei genauerem Betrachten der entstandenen „Moorwattlandschaft“ stechen einem nicht nur unsachgemäß entsorgte Gebrauchsgegenstände ins Auge, sondern vor allem am Ost- und Nordufer tief im feuchten Boden steckende Äste und Zweige, die teilweise kreuz und quer verstreut sind, teilweise aber auch augenscheinlich in Formation eng aneinander stehen. Wie ist dies zu erklären? Sind es einfach die Überbleibsel von ins Wasser gefallenen Bäumen und Ästen oder wurden sie von Menschenhand dort hineingesteckt? Die ebenfalls vereinzelt auszumachenden zugespitzten Pfosten zeugen zumindest davon. Oder handelt es sich möglicherweise bei den Hölzern um Relikte einer Vegetation, die hier irgendwann wuchs, als der Wasserstand über einen längeren Zeitraum ähnlich niedrig war?
Holz kann über lange
Zeit konserviert werden
Fakt ist, dass Holz im feuchten, sauerstoffarmen Milieu kaum verrottet und über lange Zeit konserviert werden kann. In Moorgewässern hält es sich besonders gut und überdauert dort oft Jahrhunderte, manchmal sogar Jahrtausende. Die jüngsten Regenfälle und der für die kommenden Wochen prognostizierte Regen werden den Grundwasserspiegel wohl bald wieder ansteigen lassen und dem Naturschutzgebiet Seeoner Seen hoffentlich sein gewohntes Erscheinungsbild zurückgeben. Die Seeoner Seen werden nämlich nicht von außen durch oberirdische Zuflüsse gespeist, sondern nur durch Niederschläge und das Grundwasser.